DFB-Team: Warum Joachim Löw trotz des Horror-Jahres Bundestrainer bleibt

"Manchmal muss man unten anfangen" : Warum Löw trotz des Horror-Jahres Bundestrainer bleibt

Nach dem WM-Debakel war eigentlich klar, dass Joachim Löw ein Abstieg aus der Nations League sportlich nicht überleben würde. Doch der eingeleitete Umbruch rettete den Bundestrainer.

Den Makel eines WM-Versagers und Absteigers sieht man Joachim Löw nicht an. Der Bundestrainer bezeichnet das historisch schlechte Jahr 2018 zwar als "eine richtige Ohrfeige", doch wirklich mitgenommen kommt er nicht daher. Löw sieht sich nach wie vor als richtigen Mann zur richtigen Zeit auf dem wichtigsten Trainerposten im deutschen Fußball - und das strahlt er auch aus.

"Wer denkt, dass man über zehn, 20 Jahre zu den besten drei Teams in der Welt gehören kann, hat den Fußball nicht verstanden", sagte Löw fast schon missionarisch vor dem letzten Länderspiel des Horror-Jahres am Montagabend gegen die Niederlande. Unter seiner Führung sei die deutsche Nationalmannschaft in diesem Jahrzehnt "die konstanteste" gewesen, "dass es dann mal ein Jahr gibt, in dem es nicht so geht, ist für mich völlig normal".

Völlig normal? Ein Vorrunden-Aus bei einer WM hatte es zuvor in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch nicht gegeben. Bei der Premiere der Nations League stieg die DFB-Auswahl aus der A-Gruppe ab. Sechs Niederlagen bedeuteten schon vor dem Duell mit den Niederlanden einen peinlichen Negativrekord. Ohne den Weltmeister-Bonus hätte Löw diese grauenhaften Statistiken sportlich nicht überlebt.

Auch ohne den eingeleiteten Umbruch im Team wäre Löw die Aufgabe Qualifikation zur EURO 2020 wohl nicht mehr anvertraut worden. Doch wie schon einige Male zuvor in seinen knapp 13 Amtsjahren zögerte Löw so lange mit diesem Schritt, bis er wirklich alternativlos war. Die 0:3-Pleite Mitte Oktober im Hinspiel in den Niederlanden öffnete auch Löw endgültig die Augen. Spät, aber nicht zu spät.

Seitdem verordnet Löw der Nationalmannschaft eine Verjüngungskur, auch wenn er dafür einige 2014-Weltmeister opfern muss. Dass er Jerome Boateng vorerst nicht mehr nominiert oder Thomas Müller nur auf die Bank setzt, schmerzt Löw. Das kann man in all seinen Aussagen über die verdienten, aber in die Jahre gekommenen Profis heraushören.

Doch auch bei der neuen Turbo-Generation um Serge Gnabry und Thilo Kehrer kommt Löw gut an, das ist aus Mannschaftskreisen zu hören. Dass er junge Spieler mit seinen Ansprachen erreichen, sie im Training formen und ihnen im Spiel Vertrauen schenken kann - das hat er beim Confed-Cup-Sieg 2017 bewiesen. Wenn DFB-Präsident Reinhard Grindel sagt, das jetzige Team erinnere ihn an die "Confed-Cup-Gruppe", dann meint er damit auch den Bundestrainer.

"Er hat Lust, neue Dinge anzugehen und neue Impulse zu setzen", berichtet Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff. Auch auf Leon Goretzka wirkt Löw alles andere als amtsmüde: "Die Energie hat er zweifelsohne. Auf mich macht er einen sehr gefestigten Eindruck."

Und Löw ist voller Tatendrang. Anders als Bierhoff ist er gar nicht so erleichtert, dass das sportliche Horror-Jahr mit dem Niederlande-Spiel abgeschlossen ist. "Ich hätte gerne noch das ein oder andere Länderspiel mehr gemacht", sagte der Bundestrainer. Umso größer ist seine Motivation für 2019. Dann will Löw wieder oben ankommen: "Das ist wie im Leben, manchmal muss man etwas weiter unten anfangen."

(sid/ako)