DFB-Team paddelt in Wachtendonk

Ausflug an den Niederrhein : Die Nationalelf paddelt in Wachtendonk

Wenn Fußball-Mannschaften das Wir-Gefühl stärken wollen, fahren sie gerne mit Schlauchbooten. Das hat die Fußball-Nationalmannschaft jetzt in Wachtendonk getan.

Beim Teambuilding in der "Blauen Lagune" war von Grüppchenbildung nichts zu spüren. Die Besatzungen beim Wasser-Polo auf dem Badesee waren bunt gemischt. Da saß der Dortmunder Marco Reus mit dem früheren Schalker Leroy Sane in einem Boot, der Münchner Joshua Kimmich paddelte mit dem Kölner Jonas Hector auf dem Surfbrett - und alle hatten sichtlich Spaß. "Unser Job ist es, uns zu finden, uns einzuspielen mit Blick auf die EM 2020, dass wir dort so konkurrenzfähig sind, um den Titel zu gewinnen", sagte Kapitän Manuel Neuer, der im Kanu den "Schlagmann" gab.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist seit Herbst im Umbruch. Aktionen von Spielern und Betreuerteam im niederrheinischen Wachtendonk sollen eine neue Gemeinschaft wachsen lassen, die auch dem Druck eines Turniers Stand hält. Joachim Löw, der sich nach viertägigem Klinikaufenthalt wegen seines Sportunfalls zu Hause erholt, verfolgt diesen Prozess gespannt aus der Ferne - in einem Jahr muss er abgeschlossen sein.

Nach dem starken Start in die EM-Qualifikation in den Niederlanden (3:2) stehen für Löws junge Wilde am Samstag in Weißrussland und drei Tage darauf in Mainz gegen Estland (beide 20.45 Uhr/RTL) die nächsten Prüfungen an. "Wir wollen unserem Trainer zeigen, dass er sich total auf uns verlassen kann, auch wenn er nicht dabei ist. Dass er weiß: Auf diese Spieler ist Verlass, das sind gute Jungs und super Typen - und die holen sechs Punkte für mich", sagte Neuer am Dienstag in Venlo.

Entgegen kommt der Mannschaft laut Neuer, dass Löws Assistent Marcus Sorg, der den nächsten Schritt beim Neuaufbau in Abwesenheit seines Chef verantwortet, viele der jungen Spieler aus den U-Mannschaften kennt. "Wir hoffen", betonte der Kapitän, "dass wir eine schnelle Entwicklung nehmen als Mannschaft - wir wollen im nächsten Sommer angreifen!"

Helfen könnte die traditionelle Blockbildung. Es sei "kein Nachteil, wenn man sechs Spieler aus einem europäischen Top-Team hat", sagte Löw im kicker über sein Bayern-Sextett um Neuer. Bei großen Turnieren setzte der Bundestrainer immer auf einen Bayern-Stamm, die Münchner stellten seit der EM 2008 stets die stärkste Fraktion. In der Spitze standen 2012 acht "Rote" in Löws Kader, beim WM-Triumph 2014 in Rio kamen sieben Bayern-Spieler zum Einsatz, mit Joker Mario Götze schoss ein Münchner das goldene Tor.

Auch deshalb begrüßt Löw das Bemühen des Doublesiegers, in Leroy Sane und Timo Werner zwei weitere Nationalspieler an die Isar zu holen. "Die Qualität der Spieler muss im Vordergrund stehen", sagte Sorg, "aber es hilft natürlich, wenn Spieler sich tagtäglich (gemeinsam) mit Fußball befassen und gewisse Abläufe und Intuition untereinander gefördert wird." Die Vorteile der Blockbildung seien daher "unbestreitbar".

Neben Klub-Blöcken nimmt beim Aufbau eines neuen Teams normalerweise der Mannschaftsrat eine wichtige Rolle ein. Neuer überraschte jedoch mit der Aussage, dass es aktuell gar keinen offiziellen Führungszirkel gebe. Stattdessen kämen die Spieler "positionsgetreu" oder "themenbezogen" zusammen. Dennoch falle auf, "wer Verantwortung übernehmen möchte".

Jonathan Tah, der im VIP-Raum des Stadions De Koel neben Neuer auf dem Podium saß, sieht sich als einer der Jungen "gefordert, das Zepter in die Hand zu nehmen". Er wolle sich beweisen und "so viel Spielzeit bekommen wie möglich", sagte er selbstbewusst.

Was die junge Mannschaft schon drauf hat, soll sie beim internen Trainingsspiel am Mittwoch (17.30 Uhr/RTL nitro) nicht nur 30.500 Fans auf dem voll besetzten Tivoli in Aachen zeigen. Für Löw, sagte Neuer schmunzelnd, sei es "schön, dass er das Spiel (im Fernsehen) schauen kann".

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(sef/sid)