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DFB-Team: Leon Goretzka reift zum Führungsspieler

Auf und neben dem Platz : Goretzka reift zum Führungsspieler

Leon Goretzka scheint auch in der Nationalmannschaft den nächsten Schritt zu gehen. Der Profi des FC Bayern München wächst auf und neben dem Platz zum Führungsspieler heran, auch durch klare politische Haltung.

Am Ende der Presserunde stellte Leon Goretzka den Journalisten "eine kleine Aufgabe" zum Recherchieren. "Meine Eltern waren mal der Meinung, ein Foto von mir in die Zeitung zu stellen", sagte er angesprochen auf sein Fan-Dasein als Kind: "Da sieht man mich im Deutschland-Trikot, vor einem Teller voller Spaghetti eingeschlafen." So müsse man ihn sich "als Kind vorstellen", ergänzte Goretzka lächelnd.

Das DFB-Trikot trägt der 26-Jährige heute als stolzer Nationalspieler auf dem Platz. Im Team übernimmt der Bayern-Profi nach dem Rücktritt von Rio-Weltmeister Toni Kroos auf und neben dem Rasen noch mehr Verantwortung. "In erster Linie funktioniert das immer, wenn man sportlich seine Leistung abliefert und konstant auf hohem Niveau spielt", meinte Goretzka, "und so der Mannschaft ein bisschen Sicherheit gibt."

Zu sehen war das beim 6:0 am Sonntag in Stuttgart gegen Armenien, als der Mittelfeldspieler überragte. Er habe "Tore eingeleitet, Zweikämpfe gewonnen, war immer anspielbar, hatte eine enorme Dynamik und Präsenz", schwärmte Bundestrainer Hansi Flick: "Das Spiel wird auch für ihn ein Maßstab sein."

Zum Abschluss des Dreierpacks in der WM-Qualifikation am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) in Island soll Goretzka wieder im zentralen Mittelfeld neben Kumpel Joshua Kimmich glänzen. Das nahezu perfekte Zusammenspiel des Bayern-Duos könnte für die WM 2022 in Katar ein Trumpf werden. "Mit Jo verstehe ich mich blind", sagte Goretzka: "Wir profitieren davon, dass wir uns auch außerhalb des Platzes austauschen, ähnlich über Fußball denken."

Nicht nur über Fußball. Die beiden Münchner haben mit ihrer Hilfsaktion "We kick Corona" viele in Not geratene Menschen unterstützt, zuletzt auch von der Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz betroffene Vereine.

Auch bei den öffentlichkeitswirksamen Aktionen der DFB-Auswahl zum Themen Menschenrechte ist Goretzka eine treibende Kraft. Das schwierige Thema Katar-WM umschifft der meinungsfreudige Profi nicht: "Das Thema ist sehr präsent. Wir haben schon Stellung dazu bezogen und betonten immer wieder, für was wir beim DFB stehen möchten." Das wolle man "vorleben und einfordern, dass in Zukunft bei der Vergabe mehr auf solche Dinge geachtet werden muss".

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Sein Torjubel nach dem 2:2-Ausgleich im EM-Spiel gegen Ungarn machte weltweit Schlagzeilen. Goretzka formte mit seinen Händen eine Herz-Geste und hielt sie Richtung ungarische Fans, die mit homophobem Verhalten aufgefallen waren. Ganz spontan war die Aktion nicht, wie Goretzka im FAZ-Interview verriet. Zuvor habe er zu Thomas Müller gesagt: "Wenn einer von uns beiden später noch trifft, müssen wir was machen, da müssen wir uns was einfallen lassen." Die Geste sei dann aber "spontan aus dem Bauch heraus" entstanden.

Man dürfe aber nicht den Fehler machen, nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, betonte Goretzka. Denn "so perfekt, wie wir manchmal tun, ist es bei uns auch nicht". Für die Bundestagswahl in zweieinhalb Wochen machte er "klar und deutlich: Jede Stimme für eine demokratische Partei ist eine gegen die AfD".

(stja/SID)