DFB-Team: Joachim Löw wehrt sich nach Niederlage gegen die Niederlande gegen Taktik-Kritik

Niederlage gegen die Niederlande : Bundestrainer Löw wehrt sich gegen Taktik-Kritik

Nach dem blitzsauberen Start in die EM-Qualifikation steht die deutsche Nationalmannschaft plötzlich unter Druck. Wegen der Pleite gegen die Niederlande muss sich Bundestrainer Joachim Löw gegen Kritik an seiner Taktik wehren.

Zu wenig Ballbesitz“ - für viele Nationalspieler war der Hauptgrund für die bittere Qualipleite gegen Erzrivale Niederlande schon nach dem Duschen ausgemacht. Wer wollte, konnte dies als Kritik an der Taktik werten. Die Fünfer-Abwehrkette wackelte gewaltig, die Hoheit im Mittelfeld wurde Oranje überlassen, die "Joker" stachen nicht. Doch Joachim Löw verteidigte seine Strategie.

"Ich würde wieder so entscheiden", sagte der Bundestrainer nach der 2:4 (1:0)-Niederlage am Freitagabend in Hamburg über sein 5-2-3-System: "Wir hatten unsere Schwachstellen, aber nicht aufgrund der taktischen Ausrichtung, sondern wegen der einfachen Fehler, die wir gemacht haben."

Die Blackouts vor allem in der Abwehr bringen den viermaligen Weltmeister, der zuvor eine blitzsaubere EM-Qualifikation gespielt hatte, plötzlich unter Druck. Bei einer weiteren Niederlage am Montag (20.45 Uhr/RTL) in Belfast beim noch ungeschlagenen Tabellenführer Nordirland wäre der felsenfest eingeplante Start bei der EURO im kommenden Jahr ernsthaft in Gefahr. Ein Worst Case, der nach dem WM-Debakel und dem Abstieg in der Nations League fatale Folgen hätte.

"Wir wissen, dass im Fußball immer alles passieren kann, das haben wir 2018 bei der WM am eigenen Leib erlebt", sagte Kapitän Manuel Neuer der Bild. Offensivspieler Marco Reus spürte nach dem "komplett unnötigen" ersten Rückschlag seit dem vor einem Jahr eingeleiteten Umbruch einen "Riesendruck" und forderte: "Wir müssen die Köpfe oben behalten und positiv bleiben und dann am Montag einen raushauen."

Löw ist zuversichtlich, dass seine junge Mannschaft den Warnschuss verstanden hat. "Am Montag, da bin ich mir sicher, werden wir eine gute Reaktion zeigen", sagte der 59-Jährige. Löw erwartet "wahnsinnig robuste" Nordiren, die anders als die offensivfreudige Elftal mit "sehr vielen langen Bällen" spielten: "Taktisch müssen wir uns etwas ausdenken."

Ein Wechsel von Fünfer- auf Vierer-Abwehrkette zugunsten eines zusätzlichen Mittelfeldspielers gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn Linksverteidiger Nico Schulz wegen eines Teilrisses eines Bandes in der linken Fußwurzel ausfällt. Gegen die Niederlande liefen die deutschen Spieler dem Ball fast nur hinterher. "Ich war ehrlich gesagt überrascht von Deutschlands Spielweise. Wir hatten alles unter Kontrolle", sagte Oranje-Star Virgil van Dijk.

"Mir war das ein bisschen zu wenig Ballbesitz. Das ständige Verschieben hat Kraft gekostet", sagte Abwehrchef Niklas Süle als Erklärung für die vielen Fehler in der Defensive. Auch Joshua Kimmich, der sich im zentralen Mittelfeld zusammen mit Toni Kroos aufgerieben hatte, gab zu bedenken, dass Konzentration verloren gehe, "wenn du immer nur hinterherläufst und so viele Kilometer in den Beinen hast". Dafür machte der Bayern-Profi nicht nur die Taktik verantwortlich, sondern auch das Anlaufverhalten der Spieler.

Löw verwies zudem darauf, dass die DFB-Auswahl mit der gleichen Taktik im Hinspiel 3:2 gewonnen und überzeugt hatte. Einen Fehler gab der Bundestrainer dennoch zu: Die Einwechslungen der Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan und Kai Havertz für die schwachen Stürmer Reus und Timo Werner brachten beim Stand von 1:1 (61.) nicht den gewünschten Effekt - im Gegenteil. "Das stimmt schon", sagte Löw. Er habe sich mit der Maßnahme mehr Ballsicherheit erhofft, aber das sei "nicht entscheidend besser geworden".

Löw und die jungen Spieler müssen schnell aus der Niederlage lernen. Ansonsten droht in Nordirland ein böses Erwachen.

(lt/sid)