DFB-Team beginnt die Vorbereitung mit Marcus Sorg in Venlo

DFB-Team in Venlo : Rundum-sorglos-Paket

Ort, Zeit und handelnde Personen sind gewöhnungsbedürftig. Das DFB-Team bereitet sich Anfang Juni in Venlo auf zwei Qualifikationsspiele vor - unter der Anleitung von Trainer Marcus Sorg. Doch der strahlt eine ansteckende Ruhe aus.

Marcus Sorg ist ganz bestimmt ein angenehmer Mensch. Jedenfalls nimmt er sich nicht ganz so wichtig, was in einer Branche voller großer und noch größerer Egos ganz und gar nicht gegen ihn spricht. Noch bis zum Ende dieser Woche, dessen ist sich auch der 53-Jährige bewusst, blicken große Teile der Fußballnation auf ihn. Insgesamt zehn Tage ist er als Krankheitsvertretung von Joachim Löw in vorderster Front für die Nationalmannschaft verantwortlich. Sein Chef, Bundestrainer Löw, lässt sich in einem Krankenhaus wegen einer Arterien-Quetschung behandeln. Sein Gesundheitszustand sei keineswegs besorgniserregend. Löw, so ließ Sorg wissen, würde in den gemeinsamen Telefonaten mit kräftiger Stimme sprechen. Und ganz vielleicht hätte Löw auch auf die Auszeit verzichtet, ginge es in der EM-Qualifikation am Samstag in Borissow gegen Weißrussland und drei Tage später in Mainz gegen Estland (beide 20.45 Uhr) gegen andere Kaliber.

Sorg ist seit 2016 Assistent an der Seite von Löw. Nun rückt er eine Reihe vor – wenn auch nur auf Zeit. „Das ist natürlich alles miteinander besprochen. Jogi weiß, dass er sich hundertprozentig auf mich verlassen kann“, verkündet Sorg. „Aber natürlich ist das auch für mich alles andere als alltäglich. Es ist eine spezielle und ungewohnte Situation. Andererseits passiert wenig bei solchen Lehrgängen spontan, alles ist bis ins kleinste Detail vorbereitet. Wir können uns also auf das Wesentliche konzentrieren.“

In Venlo, ein paar Kilometer hinter der niederländischen Grenze, bereitet sich der DFB-Tross in einem Mini-Trainingslager im Stadion des Erstligisten VVV Venlo auf die kommenden Aufgaben vor. Venlo? Niederlande? Der DFB hat nach eigenen Angaben keine adäquate Möglichkeit gesehen, sich in Deutschland vorzubereiten. Und musste es dann ausgerechnet ein Quartier in Holland sein, dem fußballerischen Erzfeind über Jahrzehnte, will ein Journalist von Manager Oliver Bierhoff wissen. Kurze Pause, dann ein mildes Lächeln. „Wir diskutieren hier in Europa doch: 'Wir wollen zusammenrücken'. Wir wollten uns mal angucken, wo am Wochenende das halbe Ruhrgebiet einkauft“, befindet er und blickt in die Runde, als wolle er bei jedem Einzelnen überprüfen, ob seine Botschaft auch wirklich angekommen ist. „Wir sehen da keine Grenzen mehr. Wir haben geschaut, wo die besten Möglichkeiten und Verfügbarkeiten vorhanden sind. Es ist gar nicht so einfach, für 70 Leute ein Hotel zu finden.“ In Venlo hat man schließlich eine Herberge bekommen – das Teamhotel De Bovenste Molen in einem schicken Villenviertel.

Die Geschichte wird allerdings noch etwas komplizierter. Der DFB hat für Mittwoch ein Trainingsspiel in Aachen angesetzt. Im Tivoli treten die Nationalspieler in zwei Teams gegeneinander an. „Schon eine ernsthafte Einheit“, wie Bierhoff versichert. Und tatsächlich: 30.000 Zuschauer wollen dabei sein, so viele Tickets sind verteilt worden. Früher wurden solche Termine für Benefizspiele genutzt, das geht im modernen Fußball aber wohl nicht mehr. „Es gibt Exklusivrechte der Uefa, das hängt mit den TV-Partnern zusammen, da kann man das nicht mehr so machen. Deshalb haben wir uns für diese Form entschieden. Aber natürlich, sekundierte Pressesprecher Jens Grittner, würde der DFB seinem sozialen Engagement trotzdem nachkommen. Die Gelder würden jetzt halt aus anderen Einnahmen genommen. Für Aachen als Austragungsort im Speziellen habe gesprochen, dass man nicht in die ganz großen Städte gehen wolle, „wo die Menschen vom Fußball vielleicht schon übersättigt sind“ und dass Egidius Braun, 94, in der Stadt lebt. Der Ehrenpräsident des DFB, so die Hoffnung von Bierhoff, sei am Mittwoch auch im Stadion.

Marcus Sorg hat einmal über Marcus Sorg gesagt, dass er das Rampenlicht nicht als Lebenselixier empfinde. Als Mensch aus Baden-Württemberg sei er einfach „ein wenig reservierter“. Damit gemeint sei indes gewesen, dass er nicht bereit ist, von einer Talkshow und Quizsendung zur nächsten zu hüpfen. Sorg, urteilt Bierhoff, sei ein „Vollbluttrainer“. Die meiste Zeit in seiner Karriere war Sorg selbst Chef, unter Löw musste er sich dann in einem Team einordnen. Die Chemie habe sofort gestimmt. Sorg weiß um seine Position und auch um die Wertschätzung von Löw. Man sieht, dass Sorg nicht etwa eine Chance wittert, sich ins Rampenlicht zu spielen. Dafür ist er viel zu loyal. Und so stellt er fest: „Das letzte Wort hat immer der Bundestrainer. Wir sprechen natürlich über die Aufstellung und er sagt mir seine Vorstellungen. Und wie ich bewertet werde, hängt vor allem davon ab, welche Ergebnisse wir erzielen.“