DFB: Lahm wird OK-Chef für die EM 2024

Turnier-Organisator : Lahm steigt beim DFB auf und wird Cheforganisator der EM 2024

Am 27. September entscheidet die Uefa über die Vergabe der EM 2024. Wenn Deutschland den Zuschlag erhält, wird Philipp Lahm als Topfunktionär ins DFB-Präsidium aufrücken.

Philipp Lahm hat im Fußball fast alles gewonnen. Er ist Weltmeister, Champions-League-Sieger, deutscher Meister und Pokalsieger geworden. Ein Titel fehlt in seiner Sammlung. Lahm (34) war nie Europameister. Vielleicht hat er auch deshalb die Rolle eines Botschafters für die deutsche Bewerbung um die EM 2024 übernommen. Dem Verband hat offenbar gefallen, was der Ehrenspielführer in diesem Amt geleistet hat. Denn der DFB macht Lahm nun zum starken Mann für die Europameisterschaft. Sollte die Uefa am 27. September das Turnier 2024 nach Deutschland vergeben, wird Lahm Chef der deutschen Turnierorganisation. Er wird so etwas wie der Franz Beckenbauer der EM. Beckenbauer hatte als Chef des Bewerbungskomitees die WM 2006 nach Deutschland geholt und war anschließend auch der erste Mann im Organisationskomitee.

Auf das seinerzeit allgemein bejubelte Wirken der zumindest einstweilen mal früheren Lichtgestalt des deutschen Fußballs fallen durch immer noch nicht aufgelöste Rätsel um die Umstände der WM-Vergabe ein tiefer Schatten. Lahm stellt sich mit dem Image des skandalfreien Saubermanns gegen mögliche Wiederholungen seltsamer Zahlungsvorgänge. Den Makel des Undurchsichtigen, der die Bewerbung 2006 umgibt, will Lahm „durch Offenheit und indem man sich an Regeln hält“ vermeiden, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion im Frühjahr sagte. Da wusste er noch nichts von der Berufung zum EM-Turnierchef und war als Botschafter auf Tour.

Mit der Chefrolle ist auch eine klare Aufwertung innerhalb des DFB verbunden. Lahm wird, immer vorausgesetzt, Deutschland setzt sich im Bewerbungsverfahren gegen die Türkei durch, als „kooptiertes Mitglied dem Präsidium angehören“, wie der Verband am Donnerstag mitteilte. Der 34-Jährige bekommt also eine einflussreiche Rolle, für die er sich nach der WM-Blamage und dem Vorrundenaus der Nationalmannschaft in Russland geradezu beworben hatte. In einem ARD-Interview antwortete er auf die Frage, ob er sich mit kritischen Äußerungen zur Leistung der Nationalmannschaft selbst für einen Job beim DFB in Stellung bringe: „Das kann man definitiv so sehen.“

Mit seiner Kritik hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Vor allem Bundestrainer Joachim Löw reagierte ziemlich gereizt auf Lahms Vorschlag, den kollegialen Führungsstil der jüngeren Vergangenheit mal zu überdenken. „Ich finde das in der Art und Weise nicht richtig“, sagte Löw.

Er wird nun bestimmt nicht unzufrieden damit sein, dass der Verband Lahm nicht in eine Position beruft, die in direkter Beziehung zum Nationalteam steht. Löw muss nicht befürchten, dass ihm möglicherweise ein Teammanager Lahm als Besserwisser vor die Nase gesetzt wird. Lahm darf sich in der Administration austoben. Das findet natürlich den Beifall derer, die sich das ausgedacht haben. DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärte: „Philipp Lahm hat als Botschafter bislang einen hervorragenden Job gemacht, und ich bin überzeugt, dass dies auch über den 27. September hinaus der Fall sein wird.“ Lahm stellte fest: „Es war von Beginn meiner Tätigkeit als Botschafter für die EM 2024 an mein Wunsch, langfristig Verantwortung zu übernehmen.“ Und Grindel beteuerte, „die Entscheidung ist in enger Abstimmung und breiter Zustimmung des DFB-Präsidiums und Vertretern aus der Bundesliga gefallen“.

Bei diesen Vertretern handelt es sich in erster Linie um die Bayern-Funktionäre Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Vor allem Rummenigge hatte dem DFB den ehemaligen Münchner Kapitän Lahm herzlich für eine Rolle im Verband empfohlen. Im Moment, hatte Rummenigge gesagt, fehle dem Verband „ein bisschen die Fußballkompetenz“.

Es ist nicht heraus, ob es die Münchner bedauern, dass sie Lahm auf absehbare Zeit nicht in ihr Team führender Funktionäre einbauen können. Vor einem Jahr boten sie ihm einen Job im Management an, den er dankend ablehnte, weil er ihm zu wenige Kompetenzen enthielt. Unserer Redaktion versicherte Lahm, „ich habe nicht gesagt, dass ich nicht zum FC Bayern zurückkehren werde. Es kommt immer darauf an, zu welchem Zeitpunkt und: Um was geht’s? Man soll nie nie sagen“.

Vorerst aber spricht der Zeitpunkt für den DFB. Und klare Vorstellungen von der Bedeutung einer EM im eigenen Land hat Lahm auch schon. „Es ist etwas Schönes, ein solches Turnier im Herzen Europas auszutragen“, erklärte er, „so ein Turnier stiftet Identität, davon profitieren alle.“ Diese Einsicht verdankt er dem sogenannten Sommermärchen 2006, an dem er als Hauptdarsteller mitwirkte. Deutschland sei ein glücklicheres Land geworden, urteilte damals UN-Generalsekretär Kofi Annan. Über Beckenbauer und die 6,7 Millionen Euro wurde noch nicht gesprochen.