DFB-Elf: Serge Gnabry wandelt auf den Spuren von Gerd Müller

13 Tore in 13 Länderspielen : Nur Gerd Müller übertrifft Serge Gnabry

Serge Gnabry wandelt immer mehr auf den Spuren von Gerd Müller. Mit seinen Toren Nummer elf bis 13 im 13. Länderspiel hat der Bayern-Profi bewiesen, warum er im Nationalteam gesetzt ist.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht tauchte der markante Wuschelkopf doch noch auf, und sofort wurde es in den Katakomben der Frankfurter Arena hektisch. Die Kameralichter gingen an, die Journalisten drängelten um die besten Plätze - Serge Gnabry aber ließ sich von dem Trubel nicht beirren. Nüchtern, ja sogar ein wenig emotionslos sprach der Nationalstürmer über seine spektakuläre Drei-Tore-Gala beim 6:1 (2:1)-Sieg zum Jahresabschluss gegen Nordirland.

"Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte", sagte der Profi von Bayern München und fügte fast schon entschuldigend hinzu: "Ich schieße ja leider nicht allzu oft drei Tore in einem Spiel."

Das nicht, aber mit dem Toreschießen an sich hat der 24-Jährige im DFB-Trikot überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Gnabry trifft alle 78 Minuten. 13 Treffer nach 13 Länderspielen ist eine Weltklasse-Quote, die hierzulande nur von Gerd Müller (16) übertroffen wird. Hat Deutschland also wieder einen "Bomber der Nation"? Laut Bundestrainer Joachim Löw ist Gnabry zumindest auf dem besten Weg dahin.

"Bei der EM kann er es zur Weltklasse schaffen. Bei Turnieren zeigt sich, wer ein großer Spieler ist", sagte Löw der Bild. Der Bundestrainer geriet über den Mann, den er wie zu dessen Jugendzeiten als Mittelstürmer aufstellt und dem er eine Einsatzgarantie gibt ("Gnabry spielt immer"), regelrecht ins Schwärmen: "Er hat eine unglaubliche Klasse, ist torgefährlich, schafft Räume für andere. Und im Abschluss ist er wirklich eiskalt."

DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der selbst 37-mal in der Nationalmannschaft getroffen hat, sagte zum Scherz auf der Bank: "So langsam muss ich ihn vom Platz holen lassen, sonst holt er uns noch alle ein." Von Glück wollte Löw bei Gnabry nicht sprechen: "Er macht die Tore ja bewusst, legt sich die Bälle richtig zurecht."

Den Treffer zum 1:1-Ausgleich (19.) zum Beispiel hätte sein Klubkollege Robert Lewandowski nicht besser machen können. Gnabry nahm den Ball nach einer Hereingabe von Jonas Hector technisch perfekt an, drehte sich schnell um die eigene Achse und schoss den Ball dann wuchtig ins rechte obere Toreck.

"Als Mittelstürmer versuche ich immer, im Strafraum zu sein und vorne die Tore zu schießen. Das gelingt mir im Moment gut", sagte Gnabry bei dem Versuch, sein Erfolgsrezept zu erklären. Er freue sich zwar über seinen Lauf, "aber das größte Kompliment gilt immer der Mannschaft".

Gnabry ist für das EM-Jahr im Sturm gesetzt, an seiner Seite dürfte bei der Endrunde sein derzeit verletzter Kumpel Leroy Sane auflaufen. Den dritten Platz im Dreier-Sturm machen der gegen Weißrussland sehr unglückliche Timo Werner, Julian Brandt, der gegen Nordirland nach mäßiger Leistung immerhin noch zum 6:1 (90.+1) traf, und der zurzeit angeschlagene Marco Reus unter sich aus.

Gnabrys Botschaft lautet: "Wenn man hart arbeitet, dann bekommt man auch etwas zurück." Er selbst habe immer an sich geglaubt, auch als viele Experten den Schritt von Werder Bremen zu Bayern München als zu groß einschätzten. Beim deutschen Rekordmeister ist Gnabry inzwischen gesetzt, genau wie im DFB-Team. Und sollte Lewandowski tatsächlich mal ausfallen, brauchen die Bayern nicht in Panik zu geraten. Gnabry kann es auch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Serge Gnabry

(lt/sid)
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