DFB: Bundestrainer Joachim Löw spürt „große Aufbruchsstimmung in der Mannschaft“

Bundestrainer optimistisch : Löw spürt „große Aufbruchsstimmung in der Mannschaft“

Bei der EM 2020 soll die deutsche Nationalmannschaft wieder um den Titel mitspielen. Bundestrainer Joachim Löw sieht für seine verjüngte Auswahl aber noch "einige Hürden" auf dem Weg zurück an die Spitze.

Joachim Löw nahm sich ungewöhnlich viel Zeit. Sieben, acht Minuten redete der Bundestrainer zu Beginn der ersten Trainingseinheit der EM-Saison im verregneten Hamburger Millerntorstadion auf seine stark verjüngte Nationalmannschaft ein. Löw suchte Blickkontakt zu seinen Stars, gestikulierte viel - und verbreitete genau die Aufbruchstimmung, die seine Auswahl im nächsten Sommer zurück an die Spitze tragen soll.

"Der EM-Titel ist für uns alle ein großer Traum", bestätigte Kapitän Manuel Neuer nach dem temporeichen Training mit einem Mini-Turnier ("Sechs gegen Sechs") das hohe Ziel. Auf dem Weg dorthin kommt dem schwierigen EM-Qualifikationsspiel am Freitag in Hamburg gegen den Erzrivalen Niederlande (20.45 Uhr/RTL) eine ganz besondere Bedeutung zu. "Das ist der nächste harte Prüfstein", sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff und sprach abermals von einem "Prozess" des Zusammenwachsens der neu formierten Mannschaft.

Die Zeit drängt dabei, Löw muss aus seiner jungen, auf Weltranglisten-Platz 15 abgestürzten Elf binnen neun Monaten ein Top-Team formen. "Ich würde nicht sagen, dass wir wie zwischen 2010 und 2018 garantiert zu den Top 4 gehören", sagte Bierhoff am Dienstag, "wir wissen, dass andere Mannschaften aufgeholt haben." Zur erweiterten Weltspitze dürften sich Neuer und Co. aber schon zählen.

Nach dem historisch schwachen Jahr 2018 mit WM-Desaster und Abstieg aus der Nations League spürt Löw wieder eine "große Aufbruchsstimmung in der Mannschaft" und lobte deren "sehr guten Spirit". Doch er weiß: "Es geht nicht von heute auf morgen, es sind noch einige Hürden zu nehmen."

Das 3:2 im Hinspiel gegen Oranje liefert Löw dafür die Blaupause. Ja, seine "Jungs" hätten im Amsterdam "gezeigt, dass wir auch die großen Mannschaften schlagen können". Nach der 2:0-Führung habe er aber gesehen, "dass wir noch nicht so stabil sind. Da haben wir manchmal gewackelt." Die Elftal kam zum Ausgleich, Nico Schulz gelang mit etwas Glück der späte Siegtreffer.

Motivation, Ehrgeiz, Lernwille - all das bringe die neue Generation um Anführer Joshua Kimmich im Übermaß mit, sagte Löw. Was ihr fehle, sei Erfahrung und Stabilität in Extremsituationen. Doch auch bei den späteren Rio-Weltmeistern, die sich 2010 bei der WM in Südafrika auf die Reise machten, habe es "ein paar Jahre" bis zur Titelreife gedauert - Rückschläge wie bei der EM 2012 inklusive. "Wir haben Potenzial", sagte Löw, "aber das müssen wir bestätigen." Zum Beispiel im Volksparkstadion gegen die Niederlande oder drei Tage später in Nordirland beim Tabellenführer der Quali-Gruppe C.

Sein Personal für den großen Wurf hat Löw ein Dreivierteljahr vor der EM im Groben beisammen. "Der erweiterte Kreis steht, ganz klar", sagte er. Die Achse bilden Neuer im Tor, der neue Abwehrchef Niklas Süle, Kimmich und Toni Kroos im Mittelfeld, der Dreiersturm um den aktuell verletzten Leroy Sane, Serge Gnabry und Marco Reus. Jetzt müsse sich seine Elf mit Blick auf die EM "langsam einspielen", sagte Löw.

Charakterlich sei das "neue Deutschland" schon titelreif, betonte Bierhoff. "Wir werden auf jeden Fall eine gute Einstellung haben und kämpfen", versprach er - "ich hoffe, dass wir auch wieder den Spielwitz der letzten Spiele an den Tag legen."

(dpa/old)