Deutschland - Argentinien: DFB-Talente überzeugen Bundestrainer Joachim Löw

Ersatzgeschwächtes Nationalteam : DFB-Talente überzeugen den Bundestrainer gegen Argentinien

Am Ende ging der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien die Puste aus. Zuvor hatte das stark ersatzgeschwächte Team aber 60 Minuten eine überzeugende Leistung gezeigt. Die jungen Spieler zeigten ihr Talent.

Auf die Ehrenrunde gingen sie dann doch. Obwohl längst noch viel weniger Zuschauer die Ränge des ehemaligen Westfalenstadions in Dortmund bevölkerten als während des Spiels gegen Argentinien (da waren es 45.000), gab es noch hörbaren Beifall. Das Publikum honorierte eine über eine Stunde bemerkenswert gute Vorstellung einer schwer ersatzgeschwächten deutschen Nationalmannschaft. Sie erspielte sich einen verdienten 2:0-Vorsprung, sie musste allerdings in der Schlussphase noch den Ausgleich zum 2:2 hinnehmen. "Wir konnten das gute Niveau nicht über 90 Minuten halten", räumte Bundestrainer Joachim Löw ein, "aber gerade die Spieler mit wenig Erfahrung haben es gut gemacht."

Davon hatte er einige auf den Platz geschickt, schicken müssen. 13 Absagen hatte er bis zum Spieltag hinnehmen müssen, dann fiel auch noch der Berliner Verteidiger Niklas Stark mit einer Magen-Darm-Verstimmung aus. Für ihn debütierte der Freiburger Innenverteidiger Robin Koch, den Löw erst am Montag nachnominiert hatte. Im Angriff machte Kochs Mannschaftskollege Luca Waldschmidt sein erstes Länderspiel, und routinierte Kräfte waren Mangelware.

Trotzdem legte die DFB-Auswahl eine vielversprechende erste Halbzeit auf den Rasen. Sie kombinierte mit viel Intelligenz und Kunst durchs Mittelfeld, von den Flügeln kam tüchtig Druck aufs argentinische Tor, und mit verblüffender Selbstverständlichkeit erzwang der Gastgeber eine 2:0-Führung. Lukas Klostermann war zweimal als Vorbereiter beteiligt, Serge Gnabry einmal mit einem Abschluss in typischer Mittelstürmer-Art zum 1:0 und vor dem zweiten Treffer als abschließender Passgeber für Kai Havertz, der einen sehenswerten Konter zum 2:0 abschloss.

In dieser Zeit spielte Löws Team wie aus einem Guss, es verstellte den Argentiniern im Mittelfeld die Räume, stieß zielstrebig nach vorn und hatte in Havertz und Joshua Kimmich die Taktgeber. Die Gäste kamen kaum mal vor das deutsche Tor, weil die Abwehrarbeit der gesamten Mannschaft ("das Spiel gegen den Ball", wie es so schön heißt) gut funktionierte. "Das", urteilte Löw, "war schon richtig gut."

Die Selbstverständlichkeit, die Leichtigkeit blieb allerdings bald auf der Strecke. Argentinien, ebenfalls nicht gerade mit dem besten Aufgebot angetreten, ging nach der Pause entschlossener zu Werke und machte mehr Druck. Die Deutschen - auch die erfahrenen Kräfte Marc-André ter Stegen und Kimmich - leisteten sich Ballverluste, ter Stegen bei so manchem Abstoß, Kimmich in der Aufbauarbeit, so dass es weniger Entlastung gab. "Da mussten wir viel mehr hinterherlaufen", sagte Kimmich.

Der Gast nutzte nun die Räume, die er im ersten Durchgang nicht bekommen hatte, und kam zu guten Gelegenheiten in Serie. "Wir sind da ein wenig ins Schwimmen geraten", erklärte Löw. Die beiden Gegentreffer waren die logische Folge. Weil auch die Konter längst nicht mehr so flüssig liefen wie zu Beginn, konnte die DFB-Auswahl das gegnerische Tor kaum mehr gefährden.

Weil Löw dann noch ein paar Auswechslungen vornahm, ging der Rhythmus vollends verloren. Das 2:2 drückte die Kräfteverhältnisse am Ende richtig aus. In dieser Einschätzung waren sich alle Beteiligten einig.

Löw wird einigermaßen beruhigt feststellen, dass er viel Talent in der Hinterhand hat. Aber er wird ganz froh sein, dass im nächsten EM-Qualifikationsspiel am Sonntag kein ganz großer Gegner wartet. Seinem Talentschuppen ist durchaus zuzutrauen, in Estland einen klaren Sieg zu schaffen. Und zur endgültigen Beruhigung des Bundestrainers darf wohl beitragen, dass Marco Reus, Ilkay Gündogan und Timo Werner das heftig ausgedünnte Aufgebot wahrscheinlich wieder bereichern werden. Gnabry, im Moment vielleicht der wichtigste Angreifer in Löws Team, wurde in der Schlussphase geschont. "Wir brauchen ihn", sagte der Coach.

Das bewies Gnabry gegen Argentinien. In seinem elften Länderspiel machte er sein zehntes Tor. Das sind Quoten, die es in der Nationalelf lange nicht gegeben hat. In Estland könnte es so weitergehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Deutschland - Argentinien: die Bilder des Spiels

Mehr von RP ONLINE