Bundestrainer Joachim Löw setzt Marc-André ter Stegen in Mönchengladbach auf die Bank

DFB-Team in der EM-Qualifikation : Arbeitsteilung für die Torhüter

In den letzten beiden Länderspielen des Jahres trifft das DFB-Team auf Weißrussland und Nordirland. Bundestrainer Joachim Löw hat entschieden: Manuel Neuer spielt in Mönchengladbach, Marc-André ter Stegen in Frankfurt.

Marc-André ter Stegen ist ein Mönchengladbacher Jung. Im zarten Alter von vier Jahren kam er zur Borussia, und von da ging es 2014 in die ganz große Fußballwelt zum FC Barcelona. Die Bindung an seine Heimat hat der Torwart aber nie abreißen lassen. Am Samstag kommt er mal wieder zurück an den Niederrhein. Als Ersatzmann. Bundestrainer Joachim Löw hat sich zwar für die beiden abschließenden EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und am Dienstag gegen Nordirland (beide 20.45 Uhr/RTL) bei den Torleuten für das Modell Arbeitsteilung entschieden. Doch: In Gladbach spielt Manuel Neuer, in Frankfurt ter Stegen. Warum? Weil Löw der Trainer ist, und weil er das Sagen haben will. Noch vernünftigere Gründe dafür, dass der Mönchengladbacher in seiner Heimat auf der Bank sitzt, gibt es nicht. „Wir stellen nicht nach Wohnzimmer auf“, sagt der Coach. Vielleicht will er mal ein bisschen härter klingen.

Für einen Wahl-Mönchengladbacher gibt es für beide Spiele die Startberechtigung. Matthias Ginter (25) wird der zentrale Spieler der deutschen Abwehr sein. Und er glaubt nicht nur deshalb, „dass meine Entwicklung in die richtige Richtung gegangen ist“. Der Prozess seiner Nationalspieler-Werdung begann früh, schon 2014 gehörte er zum Aufgebot des späteren Weltmeisters. Er war allerdings als Lehrling in Brasilien und bekam keinen Einsatz. Inzwischen, so selbstbewusst ist er, darf er sich als Stammspieler fühlen und darauf verweisen, dass er immer noch gelegentlich unterschätzt wird – selbst nach über 200 Bundesliga-Spielen. Das beeindruckt ihn aber nicht. „Ich will mit Leistungen überzeugen, nicht mit Parolen“, sagt Ginter.

So etwas finden sie beim DFB gut. Deshalb lobt Löw artig die Entwicklung seines Abwehrspielers. Der Gladbacher zähle („schon auch“) zu jenen etablierten Rückkehrern, „die das Team stabilisieren“, urteilt der Bundestrainer. Neben Ginter nennt er ausdrücklich Toni Kroos und Ilkay Gündogan. Auch ihnen gibt er eine Stammplatz-Garantie für die Begegnung mit Weißrussland.

Für Löw ist es der eine von zwei Schritten zur Tür Europameisterschaft. Und er erwartet wie sein Verteidiger Ginter einen Gegner mit „gefährlichen Standards und guten Kontern“. Der Spieler darf in der Medienbesprechung in Düsseldorf sogar die taktische Marschroute vorgeben: „Wir brauchen tiefe Laufwege, um die Reihen auseinander zu ziehen.“

Das findet Löw sicher auch. Und ebenso überzeugt ist er davon, „dass wir gewinnen werden, wenn wir unsere Möglichkeiten einbringen“. Das gelang bereits beim 2:0 im Hinspiel, das allerdings für den Trainer ein Beleg dafür war, „dass man heute nicht mehr jeden Gegner aus dem Stadion schießen kann. In Weißrussland war es auch nicht einfach, die Mannschaft hat einige gute Fußballer, und sie ist defensiv inzwischen noch ein Stück organisierter“.

Das wird sein Team nicht in Angst und Schrecken versetzen. Es hat schließlich in der Qualifikation und in den Testspielen zumindest über größere Strecken sein Talent nachgewiesen. Löw ist geradezu begeistert von der Einstellung seiner Mannschaft. „Man spürt, dass die Spieler dabei sind“, sagt er, „sie haben eine hohe Disziplin, sind ehrgeizig und zugleich locker. Die Mannschaft macht einen sehr, sehr guten Eindruck.“

Das soll sie auch, schließlich muss sie auf dem Weg zur Europameisterschaft noch eine Menge lernen. Ein überarbeitetes Spielsystem zum Beispiel. Löw war viele Jahre ein großer Anhänger des Ballbesitz-Fußballs aus der Schule des FC Barcelona. Nun hat er seine Boten übers Land gesandt, und die haben die nicht so überraschende Feststellung getroffen, dass unterdessen das fröhliche Jagen, im Trainer-Neudeutsch: das schnelle Umschaltspiel für die meisten erfolgreichen Mannschaften das Gebot der Stunde ist.

Und so ähnlich stellt sich der Bundestrainer das künftige Auftreten seiner Mannschaft vor. „Der Fokus ist nicht mehr nur Ballbesitz“, erklärt Löw, „es geht um das schnelle Umschalten nach dem Ballgewinn, in wie vielen Sekunden schaffe ich es, vors Tor zu kommen.“

Dieses Spiel üben die meisten seiner Akteure in ihren Heimatvereinen, und es kommt ausgewiesenen Sprintern wie Timo Werner und Serge Gnabry natürlich entgegen. Positive Ansätze waren zuletzt im Test gegen Argentinien zu erkennen – 45 Minuten lang. Für Löw war es bereits eine überraschende Erkenntnis, „dass wir das gegen einen starken Gegner eine Halbzeit geschafft haben“. Gegen den fußballerischen Riesenzwerg Weißrussland sollte es schon ein paar Minuten länger klappen.