Bundestrainer Joachim Löw ärgert sich über Personalmisere vor Länderspiel

Viele verletzte Spieler : Bundestrainer Löw ärgert sich über Personalmisere vor Länderspiel

Bundestrainer Löw will in dieser Woche den Reifeprozess im Nationalteam vorantreiben. Doch eine Reihe von Verletzungsausfällen stört dabei. Nun zog sich auch noch Routinier Kroos eine Blessur zu. Es könnte eine Chance für die Neulinge eröffnen.

Joachim Löw verzichtete am Sonntag auf einen Stadionbesuch, stattdessen war der Bundestrainer als Krisenmanager gefragt. Die verletzungsbedingten Absagen von Toni Kroos, Jonas Hector und Matthias Ginter warfen seine Pläne für die Länderspiele am Mittwoch in Dortmund gegen Argentinien und vier Tage später in Estland (EM-Qualifikation, beide 20.45 Uhr/RTL) erneut über den Haufen. Profitieren wird Suat Serdar: Der ehemalige U21-Nationalspieler von Schalke 04 wurde von Löw für den Doppelpack nachnominiert.

"Das hemmt die Entwicklung und das Einspielen", sagte Löw über die insgesamt zehn Ausfälle in seiner neuformierten Nationalmannschaft. Dabei seien "Kontinuität und Konstanz" doch so wichtig für das verjüngte DFB-Team. Aber anstatt sich weiter finden zu können, ist Löw mehr denn je zum Improvisieren gezwungen.

Der Kölner Hector sagte am Sonntagmittag wegen neuromuskulärer Probleme ab. Kroos musste kurz darauf wegen einer Muskelblessur am linken Oberschenkel passen, wegen der er am Vortag beim 4:2 von Real Madrid gegen den FC Granada hatte ausgewechselt werden müssen (34.). Der Deutsche sei schlicht "geplatzt", schrieb die Zeitung AS über den Mann mit den meisten Pflichtspielminuten bei Real in dieser Saison.

"Es wäre besser für uns, Toni hier zu behalten, damit er sich erholen kann", sagte Zinedine Zidane, "aber das liegt nicht in unserer Macht." Löw erfüllte dem Real-Trainer diesen Wunsch - und empfängt am Montag in Dortmund ein Rumpfteam von noch 16 Feldspielern und drei Torhütern, denn am Sonntagabend musste auch noch Ginter passen. Der Abwehrspieler kugelte sich beim 5:1 mit Borussia Mönchengladbach gegen den FC Augsburg die Schulter aus und musste Löw ebenfalls absagen.

Auf Leroy Sane, Julian Draxler, Leon Goretzka, Thilo Kehrer, Antonio Rüdiger, Nico Schulz und Torwart Kevin Trapp hatte Löw wegen oder nach Verletzungen schon bei der Nominierung verzichten müssen. Dennoch setzte er auf einen schlanken Kader, in dem mit Leverkusens Nadiem Amiri zunächst nur ein Neuling stand. In Serdar (22) holte er einen weiteren Youngster dazu, der im Sommer mit der U21 ins EM-Finale gekommen war.

Erschwert wird die Lage durch die knappe Vorbereitungszeit auf die Neuauflage der WM-Finals von 1986, 1990 und 2014 gegen ein Argentinien ohne die Topstars Lionel Messi (gesperrt), Sergio Aguero und Angel di Maria: Mehr als zwei Trainings sind nicht möglich, das erste am Montag auf dem BVB-Gelände dürfte für viele eher regenerativen Charakter haben. Vor dem wichtigen Qualispiel in Estland, in dem der Tabellenführer der Gruppe C laut Löw drei Punkte "fest eingeplant" hat, gibt es nur zwei weitere Einheiten - alles andere als optimal.

In Dortmund bekommt Torhüter Marc-Andre ter Stegen die versprochene Bewährungschance, für Löw steht dort "nicht nur das Ergebnis im Vordergrund". Für Kroos könnte Jungstar Kai Havertz oder Ilkay Gündogan zum Zuge kommen. Gündogan warb zuletzt mit starken Leistungen und in Interviews für sich. Er fühle sich "ein wenig unterschätzt", sagte er: "Ich glaube schon, dass ich die Qualität habe, der Mannschaft noch mehr zu helfen."

Das soll auch Kapitän Manuel Neuer, der in Estland zwischen die Pfosten zurückkehren wird. Löw erwartet "einen klaren Sieg" beim Fußball-Zwerg - Verletzte hin oder her.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Joachim Löw

(rent/sid)
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