Bastian Schweinsteiger in der Galerie der Großen

Neuer Kapitän der Nationalmannschaft : Schweinsteiger in der Galerie der Großen

Der Münchner übernimmt von seinem Vereinskollegen Lahm die Spielführer-Binde in der Nationalelf und befindet sich damit in einer Reihe mit den namhaftesten deutschen Fußball-Profis.

Es war einmal ein heimlicher Kapitän. Sein Name war Bastian Schweinsteiger. Der Münchner Mittelfeldspieler galt seit Jahren als Anführer und Bezugsperson seiner Kollegen in der DFB-Auswahl. Jetzt bekommt er zum sichtbaren Zeichen seiner Rolle die Spielführerbinde. Der 30-Jährige folgt seinem Münchner Vereinskollegen Philipp Lahm, der nach dem Gewinn des WM-Titels zurückgetreten ist. Das war die große Nachricht, mit der Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag vor dem Testspiel gegen Argentinien (Mittwoch, 20.45 Uhr/Live-Ticker) in Düsseldorf vor die Medien trat.

"Bastian Schweinsteiger und ich haben seit zehn Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis, innerhalb der Mannschaft genießt er ein hohes Ansehen", sagte Löw. Und Schweinsteiger durfte sich in Abwesenheit in einem Interview auf der DFB-Internetseite über "die Ehre, die zugleiche eine Verpflichtung ist", freuen. Er empfinde es als "Privileg, gewissermaßen als Erster unter Gleichen ernannt zu werden", erklärte der neue Kapitän, der nun Nachfolger von Größen wie Fritz Walter, Uwe Seeler oder Lothar Matthäus ist.

Beim ersten Länderspiel nach seiner Ernennung fehlt er gleich mal. Das ist nicht ungewöhnlich, Schweinsteiger hat in den zurückliegenden Jahren viele Testspiele verpasst, weil sein Körper nach extremen Strapazen im Hochleistungs-Laufrad Mittelfeld immer wieder Pausen forderte und sich eine Verletzung nahm. "Wenn es darauf ankam, konnte ich mich aber immer auf den Bastian verlassen", beteuerte Löw. Und Schweinsteiger versprach, bald wieder im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. Er habe nach einem schwierigen Jahr 2013 mit zwei Operationen in der Vorbereitung auf die WM viel investieren müssen, betonte der Münchner. Jetzt brauche "der Körper etwas Zeit, aber es geht voran. Ich bin im besten Fußballeralter und freue mich auf die Zeit, die noch vor mir liegt".

WM-Finale war Schweinsteigers größtes Spiel

Seinen Führungsanspruch im Team hat Schweinsteiger nie lautstark nach außen vertreten. Das wird er auch künftig nicht tun. Er braucht es einfach nicht. "Ich denke, dass sich mein Verhalten auf dem Platz nicht verändern wird", sagte er, "ich habe meine Art zu führen, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt und als erfolgreich erwiesen hat." Einen Mediensprecher in eigener Sache wird die Fußballwelt deshalb nicht erleben. Vielleicht aber immer wieder einmal einen Spieler, der mit buchstäblich gutem Beispiel vorangeht. So wie beim in jeder Hinsicht denkwürdigen WM-Finale gegen Argentinien. Es war Schweinsteigers größtes Spiel. Er warf sich argentinischen Angriffen entgegen, er wurde gefoult, er ließ sich am Spielfeldrand tackern, er fiel, er stand immer wieder auf, und er gewann auch den letzten Zweikampf des Endspiels. Für Löw war es der endgültige Beweis, "dass der Bastian schon immer Verantwortung übernommen hat. Wenn man sieht, was er da geleistet hat".

Der neue Kapitän verfügt ganz sicher über die Fähigkeit, auf dem Platz voranzugehen. Und weil er im defensiven Mittelfeld die zentrale strategische Rolle in der Mannschaft spielt, ist er ein natürlicher Kapitän. Wenn da nicht die vielen kleinen Zipperlein wären, die ihm das Spieljahr in der jüngeren Vergangenheit zuverlässig zerhackt haben. Dabei war er mal ein kleines medizinisches Wunder. Physiotherapeuten und Ärzte rühmten seine im Skitraining geradezu gestählte Muskulatur. Schweinsteiger schien wesentlich weniger verletzungsanfällig als seine Kollegen, die in der Jugend das reine Fußballtraining über sich ergehen ließen. Das schien aber nur so. Dennoch schauen Schweinsteiger und Löw mit trotziger Zuversicht in die Zukunft. Der Spieler versicherte, er brenne bereits auf die Europameisterschafts-Endrunde 2016, "da wollen wir die nächste Chance nutzen". Und der Trainer hat "gespürt, dass der Bastian vor Ehrgeiz sprüht".

Das hat der neue Kapitän dem Internetdienst seines Verbandes in gebotener Freundlichkeit ebenfalls mitgeteilt. Es müsse sich niemand Gedanken über einen möglichen Mangel an Motivation beim Weltmeister machen, betonte Schweinsteiger, "im Gegenteil: Wir sind hungrig". Das passende Wort zum Auftakt der Länderspiel-Saison.

(RP)
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