ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt darf zur WM 2018 reisen

Visum für ARD-Dopingexperten: Seppelt darf nach Russland, wird dort aber vernommen

ARD-Journalist Hajo Seppelt hat auf Druck der Bundesregierung nun doch ein Visum für die WM in Russland erhalten. Die Rolle der FIFA bei der schnellen Wende ist unklar.

Ob Seppelt auch nach der WM noch nach Russland einreisen darf, steht dagegen noch nicht fest. Außenminister Heiko Maas schrieb auf Twitter von einem "Zwischenerfolg" und bestätigte, dass die "russische Seite uns soeben mitgeteilt" habe, dass Seppelt "zumindest zur WM einreisen" könne. Man setze sich "weiter für freie Berichterstattung ein".

Seppelt äußerte sich zunächst zurückhaltend und ließ offen, ob er die WM-Reise auch antreten wird. "Für mich kommt die Situation überraschend. Wir werden uns intern über das weitere Vorgehen abstimmen", sagte Seppelt, der sich zu Recherchen im Ausland aufhielt, dem SID.

Die Einreise nach Russland könnte für Seppelt auch offizielle Konsequenzen haben. Eine Sprecherin des russischen Untersuchungsausschusses zur Staatsdopingaffäre erklärte am Dienstag, man werde "Maßnahmen ergreifen, um den deutschen Journalisten Hajo Seppelt im Strafverfahren gegen den ehemaligen Direktor des russischen Anti-Doping-Labors (Grigorij Rodtschenkow, d. Red.) zu befragen".

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sieht in der Entscheidung den Beleg dafür, "dass öffentlicher und politischer Druck wirken", sagte Geschäftsführer Christian Mihr. Der Fokus müsse nun aber weiterhin auf dem unverändert repressiven Klima für Journalisten im WM-Gastgeberland liegen, "wenn die Affäre Seppelt am Ende irgendetwas Positives bewirken soll."

Das vom SWR beantragte Visum war in der vergangenen Woche für ungültig erklärt worden. Seppelt steht auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen". Der Journalist hatte mit seinem Film "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" die Aufdeckung des russischen Dopingskandals ins Rollen gebracht.

Die Bundesregierung hatte die russische Regierung zuletzt aufgefordert, das Einreiseverbot für Seppelt zurückzunehmen. "Wir halten diese Maßnahme der russischen Behörden, Herrn Seppelt das Visum für ungültig zu erklären, für falsch", hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin gesagt. "Wir appellieren an die russische Staatsführung, diesem deutschen Korrespondenten die Einreise zur Berichterstattung über die Fußball-WM zu ermöglichen."

Wie weit die FIFA zur Wende beigetragen hat, ist unklar. Der Weltverband bestätigte am Dienstag den Vorgang zur Visa-Erteilung Seppelts und bedauerte "die Unannehmlichkeiten des Journalisten". Allgemein fügte die FIFA hinzu: "Wie bereits mehrfach erwähnt, ist die Pressefreiheit für die FIFA von überragender Bedeutung."

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte FIFA-Boss Gianni Infantino noch am Dienstag in die Pflicht genommen, damit der ARD-Journalist doch noch ein Visum bekommt. Er habe dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino deutlich gemacht, "dass er persönlich bei der russischen Regierung vorstellig wird, um die Einhaltung der Staatsgarantien zu fordern. Er wird noch einmal aktiv werden. Ich bin zuversichtlich, dass das nicht ohne Wirkung bleiben wird", sagte Grindel bei der Vorstellung des vorläufigen deutschen WM-Kaders in Dortmund.

(sid)