Deutschland - Argentinien 0:1: Adler-Patzer führt DFB-Elf zur Pleite

Deutschland - Argentinien 0:1: Adler-Patzer führt DFB-Elf zur Pleite

München (RP). Geraucht hat er diesmal nicht. Zumindest nicht auf dem Platz oder an der Trainerbank. Aber Diego Armando Maradona hätte manchmal sicher gern mitgespielt. Und der argentinische Coach schaute so manchem Ball recht wehmütig nach, der da vor der Linie an ihm vorbeikullerte. Am Ende machten es seine Jungs auch ohne den Beistand des rundlichen Chefs ganz gut. Sie gewannen das Testspiel in München gegen Deutschland mit 1:0. Es war nicht unbedingt die Einstimmung auf die Weltmeisterschaft, die sich sein deutscher Kollege Joachim Löw gewünscht hätte.

Dabei war seine taktische Analyse völlig richtig gewesen. "Die Argentinier”, hatte er gesagt, "tragen ihr Spiel sehr schnell durch die Mitte nach vorn.” Gleich zweimal in einer ersten Halbzeit, in der sich die Teams ansonsten bis hart an die Langeweile gegenseitig kontrollierten, zeigte der Gast diese besondere Fähigkeit.

Einmal stach Mittelfeldmann Juan Sebastian Veron die deutsche Abwehr mit einem schnellen Steilpass regelrecht auf, und während Löws Verteidigung verwirrt kollektiv aus dem Gleichgewicht kam, zirkelte Angel di Maria den Ball an die Torlatte. Beim zweiten Mal war alles noch eine Spur präziser. Gabriel Heinze schickte Gonzalo Higuain bei einem Konter auf die Reise. Der umkurvte den zu weit herausgestürmten Torwart Rene Adler und schob zur Führung ein.

Es waren zwei Unachtsamkeiten zu viel, die sich die deutsche Elf geleistet hatte. Zuvor hatte sie sich sichtlich bemüht, Löws taktischen Ansprüchen gerecht zu werden. Wenn die Argentinier im Ballbesitz waren, sahen sie sich meist zehn deutschen Verteidigern gegenüber, die den eigentlich so großen Platz ziemlich klein machten. Der zweite Teil dieses Projekts, der in eigenen schnellen Angriffen bestehen sollte, blieb allerdings weitgehend in Ansätzen stecken.

Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger, das neue zentrale Duo im deutschen Mittelfeld, hielten sich zunächst mit offensiven Aktionen vornehm zurück. Erst nach dem Wechsel, als Löw den wirkungslosen und einsamen Mittelstürmer Miroslav Klose durch Mario Gomez ersetzte, entschloss sich Ballack, seine Rolle offensiver zu interpretieren. Das entlastete Mesut Özil, der seine Gestaltungskraft lange in unfruchtbaren Dauerläufen erschöpfte. Es brachte das ganze deutsche Spiel mehr in die Hälfte der Argentinier, die den Münchner Martin Demichelis mit einem Jochbeinbruch verloren hatten. Es gab sogar Ansätze von Torgefahr, vor allem als Löw die Angriffslust durch die Einwechslung von Cacau endlich befeuerte.

So richtig aus der Ruhe ließen sich die Gäste allerdings nicht bringen. Sie nahmen immer wieder mal ein bisschen die Fahrt heraus und konnten auf die fußballerische Klasse von Veron setzen, der nicht nur die Deutschen, sondern auch den prominenten Kollegen Leo Messi deutlich in den Schatten stellte. Der Star vom FC Barcelona fremdelt mit seiner Rolle im Nationalteam. Das darf mit Fug und Recht auch von Schweinsteiger behauptet werden, dem es nicht gelang, Fahrt ins Spiel seiner Mannschaft zu bringen.

Löws Elf lief ohne große Inspiration vor eine regelrechte Gummiwand aus geschickt verteidigenden Argentiniern. Diese Qualität hat Tradition bei den Südamerikanern. Da muss sich Maradona im Hinblick auf die WM keine großen Sorgen machen. Löw schon eher.

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(RP)