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Abstellpflicht für Nationalteams: So regeln es Handball. Eishockey und Basketball

Streitpunkt zwischen Verbänden und Vereinen : So unterschiedlich regeln die Teamsportarten die Abstellpflicht für Nationalteams

Zusätzliche Belastung im ohnehin schon vollen Turnierkalender, Reisestrapazen, erhöhte Verletzungsgefahr – und das alles für manchmal fast bedeutungslose Spiele. Die Risiken für Nationalspieler sind nicht nur im Fußball immer wieder ein Diskussionsthema zwischen Verband und Vereinen.

Während Fußball-Bundestrainer Hansi Flick seine Mannschaft gerade erst für die letzten WM-Qualifikationsspiele zusammengerufen hatte, kamen im Eishockey die deutschen Nationalspieler für den Deutschland-Cup in Krefeld zusammen. Ein Turnier, das normalerweise vor allem Nachwuchsspielern die Gelegenheit bietet, sich zu zeigen. Doch diesmal war es für Bundestrainer Toni Söderholm die letzte Chance, sein Team vor den Olympischen Winterspielen im Februar zusammen zu rufen.

 Ob nun im Fußball, Eishockey, Basketball oder Handball – überall gibt es für die Vereine eine Abstellungspflicht. Heißt: Ruft der Bundestrainer, müssen die Klubs den Spieler ziehen lassen. Vorausgesetzt, er ist spielfähig. Die Abstellungspflicht resultiert entweder aus der Mitgliedschaft in den jeweiligen internationalen Verbänden, oder etwa aus den Grundlagenverträgen mit den nationalen Verbänden. Aber wie genau wird die Abstellungspflicht in den Sportarten geregelt? Zahlen nur die Fußballverbände Entschädigungen an die Vereine?

Basketball Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) und die Basketball-Bundesliga haben erst im Oktober 2021 ihren Vertrag vorzeitig bis ins Jahr 2032 verlängert. Darin wird auch geregelt, dass die Liga-Vereine die sportliche Entwicklung des Nationalteams fördern und dafür auch ihre Spieler abstellen. „Die Nationalspieler werden abgestellt für die Nationalmannschaft. Da gibt es kein Wenn und Aber. „EuroLeague“ ist da nochmal ein anderes Thema, aber in der Bundesliga sind wir uns einig, dass die Spieler Nationalmannschaft spielen“, sagte Ingo Weiss, Präsident des DBB im Oktober im Gespräch mit MagentaSport. Und auch der Präsident der Basketball-Bundesliga, Alexander Reil, bekräftigte an gleicher Stelle: „Wir wollen den Basketball in Deutschland weiter voranbringen. Dafür brauchen wir auf Klub-Ebene internationale Erfolge und wir brauchen auch mit der Nationalmannschaft Erfolge.“ Dafür wolle man gemeinsam mit dem DBB und den Vereinen arbeiten.  „Wenn ich eine erfolgreiche Nationalmannschaft will, dann kann ich nicht sagen: Ich stelle die Spieler nicht ab“, sagte Reil. Über den genauen Inhalt des Grundlagenvertrages vereinbarten die beiden Parteien allerdings Stillschweigen, teilt der DBB auf Anfrage mit. Ob und in welcher Form die Vereine für die Abstellung der Spieler entschädigt werden, ist also offen.

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Alle Spielerinnen und Spieler, die für das Basketball-Nationalteam spielen, werden für diese Zeit über den DBB oder die Fiba versichert. Das führt aber vor allem bei den teuren Stars aus der amerikanischen Profiliga NBA immer wieder zu Problemen. Erst im vergangenen Sommer konnte NBA-Star Dennis Schröder beim Olympia-Qualifikationsturnier und später auch bei den Sommerspielen nicht für das deutsche Team spielen, weil der Verband die hohe Versicherungssummer nicht zahlen konnte. Für Dirk Nowitzki hatte man diese einst noch so gerade aufbringen können. Sie lag pro Turnier bei um die 200.000 Euro. Für Dennis Schröder dürfte sie noch etwas höher gewesen sein, da sich der Betrag am Marktwert und der Vertragslaufzeit orientiert. Schröder war im Sommer auf der Suche nach einem neuen Verein. Eine Verletzung beim Nationalteam hätte seine Chancen also deutlich geschmälert, was die Versicherungssumme in die Höhe treibt.

Dass NBA-Spieler überhaupt für Nationalteams abgestellt werden, ist äußerst selten. Für Länderspiele außerhalb von Weltmeisterschaften und Olympia gibt das Privatunternehmen NBA seine Spieler nicht ab, gleiches gilt in den meisten Fällen für die Euroleague, deren Mitgliedsvereine ihre Spieler nicht für Test- oder Qualifikationsspiele entsenden.

Eishockey Ein ähnliches Problem wie im Basketball gibt es auch im Eishockey. Kostenpflichtiger Inhalt Regelmäßig fehlen die besten Spieler wie Leon Draisaitl dem Nationalteam, weil sie von der Nordarmerikanischen Hockey-Liga NHL nicht abgestellt werden – selbst für Weltmeisterschaften unterbricht die NHL ihren Ligabetrieb nicht. Die Nationalteams können so erst im Verlauf eines Turniers nach und nach auf ihre Stars setzten, vorausgesetzt, sie scheiden mit ihrem Verein in den Play-offs aus. Auch für die Olympischen Winterspiele im Februar steht noch nicht fest, ob sich NHL und die nationalen Verbände auf eine Abstellungsregelung einigen können. Bisher hat die Liga aber eine Pause während der Winterspiele in Peking Anfang Februar eingeplant.

In der Deutschen Eishockey-Liga ist es hingegen selbstverständlich, dass die Spieler für Länderspiele abgestellt werden – und das ohne eine Entschädigung für den jeweiligen Verein. In der Spielordnung des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) heißt es in Artikel 8 „Spieler-Abstellung“: „Die Klubs sind verpflichtet, vom DEB oder LEV angeforderte („nominierte“) Spieler/Spielerinnen für die Nationalmannschaften, für Auswahlmannschaften sowie für Lehrgänge abzustellen. Die Klubs erhalten hierfür keine Vergütung.“

Verletzt sich ein Spieler allerdings bei einem Länderspiel oder bei den Trainingseinheiten mit der Nationalmannschaft, erhält der Verein für jeden Tag, den der Spieler deswegen ausfällt, eine Kompensation in Höhe von mindestens 2500 Euro.

Handball Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Handball-WM und bei Olympia 2021 hat Bundestrainer Alfred Gislason mehr Trainingszeit mit dem Nationalteam gefordert, um wieder erfolgreicher sein zu können. Gerade im Handball wird wegen der vielen Spiele in nationaler Liga, Pokal und europäischen Wettbewerben aber ohnehin schon über die zu hohe Belastung für die Profis diskutiert. Immer wieder sagten zuletzt Leistungsträger verletzt oder aus familiären Gründen ab. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) zeigt dafür zumeist Verständnis, auch wenn es eine Abstellungspflicht gibt. Für die werden die Vereine zudem pro Spieler entschädigt. 130.000 Euro stellt der DHB für Länderspiele pauschal bereit. Bei Weltmeisterschaften zahlt die Internationale Handballföderation (IHF) über den DHB als Treuhänder Entschädigungen aus – gestaffelt nach Erfolg. 400 Schweizer Franken waren es für Spieler pro Tag, wenn sie mindestens das Halbfinale erreichten. 75 Schweizer Franken pro Tag gab es immerhin noch für die Spieler, die unter den schlechtestens vier Teams waren. Nach der WM 2021 waren es etwa 450.000 Schweizer Franken für die Teams aus der Bundesliga. Die Europäische Handballföderation (EHF) beteiligt die Vereine wiederum an den Erlösen der EM.

„Wir vertreten in Verband und Liga eine Philosophie des gemeinsamen Besprechens und Abwägens und versuchen gemeinsam, den Kuchen für unseren Sport insgesamt größer zu machen und uns nicht gegenseitig das Geld wegzunehmen“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des DHB. Zwischen dem Verband, den Liga-Klubs und dem Ligaverband gebe es diverse Geldströme. Die Liga zahlt an den DHB zum Beispiel eine Lizenzpacht von 750.000 Euro für die Rechte an der Meisterschaft. „Ich nutze dafür gerne das Bild von der rechten und der linken Tasche. Zahlen wir mehr Geld, damit Spieler abgestellt werden, und das Nationalteam ist erfolgreich, macht das auch die Liga wertvoller und wir könnten die Lizenzpacht erhöhen. Dreht man an einer Schraube, wirkt sich das ja auch auf die andere aus“, sagt Schober.

Das Geld so hin und her zu schieben, mache aus seiner Sicht aber wenig Sinn. Daher verständige man sich immer wieder neu auf eine vernünftige Regelung, die alle mittragen können. Schließlich hätten beide Seiten ein Interesse daran, dass die beste Mannschaft im Nationalteam zusammenkommt und erfolgreich ist. Denn das mache auch die HBL wertvoller und erhöhe das Interesse der Fans generell am Handball. „Das ist nicht immer einfach. Wir streiten auch schon mal, weil es unterschiedliche Interessen gibt. Aber am Ende geht es beiden Seiten darum, einen Weg zu finden, mit dem man eine erfolgreiche Liga und eine erfolgreiche Nationalmannschaft hat“, betont der DHB- Vorstandsvorsitzende.

Für den Verband sei es ja auch wichtig, dass die deutschen Vereine international erfolgreich sind und die Nationalspieler so auf hohem Niveau spielen. Gleichzeitig seien die Vereine ein wichtiger Ort der Nachwuchsförderung. „Unser Motto „Wir.Ihr.Alle.“ trifft es daher schon sehr gut. Es geht nur Hand in Hand“, sagt Schober. Das zeigt sich auch darin, dass die HBL am vergangenen Dienstag bereits angekündigt hat, dem Bundestrainer mehr Zeit für Trainingseinheiten mit dem Nationalteam schaffen zu wollen.