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Abgedecktes Banner am Millerntor: DFB verärgert Fans

DFB "neutralisiert" Millerntor : Fan-Aufstand gegen abgedecktes Banner

Die "Neutralisierung" des Millerntor-Stadions und die damit verbundene Abdeckung eine Anti-Faschismus-Plakats hat dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen großen Fan-Aufstand im Internet eingehandelt.

Beim Training der Nationalmannschaft am Montag in Hamburg wurde das seit Jahren auf der Tribüne stehende Banner "Kein Fußball den Faschisten" abgedeckt. "Kein Fußball" war noch zu lesen, die beiden anderen Worte waren grün abgedeckt worden.

Der DFB reagierte auf den Shitstorm mit einer Erklärung auf Facebook und Twitter: "Das Millerntor wurde neutralisiert. Das heißt, dass es frei von Werbung gemacht wird, aber auch von politischen Äußerungen." Dies steht in der Tat in den Regularien des Verbandes. Die Fans störten sich jedoch daran, dass eine positive politische Botschaft abgedeckt wurde.

@bertucho_do Das #Millerntor wurde neutralisiert. Das heisst, dass es frei von Werbung gemacht wird, aber auch von politischen Äußerungen.

Zahlreiche Fans des FC St. Pauli und andere Internet-User hatten auf der DFB-Seite und an anderen Stellen im Internet ihren Unmut über die Aktion geäußert. "Dass der DFB für Toleranz wirbt und gegen Diskriminierung kämpft, wisst ihr", entgegnete der Deutsche Fußball-Bund, der sich in zahlreichen Aktionen gegen Rassismus einsetzt. Der FC St. Pauli kündigte für den frühen Nachmittag eine Stellungnahme an.

"Die Behauptung, Sport sei unpolitisch, ist und bleibt absurd. Gerade der DFB hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, welch gesellschaftspolitische Dimension der Fußball hat. Deswegen ist es irritierend, wenn der DFB nun während des Trainings der Nationalmannschaft den Spruch mit genau dieser Begründung abhängen lässt — und das kurz vor dem heutigen Länderspiel gegen Polen, 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs", sagte Grünen-Politikerin Claudia Roth.

Auch einige Profis reagierten. Der derzeit verletzte Ingolstädter Zweitliga-Profi Ralph Gunesch, der insgesamt acht Jahre für den FC St. Pauli am Millerntor spielte, twitterte: "Sobald ich wieder fit bin und als Kapitän einen Text vorlesen muss, werde ich nur den Tweet vorlesen."

Sobald ich wieder fit bin + als Kapitän einen Text vorlesen muss,werde ich nur den Tweet von @DFB_Themen vorlesen https://t.co/iHs3XCvGFz

Auch der ehemalige Pauli-Torhüter Benedikt Pliquett, der derzeit beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz unter Vertrag steht, äußerte sich bei Facebook zu dem Zwischenfall: "Wer auch immer das wieder zu verantworten hat... Am Millerntor, wer den Ort nicht zu schätzen weiß, hat da nichts verloren!!! Aber zeigt die Alibihaltung des DFB im Kampf um Demokratie und Gleichberechtigung. Es lebe die Meinungslosigkeit und Gleichstellung im Profifußball. Sehr traurig!!! Und regt mich echt auf!!!!"

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Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) lassen die Kapitäne der 1. und 2. Bundesliga in regelmäßigen Abständen Botschaften gegen Rassismus verlesen.

Am Dienstagabend (20.45 Uhr/Live-Ticker) trifft die deutsche Nationalmannschaft in einem Testspiel in Hamburg auf Polen.

(sid/dpa)