Nach Einlage von Heiko Herrlich: Die spektakulärsten Schwalben von Trainern

Die spektakulärsten "Diver": Wenn Trainer zu Schwalben-Königen werden

Mit seiner unrühmlichen Einlage im Pokalspiel in Mönchengladbach steht Heiko Herrlich nicht alleine da. Vor ihm legten sich schon andere Coaches hin - von der Kreisliga bis in die Premier League.

Zugegeben: Der Spielfeldrand im Mönchengladbacher Borussia-Park dürfte bei nasskaltem Wetter am Mittwochabend etwas rutschig gewesen sein. Dass ein 46-Jähriger früherer Leistungssportler auf diesem Geläuf jedoch schon bei der leichtesten Berührung den Halt verliert, war dann doch etwas unglaubwürdig. Mit seiner Schauspieleinlage im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach hat Heiko Herrlich seiner zuvor glänzenden Geschichte als Trainer von Bayer Leverkusen ein unrühmliches Kapitel hinzugefügt. Nachdem Gladbachs Denis Zakaria ihn auf der Jagd nach einem ins Aus gerollten Ball leicht touchiert hatte, war der frühere Gladbacher theatralisch zu Boden gegangen. Immerhin: Nach dem Spiel zeigte Herrlich sich reumütig: "Mit meinen 46 Jahren hätte ich es trotzdem schaffen müssen, stehen zu bleiben. Es ist aus dem Affekt heraus passiert. Ich habe mich entschuldigt", sagte er. Mit seiner für Trainer dann doch eher ungewöhnlichen Aktion indes steht Herrlich nicht alleine da - schon einige andere Übungsleiter vor ihm ließen sich zu einer Schwalbe hinreißen.

Einige Zuschauer fühlten sich durch Herrlichs Schwalbe an Norbert Meier erinnert. Während der Zweitliga-Partie des damals von ihm trainierten MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln geriet er an der Seitenlinie mit dem Kölner Albert Streit aneinander. Als beide sich mit der Stirn berührten, ließ sich Meier zu einem Kopfstoß hinreißen. Beinahe im selben Moment aber schien Meier bewusst geworden zu sein, was er da getan hatte. So ließ er sich selbst theatralisch fallen, um Streit als Täter dastehen zu lassen. Dem wiederum fiel nichts besseres ein, als ebenfalls zu Boden zu gehen. Die Konsequenz der Aktion: Streit sah Rot, Meier musste auf die Tribüne.

Nicht nur im Profibereich, auch im unterklassigen Fußball machten bereits Trainer oder Funktionäre mit Schwalben auf sich aufmerksam. Bekannt ist etwa eine Szene aus dem Relegationsspiel von Alemannia Haibach gegen Viktoria Kahl. Bei einem Tumult am Spielfeldrand fasste ein Viktoria-Funktionär einem Betreuer der Haibacher leicht an den Hals. Der jedoch reagierte, als sei er brutal gewürgt worden, fasste sich an die Gurgel und ging zu Boden. Ganz so schlimm war es aber offenbar doch nicht: Nur Sekunden später stand er wieder und legte sich erneut mit dem "Angreifer" an.

Ähnlich übertrieben reagierte auch Pascal Dupraz, Trainer des französischen Erstligisten FC Toulouse, 2016. Dupraz allerdings geriet nicht mit einem Spieler oder Betreuer aneinander, sondern wurde von einem Papierflieger getroffen, oder vielmehr berührt. Dupraz brauchte einen Augenblick um zu verstehen, was da gerade passiert war - und sank dann scheinbar schwer verletzt zu Boden. Wenig später sorgten sich sogar seine Betreuer um ihn. Am Ende aber merkte wohl auch der Trainer selbst, dass er es mit seiner Reaktion zu weit getrieben hatte - auf den TV-Bildern zumindest wirkt es, als komme Dupraz von einer Sekunde auf die andere wieder zur Räson.

Eine Schwalbe der besonderen Art legte auch schon Trainer-Legende Louis van Gaal hin. Der Niederländer, damals noch Trainer von Manchester United, protestierte auf komische Art und Weise gegen eine vermeintliche Schwalbe von Arsenal-Stürmer Alexis Sanchez. Dafür stellte sich van Gaal vor den Vierten Offiziellen und warf sich vor ihm auf den Rücken. In den Sozialen Netzwerken und der englischen Presse wurde er dafür gefiert - er selbst bereute die Aktion aber wenig später. Er habe zu emotional reagiert und müsse sich besser im Griff haben, gab er nach dem 3:2-Sieg seines Teams zu Protokoll. "Ich habe mich beim Schiedsrichter, bei den Linienrichtern und beim Vierten Offiziellen entschuldigt", sagte er.

Die vielleicht schönste Schauspieleinlage gab es beim Training des Frauen-Teams der Fresno Pacific University in den USA - und es war gleich eine doppelte. Beim Trainingsspiel zeigte der Coach, der bis dahin mitgekickt hatte, plötzlich an, er könne verletzt nicht mehr weitermachen. Ein vermeintlich zufällig am Rand trainierender Spieler kam für den Trainer rein. Nach wenigen Minuten jedoch ging auch der Ersatz zu Boden und simulierte eine ernsthafte Knieverletzung. Einige Betreuer kümmerten sich um ihn, seine Freundin, die ebenfalls auf dem Platz stand, kniete sich sichtlich berührt neben ihn.

Nach einigen Augenblicken löste der "Verletzte" das Ganze dann auf: Er hockte sich hin und holt einen Verlobungsring hervor - die Schwalbe hatte er nur hingelegt, um seine Verlobte in spe auf den Arm zu nehmen und ihr anschließend einen Heiratsantrag zu machen. So hatte die Schauspieleinlage am Ende doch etwas Gutes.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Herrlich zeigt eine peinliche Schwalbe