Portrait Karl-Heinz Wildmoser: "Münchner Urviech" mit patriarchischem Auftritt

Portrait Karl-Heinz Wildmoser: "Münchner Urviech" mit patriarchischem Auftritt

München (rpo). Fußball-Fans ist er schon lange ein Begriff. Doch der wegen Bestechlichkeits-Vorwürfen verhaftete Karl-Heinz Wildmoser ist mehr als ein reiner Sport-Fan. Der 64-Jährige hat in der bayerischen Landeshauptstadt den Ruf eines typischen "Münchner Urviechs".

<

p class="text"><P>München (rpo). Fußball-Fans ist er schon lange ein Begriff. Doch der wegen Bestechlichkeits-Vorwürfen verhaftete Karl-Heinz Wildmoser ist mehr als ein reiner Sport-Fan. Der 64-Jährige hat in der bayerischen Landeshauptstadt den Ruf eines typischen "Münchner Urviechs".

<

p class="text">Seine mächtige Gestalt, die bärbeißigen Sprüche und der patriarchische Auftritt machten den Gastronom dort zu einer festen Größe. Nach bekannt werden der Vorwürfe wendeten sich bereits erste Freunde des Trägers des Bundesverdienstkreuzes ab.

<

p class="text">Zuletzt wurde Wildmoser kürzlich mit dem Münchner G'schichten-Preis geehrt. Dafür sollte sein Engagement für den Stadionneubau belohnt werden, den er trotz Gegenwinds aus dem eigenen Verein für das ungeliebte Gemeinschaftsprojekt mit dem FC Bayern München mit Nachdruck vorangetrieben hat. Dass dieses Engagement womöglich gar nicht von der sportlichen Perspektive, sondern von Schmiergeld in Höhe von 2,8 Millionen Euro beflügelt wurde, erschüttert das Bild Wildmosers in der Öffentlichkeit.

<

p class="text">Bislang hatte der Gastronom trotz seiner zahlreichen Gegner einen fast tadellosen Ruf. Als Besitzer eines der ältesten Gasthäuser Münchens sowie einem 30-Zimmer-Hotel in der Innenstadt und einem weiteren Wirtshaus beschäftigt Wildmoser 120 Mitarbeiter. Auch auf dem Oktoberfest mischt der Kettenraucher kräftig mit: Die Wildmosersche Hühner- und Entenbraterei gehört neben den Bierzelten zu den traditionsreichen Gastronomiebetrieben auf der Wiesn. Darüber hinaus besitzt er eine Immobilien-Firma in Dresden.

<

p class="text">Fester Platz in den Boulevard-Zeitungen

<

p class="text">Mit seinen angesammelten Vermögen verschaffte sich Wildmoser 1992 Eintritt bei den Münchner "Löwen": Der durch skandalöses Verhalten des damaligen Präsidiums überschuldete, in der Amateurliga darbende Traditionsverein schaffte durch den neuen Präsidenten die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga und den Abbau aller Schulden. Wildmoser bekam dafür seinen festen Platz in täglichen Berichten der Boulevard-Zeitungen. Mittlerweile ist er einer der bekanntesten Münchner Wirte. Im vergangenen Jahr brachte das dem Rotschopf eine Gastrolle im neuen Kinofilm des Pumuckl, vor zwei Jahren rührte er für CSU-Chef Edmund Stoiber die Werbetrommel im Bundestagswahlkampf. Zu Wildmosers 60. Geburtstag hielt der "Bulle von Tölz", Ottfried Fischer, die Laudatio.

<

p class="text">Zuletzt kämpfte Wildmoser zusammen mit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) für die Rettung der Münchner Weißwurst. Ude rückte am Dienstag als einer der ersten von Wildmoser ab. Der OB zeigte sich entsetzt und erschüttert und sieht jetzt das Ansehen der Stadt gefährdet.

<

p class="text">Nachfolgeregelung ganz nach alter Patriarchenart

<

p class="text">Da die Ermittler Vertuschungsgefahr sehen, wurden Wildmoser senior und sein Sohn Karl-Heinz am Dienstag festgenommen. Der 40 Jahre alte "Heinzi", der Geschäftsführer beim TSV 1860 und auch bei der Stadiongesellschaft ist, war von seinem Vater ganz nach alter Patriarchenart als natürlicher Nachfolger im Geschäft und im Fußball-Verein auserkoren. Seinen Ausstieg hatte Wildmoser ursprünglich für die Fußball-WM 2006 geplant, aber kürzlich auch einen früheren Termin erwogen.

Unter anderem sollte seine zuletzt stark angeschlagene Gesundheit den Ausschlag über die weitere berufliche Zukunft geben: Wildmoser war erst kürzlich der Großteil eines Magentumors entfernt worden, im April sollte eventuell eine erneute Operation folgen, wie er vor einer Woche sagte. Da hatte er gerade eine Nachuntersuchung zu einer Herzoperation hinter sich. "Wichtig ist, dass ich irgendwann mal Ruhe finde und mein eigenes Leben führe, so lange es noch geht", sagte Wildmoser in dem Interview.

Mehr von RP ONLINE