Torsten Lieberknecht passt zum MSV Duisburg - eine Analyse

Neuer Coach beim MSV Duisburg : Der Name Lieberknecht verspricht viel

Der MSV Duisburg hat einen neuen Trainer: Torsten Lieberknecht übernimmt für Ilia Gruev. In Braunschweig hat der neue Mann gezeigt, was er kann. Eine Analyse.

Ilia Gruev musste gehen. Torsten Lieberknecht übernimmt nun also den MSV, einen Verein mit großer Vergangenheit, aber Problemen in der Gegenwart. Der Klub befindet sich sozusagen im Spannungsfeld von Tradition und Moderne. Der Verein ist eine Marke, er zehrt noch immer von seiner Historie, aber kann sportlich und wirtschaftlich schon lange nicht mehr an die alten Zeiten anknüpfen. Da passt es, dass der 45-jährige Neu-Duisburger, der am Dienstag vorgestellt wurde, sich in dieser Kluft gut auskennt. „Der schwierige Spagat zwischen Tradition und Zukunft bei Eintracht Braunschweig“, steht auf dem Deckblatt seiner Fußballlehrer-Abschlussarbeit. Braunschweig ist quasi das Äquivalent zum MSV. Lieberknecht und Duisburg - auf dem Papier passt das schon gut. Zum Beispiel darum:

Entwicklungsbeauftragter

Lieberknecht war zehn Jahre lang Trainer von Eintracht Braunschweig, im Verein war er sogar noch länger, er startete als U19-Trainer. Kein Coach hält sich so lange in einem Verein, wenn er nicht ziemlich viel richtig macht. Er hat gezeigt, dass er eine Mannschaft formen kann, dass er viele Jahre mit Spielern zusammenarbeiten kann, ohne sich abzunutzen. Das soll er auch in Duisburg zeigen. Lieberknecht erhält einen Vertrag bis 2021, der in den ersten drei Ligen gültig ist, wie der MSV mitteilte. Das zeigt: Der MSV plant langfristig mit dem Trainer. Er soll die Mannschaft, die Sportdirektor Ivica Grlic mit gutem Auge und Geduld geformt hat, entwickeln. Kontinuität ist das Schlagwort, das Grlic so gern hat. Am Anfang zählt allerdings nichts mehr als die Rettung vor dem Abstieg. Der MSV ist nach acht Spieltagen Tabellenletzter der zweiten Liga.

Auge für Transfers

Weniger als acht Millionen Euro hat Eintracht Braunschweig in Lieberknechts Zeit für Zugänge ausgegeben. Das ist nicht rekordverdächtig wenig, aber im Millionen-Zirkus Profifußball auch nicht viel. Das zeigt, dass der Trainer ein Näschen für Transfers hat. In Braunschweig war er für Verpflichtungen maßgeblich zuständig. In Duisburg ist das Gespür für Transfers eine noch mehr als andernorts gefragte Eigenschaft. Der MSV ist so blank, dass er die vergangenen drei Saisons keinen Cent Ablöse zahlte.

Lieberknecht kann mit jungen Spielern

Der MSV Duisburg hat sich ein neues Nachwuchs-Leistungszentrum auf das Vereinsgelände gesetzt. Der Verein versucht es, vermehrt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis unterzubringen. Mit Ahmet Engin zum Beispiel ist das gut gelungen. Talente ausbilden, von ihnen profitieren und dann verkaufen – das ist ein legitimer Weg für den MSV, der auf jeden Groschen achten muss. Gut, dass Lieberknecht ein Trainer ist, der junge Spieler voranbringt. Karim Bellarabi von Bayer 04 Leverkusen zum Beispiel wurde in Braunschweig unter Trainer Lieberknecht groß. Eine Etage tiefer finden sich ein paar Profis, die unter Lieberknecht spielten und Karriere gemacht haben. Hoffenheims Ermin Bicakcic zum Beispiel bekam den Feinschliff beim gebürtigen Pfälzer. Auch Emil Berggren von Mainz 05 wuchs bei Eintracht Braunschweig.

Der Neue ist bodeständig

Duisburg ist Maloche. Mit Schicki-Micki kommt man in der Kohle- und Hafenstadt nicht weit. Lieberknecht wird den Duisburgern gefallen. In einem Interview mit dem Fußballmagazin „11 Freunde“ sagte er mal, er erkenne Profigehabe, eine gewisse Art, sich bitten zu lassen, bei Spielern, mit denen er verhandelt, schon am Telefon. So etwas mag der 45-Jährige nicht. Er selbst ist kein extravaganter Dandy, sondern ein bodenständiger Geselle. Es ist ein viel bemühtes Klischee, aber auch ein uneingeschränkte Wahrheit: Bodenständigkeit kommt an im Pott.

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