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MSV Duisburg: Sportfive vermarktet den MSV Duisburg

MSV Duisburg : Sportfive vermarktet den MSV Duisburg

Von einem "Kraftakt" sprach Geschäftsführer Roland Kentsch im Zuge der Rettungsmaßnahmen rund um den Fußball-Zweitligisten. Gestern wurde überdies bekannt, dass Thomas Maaßen seinen Sitz im Aufsichtsrat der KGaA zur Verfügung stellt.

Es war dann doch beinahe in letzter Minute, dass Roland Kentsch, der Geschäftsführer des MSV Duisburg die vom Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Ernst & Young testierten Unterlagen zur Deutschen Fußball-Liga (DFL) mailen konnte. Kentsch sprach in einer Pressekonferenz von zehn Minuten vor Toreschluss.

Die wichtigste Botschaft: Aus Sicht des Fußball-Zweitligisten sind die Bedingungen der DFL zur Lizenzierung erfüllt. Man darf davon ausgehen, dass der MSV auch in der kommenden Spielzeit in der 2. Bundesliga spielt. Die finale Bestätigung der DFL steht allerdings noch aus.

Aus der Perspektive von Kentsch, der sich mit diesen Dingen auskennt, scheint dies jedoch Formsache. Die letzte Finanzierungs-Lücke konnte der Profibetrieb durch einen Vertragsabschluss mit einem Rechtevermarkter schließen. Dabei handelt es sich um Sportfive. Über die Dauer der Zusammenarbeit wollte Kentsch gestern nichts sagen. Das Wort "langfristig" fiel aber durchaus.

Aus internen Quellen war zu hören, dass man sich auf zehn Jahre gebunden habe. Darüber hinaus hat Walter Hellmich den noch fehlenden Betrag zugesteuert. Ob als Kredit oder als echter Zuschuss — auch dazu wollte Kentsch sich nicht äußern. Nach RP-Informationen soll es sich um eine Leihgabe in Höhe eines satten sechsstelligen Betrages handeln.

Wie groß das letzte zu stopfende Loch war, dazu gab es ebenso keine Angaben. Bei der Jahreshauptversammlung hatte Kentsch von 2,5 bis drei Millionen Euro gesprochen, die fehlen. Darüber hinaus hätten alle anderen finanziell Beteiligten (dazu gehören die städtischen Gesellschaften) mit Stundungen oder anderen Formen des Verzichts beigetragen, die Lizenzbedingungen zu erfüllen. Kentsch nannte hier vor allem die Stadiongesellschafter sowie die HSH Nordbank als Kreditgeber für die Arena sowie das Land NRW als Bürgen. Aber auch eine Vielzahl von Einzelgläubigern, zu denen Schauinsland-Chef Gerald Kassner sowie Walter Hellmich gehören.

Erleichterung war im Gesicht von Kentsch zu sehen, als er die lange Dankesliste rezitierte. Allein mit Pressesprecher Martin Haltermann saß er auf dem Podium. Im Hintergrund nahm Dr. Gerd Görtz als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Profigesellschaft teil. Der Vereinsvorsitzende Udo Kirmse fehlte dagegen. Allerdings bedankten sich Aufsichtsrat und Vorstand des e.V. in einer Erklärung ausdrücklich "bei allen Unterstützern, die dem Verein beratend oder finanziell geholfen haben — insbesondere bei Schauinsland und der Hellmich Unternehmensgruppe. Wir gehen davon aus, dass auch in der neuen Saison Profifußball in Duisburg zu sehen ist."

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Dass zum Durchatmen guter Grund bestand, lässt sich an den Ereignissen des Tages ablesen. Nachdem am Mittwochabend der Deal mit Sportfive beinahe sicher war, schien dieser gestern früh zunächst zu platzen. Da stand man für einige Zeit mit dem Rücken zur Wand. Urplötzlich wurde dann doch wieder mit Gerald Kassner, der einen eigenen Rettungsvorschlag hatte, gesprochen. Teil der Vereinbarung sei gewesen, Walter Hellmich seine Stadionanteile abzukaufen.

Am Mittwoch hatten die Verhandlungen mit Schauinsland-Reisen, dem Namens-Sponsor (bis 2016) für die Arena, noch in eine Sackgasse geführt. Hier war zu hören, dass man sich gestern Vormittag nahezu einig gewesen sei, bevor dann wieder Sportfive zurück ins Rennen kam und Hellmich für die dann noch fehlende Summe geradestand. Das (Vertrauens)-Verhältnis scheint damit endgültig zerrüttet. Schauinsland wird über seine Verträge hinaus kein weiteres Geld mehr geben. Innerhalb der Gremien hat Thomas Maaßen für sich die Konsequenz gezogen und tritt von seinem Amt im Aufsichtsrat der KGaA zurück. Zu den kolportierten Bedingungen, die Walter Hellmich auch in personeller Art an sein Hilfsangebot geknüpft haben soll, ließ der e.V. wissen, dass man diesen "nicht zugestimmt" habe. "Wir bedauern, dass eine langfristige Lösung nicht von allen mitgetragen wurde."

Gleichwohl, die Mail nach Frankfurt verschafft dem MSV nur eine Atempause. Kentsch sprach von einer "Etappe" und führte aus, dass man einen solchen Kraftakt wohl nicht noch einmal stemmen kann. Eine dauerhafte Restrukturierung gilt es umzusetzen, denn im November prüft die DFL erneut. Bis dahin will Kentsch die nachhaltige Sanierung geschafft haben. "Ich bin zuversichtlich, dass wir diese wichtige Hürde bis zum Beginn des Zweit-Lizenzierungsverfahren hinbekommen. Denn jeder hat jetzt gesehen, dass solche Anstrengungen nicht noch einmal möglich sind."

Auch Hellmich hatte das Liquiditätsproblem erwähnt. Im Zentrum steht dabei: Der MSV muss von der hohen Stadionmiete runterkommen. Verklausuliert deutete der Geschäftsführer an, dass das Thema Arenaverkauf noch nicht vom Tisch sei. Kentsch ließ seine Meinung durchblicken: "Ein Stadion ist ein öffentliches Gut und gehört in öffentliche Hand." Heißt: Die Stadiongesellschaft will die Arena an die Stadt Duisburg verkaufen, der MSV müsste dann weniger als die bisher fünf Millionen Euro Miete zahlen.

Ilia Gruev bleibt beim MSV

Sportfive gehört übrigens zu den Großen der Branche. Der MSV ist der 15. Erst- bzw. Zweitliga-Klub im Portfolio des Unternehmens, das über weitreichende Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen verfügt. Mit dem Hamburger Vermarkter arbeiten unter anderem Bayer Leverkusen, aber auch Hertha BSC oder Dynamo Dresden zusammen. Der Deal schließt gewöhnlich ein, dass der Vermarkter sich mit einem sogenannten "Signing Fee" in den Vertrag einkauft und dann seinen Anteil an Marketingerlösen erhält.

Die gewonnene "Zukunftsfähigkeit als Chance", so Kentsch, zeigte auch sportliche Wirkung: Ivo Grlic kann seine Arbeit bei der Zusammenstellung der Mannschaft nun zu Abschlüssen führen. Ilja Gruev wird voraussichtlich heute seinen Vertrag als Co-Trainer unterzeichnen. Trainer Kosta Runjaic sagte, dass er erleichtert sei und nun gesichert arbeiten könne. Er machte dabei deutlich, dass er seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag beim MSV erfüllen werde.

(kew)