1. Sport
  2. Fußball
  3. MSV Duisburg

MSV Duisburg: MSV setzt alle Hoffnungen in Frankfurter Staranwalt

MSV Duisburg : MSV setzt alle Hoffnungen in Frankfurter Staranwalt

Nachdem vor einer Woche bekannt wurde, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg die Lizenz für die kommende Spielzeit verweigert, haben in Duisburg längst die üblichen Mechanismen des Profifußballs zu greifen begonnen.

Während die Meidericher auf eine Verhandlung vor dem Ständigen Schiedsgericht hinarbeiten, das die Rechtskräftigkeit des DFL-Entscheids prüfen soll, wird an anderer Stelle bereits ein Insolvenzverfahren vorbereitet.

Foto: christoph reichwein

Der Klub bestätigte Dienstag die Meldungen, dass er vorerst die Mai-Gehälter einbehalten hat. Sprecher Martin Haltermann betonte allerdings, dass es "Gespräche und Bemühungen gibt, die Zahlungen zu realisieren." Überdies unterstrich er: "Wir planen keine Insolvenz. Wir konzentrieren uns ganz auf den Gang vor das Schiedsgericht."

Dabei ruhen die Hoffnungen auf Horst Kletke, der bereits Fortuna Düsseldorf erfolgreich im Rechtsstreit nach dem Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC Berlin vertreten hatte. Noch wartet der MSV allerdings auf die schriftliche Urteilsbegründung der DFL. Sobald das Schreiben eingegangen ist, haben die Duisburger sieben Tage Zeit, Einspruch einzulegen.

Gemeinsam mit dem Vorstand wird Kletke diesen schriftlich formulieren, der dem Schiedsgericht zugestellt wird. Auch die DFL hat danach die Chance, sich zum Einspruch der Duisburger zu äußern. Erst danach wird die eigentliche Verhandlung einberufen. Formal kann sich der Prozess demnach in die Länge ziehen. DFB und DFL setzen indes auf ein schnelles Verfahren. Immerhin beginnt am 15. Juli die neue Zweitliga-Saison, in Kürze soll der Spielplan erscheinen. Bis dahin muss klar sein, wer überhaupt zur Liga gehört.

Überdies: Glaubt man den Stimmen aus Frankfurt, sind die eingereichten Unterlagen mit derart gravierenden Mängeln versehen, dass wenig Entscheidungsspielraum besteht. Mit welcher Strategie Kletke ins Rennen geht, ist noch unklar. Genauso wie die endgültige Ursache der Lizenzverweigerung. Neben der vermeintlichen Fehlbuchung in Höhe von 364.000 Euro und einem an Bedingungen geknüpften Kredit von Walter Hellmich, die laut DFL-Statuten nicht rechtens sein soll, tauchte nun die Vermutung auf, dass sich im Testat der von der DFL beauftragten Wirtschaftsprüfer ein Fehler eingeschlichen haben soll. Dies könnte im Fall eines Nachweises den MSV entlasten.

Im Verein übt man sich so lange in Durchhalteparolen — und klammert sich an den letzten Strohhalm, die Lizenz im "Nachsitzen" zu erhalten. Neben Sportdirektor Ivica Grlic betonte auch Co-Trainer Ilia Gruev: "Ich glaube fest daran, dass wir das schaffen."

Mit gedrückter Stimmung beging indes auch Trainer Kosta Runjaic seinen 42. Geburtstag. Nach ausgelassener Feier war dem Fußballlehrer am Dienstag nicht zumute. Zum schwebenden Verfahren wollte auch er nichts sagen. Nur so viel: "Die Situation ist für uns alle nicht einfach. Das sind zwar Profis, aber eben auch ganz normale Menschen, die sich Sorgen machen. Ich habe die Entwicklung sehr intensiv im Urlaub beobachtet, das Telefon stand kaum still", sagte er und fügte an: "Ich werde mich ab Mittwoch wieder 24 Stunden um den Fußball kümmern. Fakt ist im Moment, dass der MSV am 13. Juni seinen Trainingsstart hat. Und den gilt es vorzubereiten."

Der 42-Jährige ist seit Dienstag aber erneut in den Fokus anderer Klubs gerückt. Im Fall eines Zwangsabstieges verliert sein Vertrag ebenso seine Gültigkeit wie der seiner Spieler. Runjaic könnte dann also ablösefrei wechseln. Insofern kommt es nicht überraschend, dass der weiterhin trainerlose 1. FC Köln nun seine Fühler nach Runjaic ausgestreckt hat. Eine erste Kontaktaufnahme hat es bereits gegeben, wenngleich Runjaic darauf verweist, dass Anfragen von mehreren Klubs vorliegen. Coach Kosta brach aufgrund der turbulenten Entwicklungen in Duisburg seinen Familienurlaub ab — wohl auch, um sich zeitnah nun vor Ort um seine berufliche Zukunft kümmern und persönliche Verhandlungen führen zu können.

Einen Abschied des Trainers noch vor der Urteilsverkündung schließt der MSV allerdings aus. "Ich halte mich an die Fakten, und die sagen, dass Kosta einen Vertrag in Duisburg hat. Und ich gehe weiter davon aus, dass wir die Lizenz erhalten", betonte Grlic.

(RP/rl/seeg)