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MSV Duisburg: MSV rettet sich wohl ins nächste Jahr

MSV Duisburg : MSV rettet sich wohl ins nächste Jahr

Von einem "Sterben auf Raten" war hinter vorgehaltener Hand zu hören. Der MSV Duisburg will durch den Verkauf der Marketingrechte und mit Hilfe von Stundungen eine drohende Insolvenz abwenden – und riskiert das Zerwürfnis mit Hauptsponsor Schauinsland.

Von einem "Sterben auf Raten" war hinter vorgehaltener Hand zu hören. Der MSV Duisburg will durch den Verkauf der Marketingrechte und mit Hilfe von Stundungen eine drohende Insolvenz abwenden — und riskiert das Zerwürfnis mit Hauptsponsor Schauinsland.

Der MSV Duisburg scheint gerettet. Wieder einmal und wie bisher immer: vorläufig. Walter Hellmich, Hauptanteilseigner am Stadion, teilte Mittwochnachmittag mit, dass der Zweitligist die Bedingungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur Erteilung der Lizenz erfüllen könne. Bis Donnerstagnachmittag muss dazu ein testierter Bescheid in Frankfurt, dem Sitz der DFL, vorliegen.

Geschäftsführer Roland Kentsch war am Mittwoch nicht erreichbar. Er ließ ausrichten, dass die Sitzung bis in die Nacht gehen werde. Damit war klar: Bis zum Abend war der MSV noch nicht durch. Hellmich nannte bereits am Nachmittag als Grundlage für diese vorübergehende Rettung, dass alle Gläubiger entweder ihre Ansprüche erneut für ein Jahr stunden oder auf Geld verzichten.

Dazu gehört nach seiner Auskunft unter anderem der Verzicht auf Mieteinnahmen für die Schauinsland-Reisen-Arena aus der vergangenen Saison. Damit allein konnte der Profibetrieb die Lücke, die Geschäftsführer Roland Kentsch während der Jahreshauptversammlung am vergangenen Donnerstag auf 2,5 bis 3 Millionen Euro beziffert hatte, aber nicht schließen.

Marketing-Rechte verkaufen

Dem Vernehmen nach setzen die Zebras darauf, ihre Marketing-Rechte an einen Vermarkter zu verkaufen. Spannend an diesem Griff nach dem rettenden Strohhalm: Erst in der gerade abgelaufenen Saison hatte der MSV genau diese Rechte von Hellmich Marketing zurückgekauft. Dieser Schritt wurde im Rahmen der Konsolidierung als zukunftsweisend gefeiert, weil künftig keine Provisionszahlungen bei abgeschlossenen Sponsoring-Verträgen fällig würden. Die weiterhin verheerenden wirtschaftlichen Probleme des Klubs zwangen aber offensichtlich zum Umdenken.

Von einem der großen Vermarkter war zu hören, dass man das Thema MSV zwar diskutiere, aber noch zu keiner Entscheidung gekommen sei. Hintergrund ist offenbar, dass der Profibetrieb zwar kurzfristig die DFL-Bedingungen erfüllen könne. Die spannende Frage sei aber: Ob die Liquidität auf Dauer gewährleistet ist. Im Mittelpunkt auch hier: die dauerhafte Senkung der Stadionmiete. Noch nach der Mitteilung von Hellmich, dass man die Lizenzbedingungen erfüllen werde, war der Abschluss mit einem Vermarkter offenbar nicht unter Dach und Fach.

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Offenkundig scheint auch, dass Hauptsponsor Schauinsland-Reisen keine entscheidende Rolle mehr beim MSV spielt. Marketing-Chef Andreas Rüttgers, der für zehn Monate bis November 2012 auch Vorsitzender der Zebras war, teilte am Telefon mit: "Wir sind raus."

Gerald Kassner, Chef von Schauinsland-Reisen, erklärte, "dass unsere Lösung und unser Angebot im Sinne des MSV leider nicht von allen aufgenommen wurde." Das Angebot zielte offenbar auf einen nachhaltigen Weg aus der Finanzkrise unter Beteiligung mehrerer Partner. Im Gegenzug wollte Kassner nicht die von Hellmich gestellten Bedingungen mittragen. Walter Hellmich, so ließ es sich in Erfahrung bringen, verweigerte sich dem Vorschlag des Hauptsponsors.

Das Reiseunternehmen wird nun seine vertraglichen Verpflichtung erfüllen und seinen Beitrag zur Lizenzerteilung leisten, sich aber nicht zusätzlich für den Zweitligisten engagieren. Mit einem Eintrag ins Fan-Forum des MSV, in dem er den Ausstieg des Unternehmens verklausuliert darstellte, hatte Rüttgers bereits am Nachmittag für Verwirrung gesorgt. Der Beitrag ließ sich auch als Ende aller Hoffnungen auf eine Lizenz verstehen und wurde von den Administratoren sehr schnell wieder gelöscht.

Was sich aus dem Eintrag aber ablesen lässt: Offenbar gibt es ein Zerwürfnis zwischen Gerald Kassner als Chef von Schauinsland-Reisen und der Gruppe um Walter Hellmich. Schon bei der vorübergehenden Rettung im Dezember 2012 waren Differenzen zwischen Hauptsponsor und dem größten Anteilseigner am Stadion deutlich geworden. Ebenfalls vom Tisch scheint der Plan, die Arena an den DVV-Konzern zu verkaufen. Damit konnte sich Walter Hellmich nicht anfreunden. Zugleich ließ der Aufsichtsrat der DVV wissen, dass der Konzern keine Pläne in diese Richtung verfolge.

Immerhin, auch das Versorgungsunternehmen mit Oberbürgermeister Sören Link als Aufsichtsratsvorsitzendem, stundet dem MSV 700 000 Euro an offenen Rechnungen. Voraussetzung sei, so hieß es in einer Erklärung, dass kein Gläubiger bessergestellt werde. In seiner Nachricht zum geschnürten Paket machte Walter Hellmich deutlich, dass Stadt, Land und alle Gläubiger ihr Scherflein beigetragen haben. Zudem drängte er darauf, dass sich möglichst bald das Liquiditätsproblem des MSV löse. Denn die Lizenz ist das eine. Über die Zeit bei Kasse zu bleiben, das andere. Auf die kurzfristige Lösung muss eine dauerhafte Konsolidierung folgen. Deshalb sprachen Eingeweihte gestern von einem "Sterben auf Raten".

Walter Hellmich sagte: "Der MSV muss besser arbeiten — in jeder Hinsicht." Welche und ob personelle Änderungen in den Gremien an diese Lösung geknüpft sind, blieb unkommentiert. Der ehemalige MSV-Chef ließ aber wissen, dass er für ein offizielles Amt nicht zur Verfügung stehe.

(RP/rl/anch/seeg/sgo)