MSV Duisburg trennt sich von Ilia Gruev - eine Analyse

Lieberknecht übernimmt MSV Duisburg : Warum die Trennung von Gruev richtig war

Der MSV Duisburg hat Ilia Gruev von seinen Aufgaben als Trainer entbunden. Diese Entscheidung ist richtig, kommt aber einen knappen Monat zu spät. Eine Analyse.

Wenn ein Trainer spürt, dass das Vertrauen in seine Person sinkt, ist er plötzlich ein einsamer Mensch. Ilia Gruev dürfte es in den vergangenen Tagen so ergangen sein. Die Verantwortlichen der Zebras haben nach einem katastrophalen Saisonstart mit zwei Punkten aus acht Spielen und der jüngsten Niederlage gegen Jahn Regensburg das getan, was die Mannschaft in den vergangenen Begegnungen hat vermissen lassen: Sie haben agiert – allerdings mit einem knappen Monat Verzögerung. Torsten Lieberknecht wird sein Nachfolger.

Seit dem Spiel gegen Greuther Fürth (0:1) war es eine Entlassung Gruevs mit Ankündigung. Spätestens nach dieser Partie schwand das Vertrauen in den Deutsch-Bulgaren. Bei den Fans, bei den Spielern, bei den Verantwortlichen. Das hatte mehrere Gründe.

Keine Weiterentwicklung Sportdirektor Ivo Grlic konnte einige Akteure verpflichten, die die Mannschaft verstärken sollten. Außerdem erhoffte man sich eine Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Spieler. Doch Gruev konnte diesen Wunsch nicht in die Tat umsetzen. Mittelfeld-Juwel Fabian Schnellhardt stagniert seit einem Jahr in seiner Entwicklung. Auch Cauly Oliviera Souza zeigt, wenn er denn mal spielt, nicht das, was er eigentlich kann. Generell verpasste es Gruev, der Jugend eine Chance zu geben. Paradoxerweise rettete Eigengewächs Lukas Daschner dem Trainer bei seinem Saisondebüt gegen Magdeburg kurzzeitig den Job.

Falsches System Stattdessen experimentiere Gruev am ersten Spieltag in Dresden lieber am System. Seine Dreier- bzw. Fünferkette scheiterte krachend, bevor er sie überhaupt etablieren konnte. Danach kehrte der 48-Jährige zu seinem beliebten 4-2-2-2-System zurück. Das praktizierte er in Duisburg knapp drei Jahre lang. Zugegeben, bis dato nicht unerfolgreich. Auf Dauer aber zu ausrechenbar. Egal ob John Verhoek, Borys Tashchy, Stanislav Iljutcenko oder Richard Sukuta-Pasu – für dieses System fehlt der flinke, wendige Spielertyp, der sich mit einem der vier zuvor genannten die Aufgaben teilt und perfekt ergänzt.

Falsche Torwartwahl Gruev betonte zwar immer, dass er die Entscheidung, wer die Nachfolge des abgewanderten Mark Flekken antritt, seinem Torwarttrainer Sven Beuckert überlasse. Am Ende muss sich der Cheftrainer dennoch auch an der Wahl des richtigen – oder in diesem Fall falschen – Torhüters messen lassen. Und dass die Entscheidung für Daniel Davari eine mehr als semioptimale war, zeigte sich schnell. Gruev übernahm dann doch Verantwortung und korrigierte nach vier Spielen, stellte Zugang Daniel Mesenhöler auf. Zu spät.

Ängstliche Wechsel Zu spät kamen meist auch die Spielerwechsel während der Partie. Und diese waren dann auch mit nicht sonderlich viel Mut behaftet. Auch dann nicht, wenn der MSV hinten lag und frische Impulse nach vorn gebraucht hätte: Gruev wechselte grundsätzlich nur positionsgetreu. Stürmer für Stürmer, Außenspieler für Außenspieler. So verpasste es der Trainer, Signale des Aufbruchs an die Akteure auf dem Feld zu senden.

Kein Kredit bei den Fans Knapp drei Jahre war Gruev im Amt. Das ist in Duisburg eine enorm lange Zeit. Und es gab mehr gute als schlechte Tage. Vieles, was er anpackte, gelang. Er führte die Zebras nach dem Abstieg 2016 zurück in die 2. Bundesliga. Er hielt dort ein Jahr später souverän die Klasse. Und doch: eine Liebe zu den Anhängern entwickelte sich nie. Der Kredit, den andere Aufstiegstrainer bekamen, verweigerten die Zebra-Fans. Das mag an der nicht schön anzusehenden Spielweise gelegen haben. Oder vielleicht daran, dass Gruev einfach kein Menschenfänger war. So wurden nach jeder kleinen Krise Stimmen laut, die den Trainer für die Misere verantwortlich machten. Bei jeder weiteren Pleite häuften sich diese Stimmen. Bis zur Niederlage gegen Regensburg.

Einem verdienten Trainer das Vertrauen geschenkt zu haben, soll dabei partout nicht verwerflich daherkommen. Im Gegenteil, dies hat schon oftmals Früchte getragen. In den Fällen, in denen die Verantwortlichen spüren konnten, dass da etwas wächst. Eine Art Rebellion gegen den Misserfolg. Ein Aufbäumen gegen die Negativserie. Es geschah aber zu selten etwas. Und so verschenkte man die Spiele gegen Erzgebirge Aue (1:2), den 1. FC Magdeburg (3:3) und Jahn Regensburg (1:3). Gegen Gegner denen der MSV spielerisch überlegen sein sollte. Nun doch der Trainerwechsel.

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