1. Sport
  2. Fußball
  3. MSV Duisburg

MSV Duisburg - Drittligaspiel gegen Osnabrück nach Rassismus-Eklat abgebrochen

Spielabbruch gegen Osnabrück : Polizei erstattet nach Rassismus-Eklat in Duisburg Anzeige gegen Fan

Eklat in der 3. Fußball-Liga. Ein rassistischer Vorfall führt zum Abbruch der Partie in Duisburg. Nicht nur der betroffene Osnabrücker Profi ist geschockt und erfährt Solidarität. Die Polizei befragt einen verdächtigen Fan, der DFB-Kontrollausschuss ermittelt.

 Gemeinsam mit dem geschockten Aaron Opoku gingen die Spieler des VfL Osnabrück und des MSV Duisburg geschlossen vom Platz. Die Fans beider Fußballclubs stimmten wenig später „Nazis raus“-Rufe an, die Stadionregie spielte den Antifaschismus-Song „Schrei nach Liebe“. Ein Rassismuseklat hat an diesem denkwürdigen Sonntagnachmittag erstmals in den höchsten drei deutschen Fußballligen zu einem Spielabbruch geführt. „Wir dürfen das im Fußball und in der Gesellschaft nicht akzeptieren“, sagte VfL-Geschäftsführer Michael Welling bei Magenta TV.

Die Duisburger Polizei erstattete wegen der Beleidigung Anzeige gegen einen tatverdächtigen 55-Jährigen, der Opoku rassistisch beleidigt haben. „Der Beschuldigte hat sich geäußert. Darüber hinaus werden Videos gesichtet und weitere Zeugen befragt“, sagte eine Polizeisprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Eine Beleidigung kann eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe bis zu einem Jahr nach sich ziehen.

Laut Zeugenaussagen soll er „Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!“ gerufen haben. Allerdings gibt es laut Polizei auch Zeugenaussagen, dass „ein anderer Spieler gemeint gewesen sein“ könnte. Demnach wäre nicht Aaron Opoku, sondern VfL-Spieler Florian Kleinhansl Ziel der Schmähungen gewesen. Auch der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes wird in dem Vorfall ermitteln, Forderungen nach schnellen strafrechtlichen Konsequenzen gibt es bereits, ebenso Solidarität mit Opoku.

Nach gut einer halben Stunde war Opoku (22) beim Stand von 0:0 Richtung Eckfahne gelaufen, da „wurden Affenlaute von der Tribüne gerufen“, berichtete Schiedsrichter Nicolas Winter, der die Partie daraufhin in der 33. Minute zunächst unterbrach. Ob es auch - wie vom Schiedsrichter angegeben - Affenlaute gegeben hat, will die Polizei prüfen. Nach Beratungen im Kabinentrakt folgte der Abbruch. „Es kann nicht sein, dass wir immer nur Parolen formulieren, dass wir Sprüche auf T-Shirts kleben. Wir müssen reagieren, wenn so etwas passiert“, sagte Welling.

Der oder die Täter müssten umfänglich zur Rechenschaft gezogen werden, forderte DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Rassisten hätten in deutschen Fußball-Stadien nichts verloren. „Ich bin froh, dass der Schiedsrichter, die Verantwortlichen beider Vereine und die überragende Mehrheit der Zuschauer im Stadion dies unmissverständlich zum Ausdruck gebracht haben“, sagte Koch.

Die Anfeindungen galten womöglich auch dem Duisburger Abwehrspieler Leroy Kwadwo, das ging aus Wellings Ausführungen hervor. Der 25-Jährige war gemeinsam mit weiteren Spielern zur Unterstützung zur Eckfahne geeilt. „Aaron ist tatsächlich sehr, sehr fertig und nicht mehr in der Lage zu spielen“, sagte Welling. „Das war mit ein Grund, dass wir gesagt haben, dann treten wir nicht mehr an. Egal, was das sportrechtlich für uns möglicherweise für Konsequenzen hat, um zu dokumentieren, dass wir das als Verein nicht akzeptieren.“

  • Knieten noch vor der Partie gegen
    Arsenal-Profi beleidigt : Festnahme nach Rassismus-Vorfall bei Leeds United
  • In Italien könnte es bald ein
    Nach vermehrten Fällen : Serie-A-Chef fordert lebenslanges Stadionverbot bei Rassismusvorfällen
  • „Tiefpunkt in unserer Vereinsgeschichte“ : MSV nach Rassismus-Eklat unter Schock - Ermittlungen dauern an

Über das weitere Vorgehen wird der DFB entscheiden, dessen Regularien „bei diskriminierenden Vorfällen jeglicher Form“ einen Drei-Stufen-Plan vorsehen. Der Spielabbruch ist Stufe drei. Winter äußerte, Opoku und der Schiedsrichterassistent hätten die Affenlaute sofort wahrgenommen. „Das ist etwas, wo wir sehr sensibel sind und auch direkt reagieren. Ich habe versucht, mich direkt um ihn zu kümmern und habe gesehen, wie schockiert er war“, sagte Winter. Der Referee kündigte einen Sonderbericht an: „Erst einmal sind wir alle geschockt, weil das ist einfach in eh schon schwierigen Zeiten ganz traumatisch.“

Laut MSV-Sprecher Martin Haltermann konnte der beschuldigte Fan mit Hilfe weiterer Zuschauer schnell identifiziert werden: „Der VfL Osnabrück - und das ist mehr als nachvollziehbar - kann nicht mehr antreten, der Junge ist fix und alle, die ganze Mannschaft ist fertig, wir sind es ehrlicherweise auch nach diesem unfassbaren Vorfall.“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hofft auf „die volle Härte der Justiz“ für den Täter. Er lobte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ die Reaktionen auf den Vorfall im Duisburger Stadion als „großartige und solidarische Reaktion der Zuschauer und der beiden Mannschaften, die gesagt haben, wir spielen nicht weiter“. Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) unterstrich: „Auch im Sport dürfen wir keinen Rassismus dulden. Das ist wichtiger als jedes Ergebnis.“

VfL-Geschäftsführer Welling äußerte: „Wir müssen auch dankbar sein, für viele Fans des MSV, die so reagiert haben, wie sie reagiert haben. Der MSV hat durch seine Fans den Täter oder die Täterin identifiziert.“ Er sei sich mit den „Duisburger Kollegen einig, dass es uns am liebsten wäre, es gibt ein Wiederholungsspiel“, kommentierte Welling. Über die Wertung der Partie werde zu einem späteren Zeitpunkt das DFB-Sportgericht befinden, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes am Sonntagabend.

Der 1. FC Köln dankte vor seinem Spiel gegen den VfB Stuttgart beiden Clubs für den Abbruch. Dazu stellten die Kölner bei Twitter ein Foto ihres Stürmers Anthony Modeste, der applaudiert. Der Stürmer hatte Ende November beleidigende Posts gegen sich aus den sozialen Medien öffentlich gemacht.

(dör/dpa)