MSV Duisburg: Lizenzentscheidung rückt immer näher

MSV Duisburg: Lizenzentscheidung rückt immer näher

In Frankfurt wird der MSV durch Anwalt Horst Kletke, den Vorstandsvorsitzenden Udo Kirmse sowie Jürgen Marbach und den neuen Geschäftsführer Björn Scheferling vertreten. Marbach wurde zum neuen Aufsichtsratschef gewählt.

Es gilt das Motto: Wenn du denkst, es geht gar nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Das Fan-Bündnis "Streifen zeigen" will sich Dienstag keineswegs mit einem Lichtlein bescheiden. Nach dem Spiel in Uerdingen wollen Michael Koch und seine Mitstreiter vor der Arena ein Lichtmeer entflammen.

Kerzen sollen die Fans mitbringen, denn es gibt nicht wenige, die denken: Es geht gar nichts mehr, wenn die MSV-Delegation Mittwoch vor dem Schiedsgericht in Frankfurt um ihre Zweitliga-Lizenz kämpft. Irgendwo in der deutschen Fußball-Hauptstadt hat der DFB für das Endspiel um die MSV-Beteiligung an der kommenden Zweitliga-Saison einen Konferenzraum angemietet. Der Ort in einem Hotel verwandelt sich dann ab 10 Uhr in einen Gerichtssaal.

Entscheiden werden als Vorsitzender Prof. Dr. Udo Steiner aus Regensburg, als von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) benannter Richter Goetz Eilers (Darmstadt) und als Richter, den der MSV aus einem Pool bestimmen konnte, Theo Paefgen (Bonn). Der Streitwert des Verfahrens beträgt gemäß Statuten im Regelfall für diese Situation 750.000 Euro.

Der MSV musste mit der Klageschrift eine Anzahlung auf die Prozesskosten in Höhe von 5000 Euro leisten. Die Interessen des MSV vertritt der Frankfurter Rechtsanwalt Horst Kletke. Darüber hinaus nehmen der Vorsitzende Udo Kirmse, der neue Geschäftsführer Björn Scheferling und der gestern einstimmig gewählte Vorsitzende des Aufsichtsrats des Spielbetriebs Jürgen Marbach an der Sitzung teil.

Der neue starke Mann beim MSV kündigte an, dass er sich eher im Hintergrund halten werde. Über die finanziellen Dinge wird wohl vor allem Udo Kirmse referieren. Horst Kletke rechnet mit einer Entscheidung am Nachmittag. Allerdings könnte ein Abschluss auch länger dauern. Dann könnten erst am Donnerstag die entscheidenden Worte fallen.

Auch beim Einspruch von Hertha BSC Berlin gegen das Relegationsrückspiel zur Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf vor einem Jahr ging es über zwei Verhandlungstage. Kletke hatte damals die Fortuna erfolgreich vertreten. Der Präzedenzfall aus dem Jahr 2002, als Eintracht Frankfurt zunächst die Zweitliga-Lizenz verweigert wurde, bescherte eine sechsstündige Verhandlung. Sieger war am Ende die Eintracht. Allerdings ging es damals durch Einsprüche der zum Nachteil betroffenen Spielvereinigung Unterhaching noch vor ordentlichen Gerichten weiter. So viel Zeit bleibt diesmal nicht, denn die neue Zweitliga-Saison beginnt in gut vier Wochen am 19. Juli. Der Spielplan für das Unterhaus soll am Freitag veröffentlicht werden.

Welche Chancen die Zebras haben, ist weiter offen. Außenstehende sehen die Erfolgsaussichten eher als gering an. Anwalt Kletke sprach einmal von einer Chance, die man nutzen wolle. Als euphorisch lässt sich der Satz nicht deuten. Udo Kirmse ließ wissen, dass man voller "Demut" dem Gremium entgegentrete. Auch das hört man trotz aller Zurückhaltung heraus.

Ganz offenbar hat der Klub bei der Zusammenstellung der Lizenzierungsunterlagen, die der gefeuerte Geschäftsführer Roland Kentsch abgeschickt hatte, grobe Formfehler begangen. Zum einen soll er sich bei einer Kreditstundung um 364.000 Euro verrechnet haben. Zum andern geht es allen Erkenntnissen nach darum, dass die Kreditverlängerung durch Walter Hellmich an ein Veto bei der Einstellung und Entlassung des Geschäftsführers sowie die Benennung von zwei Aufsichtsräten gebunden war. Das aber ist nicht erlaubt.

Möglich, dass der Vereinsvorstand mit der Entlassung von Kentsch deutlich machen wollte, dass diese Bedingung keineswegs verpflichtend gewesen ist. Die Fakten sprechen da für sich, vor allem, wenn Walter Hellmich bei seinen Zusagen bleibt. Darüber hinaus werden die Meidericher wohl versuchen, der DFL selbst Formfehler nachzuweisen. Unter anderem könnte eine Rolle spielen, dass selbst Wirtschaftsprüfer, beauftragt durch die Fußball-Liga, das giftige Papier zertifiziert haben. Insgesamt 20 Seiten plus Anhänge umfasst die Klageschrift. Von den Richtern sind diese formalen Einwände zu wiegen.

Frisches Geld oder das Gelöbnis der Besserung verfängt nicht mehr. Es geht allein um die Wertung der Fakten, zumal die MSV-Verantwortlichen derzeit stets deutlich machen, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die kommende Saison gegeben ist und man lediglich aufgrund von Formalfehlern gescheitert sei.

Ob das emotionale Moment wirkt, bleibt abzuwarten. Allzu große Hoffnungen setzen die Kläger darauf nicht. Anders als bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag angekündigt, wird Bernard Dietz morgen nicht dabei sein. Das Entzünden von Hoffnungslichtern kann jedoch sicher nicht schaden. Einen lichten Moment braucht der MSV Mittwoch in jedem Fall.

(RP/rl/csi)