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MSV Duisburg: Kurzfristige MSV-Lösung in Sicht

MSV Duisburg : Kurzfristige MSV-Lösung in Sicht

Am Donnerstag muss der MSV Duisburg seine Lizenzunterlagen einreichen. Noch wird an der langfristigen Klärung der Verbindlichkeiten gearbeitet. Kurzfristig springen allen voran offenbar wieder Schauinsland und Walter Hellmich ein.

Schmallippig reagiert derzeit, wer in offizieller Funktion auf den MSV Duisburg angesprochen wird. Zu verworren und vor allem politisch brisant ist die Gemengelage. Fakt ist: Der MSV Duisburg muss morgen bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) belastbare Lizenzunterlagen einreichen und damit nachweisbar eine Finanzlücke von 2,5 bis 3 Millionen Euro schließen. Allerdings wären selbst bei einer kurzfristigen Finanzierung die langfristigen Probleme nicht vom Tisch.

Gestern tagten erneut die Gremien des Vereins, frisch aus dem Urlaub stieß auch Walter Hellmich als größter Anteilseigner der Stadionprojekt GmbH dazu. Die hohe Stadionmiete von derzeit fünf Millionen Euro pro Jahr soll wohl erneut gestundet werden, um dem MSV kurzfristig Luft zu verschaffen. Langfristig muss eine andere Lösung her.

Die bisher favorisierte Idee: Die städtische Tochter DVV steigt über die konzerneigenen Stadtwerke als neuer Stadioneigentümer ein und schafft damit die Grundlage für eine Gesundung des Klubs. Doch der Plan stößt nicht überall auf Gegenliebe. Denn bereits im Ansatz muss den MSV-Verantwortlichen klar gewesen sein, dass die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft kein gesteigertes Interesse hat, weitere Verbindlichkeiten in die eigenen Bücher zu übertragen. Vielmehr wäre man froh, sich irgendwann ganz aus der Finanzierung des kriselnden Vereins zurückzuziehen. Bereits jetzt schlägt das Sponsoring aus der Vergangenheit mit rund einer Million Euro zu Buche.

Dennoch suchte der MSV vor Wochen den Kontakt zur DVV und äußerte die Bitte, ein Zukunftsmodell durchzurechnen. Die DVV reagierte und plante ein Übernahme-Modell für das Stadion — allerdings für einen "Dritten", keineswegs für die DVV selbst. "Eine Planung, die uns als Käufer vorsieht, ist nicht an die DVV herangetragen worden. Sollte der politische Wunsch dazu bestehen, müssten sich unsere Gremien damit beschäftigen", sagt Konzern-Sprecher Torsten Hiermann. Weniger offiziell aber ist klar, dass der ominöse Dritte eine Tochtergesellschaft des DVV-Konzerns ist. Den politischen Wunsch könnte etwa der Oberbürgermeister formulieren.

Zum Hintergrund: Der neue Eigentümer kauft das Stadion zu günstigeren Konditionen und vermietet es entsprechend preiswerter an den MSV. Das hat den Reiz, dass sich die finanziellen Abschläge auf alle Beteiligten verteilen. Und birgt das Risiko, dass der MSV möglicherweise in naher Zukunft absteigt und dann nicht einmal die geringere Miete aufbringen kann. Sören Link, gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der DVV, schweigt. Ihm dürfte bewusst sein, dass eine MSV-Rettung auf Kosten der DVV politischen Gegenwind bedeuten könnte. "Sollte eine Stadttochter eine zusätzliche Investition tätigen, müsste die Stadt eine entsprechende Gegenfinanzierung nachweisen", ordnet Volker Klagges von der Bezirksregierung Düsseldorf den finanziellen Spielraum der Stadt ein.

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Eberhard Kanski, stellvertretender Vorsitzender vom Bund der Steuerzahler, sagt: "Eine solche Investition passt nicht zur finanziellen Schieflage der Stadt. Wenn man die Schuldenspirale aufhalten will, darf man sich nicht auf solche Experimente einlassen." Doch die Folgen einer Insolvenz des MSV würden für alle Beteiligten schwer wiegen: Den Stadion-Eignern, den Banken und privaten Kreditgebern droht der Totalverlust. Letztlich müsste die Stadt für den Erhalt des Stadions aufkommen, da sie Erbpachtgeber des Grundstücks ist. Zudem hat das Land NRW eine Ausfallbürgschaft von 80 Prozent für alle langfristigen Kredite des MSV übernommen.

Da könnte es lohnender sein, in einen lebenden Zweitliga-Klub zu investieren als in eine tote Betonschüssel. Doch all das ist Zukunftsmusik. Übertönt vom schrillen Weckerklingeln des Termins morgen. Denn: Die DFL erteilte dem MSV die Lizenz nur mit Bedingungen. Werden die nicht erfüllt, droht der Entzug der Spielberechtigung für die neue Saison. Walter Hellmich und Schauinsland-Chef Gerald Kassner sollen erneut signalisiert haben, allen voran dem Verein zu helfen.

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(RP/can)