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MSV Duisburg: Kosta Runjaic denkt erstmal nur an den MSV

MSV Duisburg : Kosta Runjaic denkt erstmal nur an den MSV

Der Trainer gilt aber weiter als Kandidat beim 1. FC Köln. Gestern kam die Begründung der Lizenzverweigerung per Post in Duisburg an. Der MSV bereitet nun den Einspruch vor.

Der Fotograf hat den Moment, auf den ganz Fußball-Duisburg gewartet hat, im Bild festgehalten. Ein Kurier überbringt die kleine gelbe Postbox mit dem überaus brisanten Inhalt. Die DFL lässt den MSV schriftlich wissen, warum sie dem Verein die Zweitliga-Lizenz für das kommende Spieljahr verweigert.

Ob das gelbe Kistchen nun tatsächlich die unfrohe Botschaft enthielt oder nicht. Von den Verantwortlichen des Zweitligisten war dazu erst gegen Abend etwas zu hören. Andere Quellen bestätigten früher, dass Anwalt Horst Kletke nun auch offiziell ans Werk gehen kann.

Die Pressemitteilung des MSV zitiert dazu viel- oder nichtssagend: "Wir werden das Schreiben jetzt intensiv prüfen und darauf basierend dann unseren Einspruch gegen das Urteil beim Schiedsgericht formulieren", erklärte Horst Kletke. Und dann fast schon kämpferisch: "Die in der Schiedslage liegenden Möglichkeiten und Chancen wollen und werden wir wahrnehmen"

Die Frist läuft. Innerhalb einer Woche gilt es nun Einspruch gegen den Entscheid einzulegen. Das will der MSV tun. Dann wird im Rahmen einer Verhandlung des Schiedsgerichts über die Stichhaltigkeit der Gegenargumente entschieden. Drei Männer heben oder senken ihre Daumen: Einer wird als Beisitzer vom MSV benannt, ein anderer von der DFL und das letzte Wort hat der Jurist Prof. Udo Steiner. Der Buschfunk meldet: Die Chancen sind gering. Ansonsten füllen Durchhalteparolen das Grundrauschen.

Und Störfeuer: Ex-Trainer Oliver Reck ließ in einem Interview wissen: "Beim MSV könnte ich in der Führungsetage niemanden aufzählen, der in der Lage wäre, dieses ganze Konstrukt — MSV Duisburg, Fußball-Bundesliga, zweite Liga — zu führen, die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Da der MSV zunächst nicht einmal den Eingang des Briefs bestätigen wollte, war über den Inhalt gleich gar nichts zu hören. Freilich, überraschend dürften die schlechten Nachrichten keineswegs gewesen sein. Roland Kentsch als Geschäftsführer und der Wirtschaftsprüfer Dr. Gerd Görtz hatten sich schon am Mittwoch vor einer Woche in mündlicher Sitzung alle Bedenken des Lizenzierungsausschusses anhören dürfen. Dem Vernehmen nach hat man dort erfolglose Stunden verbracht. Das Schriftstück wird nur die Einwände bestätigen und dem Rechtsanwalt schwarz auf weiß vorlegen, welche Argumente er entkräften soll.

Darüber hinaus versucht der Verein das Gefühl eines ganz normalen Geschäftstages aufrecht zu erhalten. Der Dauerkartenverkauf für die kommende Saison bleibt ausgesetzt. Aber die neuen Trikots liegen weiter in der Auslage. 600 Stück wurden seit Montag abgesetzt. Bis heute wird weiter verkauft. Dann ist der Vorrat aufgebraucht. Eine Nachbestellung gibt es nicht. Mit ein wenig Pech könnten sich die Hemden in Sammlerstücke verwandeln.

Trainer Kosta Runjaic, der als heißer Kandidat auf den Trainerposten beim 1. FC Köln gehandelt wird, erklärt: "Zu Köln kann ich jetzt nichts sagen. Jetzt geht es erstmal um den MSV." Aus Köln ist indes zu hören, dass der FC die Gespräche mit dem 42-Jährigen weiter intensivieren möchte, der gegenüber der Redaktion bereits am Dienstag bestätigte, dass es Anfragen mehrerer Vereine gibt. Am 13. Juni wird er zum ersten Training bitten. Vielleicht. Der Coach hält sich alle Optionen offen. Sportdirektor Ivo Grlic deutete an, dass der Auftakt möglicherweise verschoben wird. Das erste Testspiel am 16. Juni beim DSV 1900 ist noch nicht vom Spielplan genommen. Es könnte sich um einen historischen Kick handeln: das letzte Spiel der MSV-Profimannschaft auf lange Zeit. Das letzte große Sportereignis in der Arena könnte der Zieleinlauf des Rhein-Ruhr-Marathons am Sonntag sein. Ohnehin nicht mehr mit dabei ist dann Leihspieler Julian Koch, dessen Wechsel zu Bundesligist Mainz 05 jetzt feststeht.

Noch ein Stück Normalität: Markus Räuber wurde zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewählt. Sein Stellvertreter ist Peter Dahmen. Für den Fragebogen im Internet hat er unter der Rubrik "Mein Traum mit dem MSV" geschrieben: "Einmal einen großen Titel, sportlicher Erfolg und immer ein volles — weil tolles — Stadion." Die Zeilen sind offenbar nicht ganz aktuell.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2. Bundesliga 12/13: MSV Duisburg stellt Kosta Runjaic vor

(kew)