Fußball: MSV Duisburg vor dem Pokalspiel bei Arminia Bielefeld

Fußball MSV Duisburg : Ein langer Weg für den MSV Duisburg

Trainer Torsten Lieberknecht kartet trotz des Ärgers über die Entstehung des späten Ingolstädter Ausgleichs nicht nach. Für ihn ist es wichtig, wieder gepunktet zu haben. Am Mittwoch spielt der Zweitligist im DFB-Pokal in Bielefeld.

Trainer des MSV Duisburg haben so ihre Lieblingsworte. Ilia Gruev erfreute seine Zuhörer gern mit dem Wort „seriös“. Es sollte die Arbeits- und Spielweise seiner Fußballer beschreiben. Sein Nachfolger im Amt, Torsten Lieberknecht, hat einen anderen Begriff weit vorn auf der Zunge liegen: „Der lange Weg“. Damit erklärt der Coach des Vorletzten der Zweiten Bundesliga, dass Rettung aus höchster Abstiegsnot nicht sofort und gleich gelingt.

So schön der Begriff ist und so trostreich er angesichts von Gegentoren in letzter Minute wie beim 1:1-Kellerkick in Ingolstadt sein kann, auf die nächste Aufgabe passt er so gar nicht. Der MSV muss am Mittwoch um 20.45 Uhr im Pokal beim Klassenkameraden Arminia Bielefeld ran. Erstens ist es kein ganz so langer Weg zur Alm (170 Kilometer), und zweitens wird da sehr kurzfristig direkt nach Spielschluss abgerechnet. Nächste Runde oder Konzentration auf den Liga-Alltag. Mehr gibt’s nicht.

Freilich, Lieberknecht fand auch am Montag eine Möglichkeit, vom langen Weg zu sprechen. Denn es ging natürlich nicht allein um den möglichen Einzug in die dritte Pokalrunde. Das Wort von der verlangten Ausdauer benutzte der 45-jährige Fußballlehrer in Zusammenhang mit der Unterstützung der Fans, die trotz des bitteren Ausgleichs der Mannschaft nicht die Zuneigung verweigerten: „Das zeigt, dass die Leute sich auf den langen Weg mit eingestimmt haben.“

Nur kurz wollte der Coach auf den Fehler von Thorben Siewer eingehen. Der Referee übersah ein Foul an Lukas Fröde, bevor Marvin Matip zum Ausgleich einköpfte. „Ganz Ingolstadt hat auf den Pfiff gewartet“, so Lieberknecht . Er rechnete dem Unparteiischen aber an, dass er sich zu seinem Fehler bekannt hat. Davon kann man sich aber nichts kaufen. Es ist halt bitter. So wie die Mannschaft derzeit auftritt, braucht sie das Glück säckeweise. Die Dame Fortuna verweigert dem Zebra derzeit freilich jedes Date. Die fiesen Entscheidungen gegen St. Pauli beim verweigerten Elfmeter und dem übersehenen Foulspiel gegen Ingolstadt fielen dem MSV auf die Butterseite.

Daniel Mesenhöler streckte sich vergeblich: Das späte 1:1 durch Marvin Matip machte den Weg für den MSV wieder etwas länger. Foto: Bongarts/Getty Images/Christian Kaspar-Bartke/Getty

Das Verletzungspech hat das Team ebenfalls gepackt. Joseph-Claude Gyau fällt weiter mit seiner Fußverletzung aus. Cauly Souzas Oberschenkelprobleme sind noch nicht genau diagnostiziert. Eine MRT soll Klarheit schaffen – offenbar auch, weil der Spieler sich im Kopf mit seinem Bein beschäftigt. Andreas Wiegel brachte aus Ingolstadt einen Schlag auf den Fuß mit.

Klagen freilich ist des Trainers Sache nicht. Er sammelt lieber die Brosamen an guten Nachrichten auf: dass man defensiv wenig zugelassen habe, dass man flexibler im Vortrag sei, dass man in der zweiten Halbzeit gegen St. Pauli und viele Minuten bei den Schanzern ordentlich gespielt habe. Die Mentalität lobt er auch: „Nach der Niederlage gegen St. Pauli war es mir wichtig, dass die Mannschaft wieder punktet.“ Dass da viel gestochert wurde im Audi-Sportpark und der schiere Blick aufs Spielfeld verriet, wo die beiden Teams in der Tabelle stehen, erklärt der Coach so: „Dass nicht alles rund läuft, das ist die Situation. Das ist das Zweite-Liga-Leben, wenn du in diesem Fahrwasser bist.“

Sportdirektor Ivica Grlic (Mitte) hatte Redebedarf mit den Unparteiischen – wegen des nicht geahndeten Fouls an Lukas Fröde (rechts). Foto: Bongarts/Getty Images/Getty

Lieberknecht sprach vielmehr seinem Personal das Vertrauen aus. 600.000 Euro bringt der Einzug in die nächste Pokalrunde. Damit ließe sich was einkaufen, wenn in der Winterpause der Transfermarkt aufmacht. Der Trainer reagiert darauf sehr klar: „Was ich sehe, ist absolut in Ordnung. Der Kader, der hier ist, mit dem möchte ich arbeiten und das Optimum rausholen.“ Bis dahin sind einige weitere Schritte zu gehen, denn „die Mannschaft hat das Potenzial und ist noch nicht ausgereift“, das sagt der Trainer auch. Man müsse sich die Zeit geben, es zu entwickeln. Weil es eben ein langer Weg ist, bis der MSV die Kellertür aufstemmen kann. Bielefeld ist da weniger eine Zwischenstation als das Heimspiel am Samstag gegen den SC Paderborn. Denn für unterwegs braucht es Punkte als Wegzehrung.

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