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MSV Duisburg: Frust und Ratlosigkeit bei den Zebras

MSV Duisburg : Frust und Ratlosigkeit bei den Zebras

Bei der 1:3-Heimniederlage gegen den Halleschen FC in der Dritten Liga wurde der MSV Duisburg seinen eigenen Ansprüchen erneut nicht gerecht. Im eigenen Stadion gelangen dem MSV erst zwei Saisonsiege.

Jürgen Marbach probierte es nach der denkwürdigen 1:3-Heimniederlage der Zebras mit Ironie. "Ich wünsche euch allen einen doch noch schönen Fußballabend", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des MSV mit Blick auf das am Abend anstehende Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund. Während sich Marbach nach der dürftigen MSV-Vorstellung in Galgenhumor flüchtete, zeigte sich Trainer Karsten Baumann ratlos. "Wir sind maßlos enttäuscht", erklärte der 44-Jährige, der nur schwer begreifen konnte, wie seine Mannschaft das Spiel gegen einen harmlosen Gegner so deutlich verlieren konnte.

Erneut schenkte der MSV im eigenen Stadion Punkte her und vergab damit die Gelegenheit, den Anschluss an die Tabellenspitze herzustellen. Offenbar reichte der Anreiz und zugleich Anspruch der Zebras, mit einem Sieg zur Liga-Spitzengruppe vorzustoßen, der Mannschaft nicht. Anders jedenfalls ist die Art und Weise der neuerlichen Heimniederlage nicht zu erklären.

Aus dem Spiel heraus hatten die Hallenser über die gesamte Spieldauer kaum eine Chance. Dennoch gelang dem Gast mit seiner einzigen herausgespielten Torgelegenheit der ersten Hälfte die frühe Führung (6.). Akaki Gogia umkurvte nacheinander Rechtsverteidiger Phil Ofosu-Ayeh, Markus Bollmann und Tobias Feisthammel und überwand Torhüter Michael Ratajczak danach mühelos. Zwar konnte Kevin Wolze die frühe Gästeführung in der 19. Spielminute ausgleichen, nachdem er von Pierre De Wit mit einem flach ausgeführten Freistoß in den Rückraum bedient worden war, noch vor der Pause erzielten die Hallenser aber die Treffer zwei und drei (31./40.).

Danach war der Widerstand des MSV gebrochen. Unterm Strich standen drei Treffer, denen jeweils grobe Fehler der MSV-Abwehr vorausgegangen waren. So auch beim 2:1, das wie auch das Tor zum 3:1 nach einem Freistoß fiel. Die jeweils hoch in den Strafraum geschlagenen Bälle konnte die Meidericher Defensive nicht klären.

Insbesondere die beiden Innenverteidiger Markus Bollmann und Tobias Feisthammel machten bei beiden Treffern keine gute Figur. "Wir haben uns bei den Standards sehr schlecht verhalten. Das war absolut inakzeptabel", kommentierte Baumann noch immer ungläubig. "Ich kann nicht verstehen, wie uns das bei so viel Erfahrung und Kopfballstärke, die wir in unseren Reihen haben, passieren kann." Bollmann kommentiere die Szene vor dem 2:1 so: "Der Ball springt mir unglücklich an den Oberschenkel. In dieser Situation hatten wir einfach Pech", sagte der Innenverteidiger.

Was Baumann besonders zu schaffen macht, sind die Leistungsschwankungen zwischen den Spielen. "Das kann ich einfach nicht verstehen", erklärte der Trainer im Rückblick auf den 1:0-Auswärtserfolg beim VfL Osnabrück am letzten Spieltag. Ähnlich äußerte sich Rechtsverteidiger Phil Ofosu-Ayeh: "In Osnabrück haben wir eine kompakte Leistung gezeigt, zu Hause gelingen uns selbst einfachste Dinge nicht."

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Die Frage, ob man spätestens nach der jüngsten Niederlage von einem Heimkomplex der MSV-Mannschaft sprechen kann, wollte der 22-Jährige am Samstag nicht verneinen. "Jetzt hilft nur ein schnelles Erfolgserlebnis", entgegnete Ofosu-Ayeh. Die nächste Gelegenheit, ein solches einzufahren, bietet sich dem MSV schon am kommenden Samstag. Dann kommt der Tabellenvierte Unterhaching. Dass es den Zebras ausgerechnet gegen diesen Gegner gelingt, ihre Heim-Durststrecke zu beenden, darf zumindest bezweifelt werden.

Bevor bei den Zebras aber die Vorbereitung auf das Unterhaching-Spiel beginnen können, steht erst einmal unangenehme Ursachenforschung auf dem Programm. Damit begann Baumann noch in der Arena und scheute dabei keine klaren Worte: "Wir haben defensiv und offensiv einfach zu wenig Killerinstinkt, so dass wir unsere Chancen einfach nicht genutzt haben. Vielleicht fehlt es hier und da doch an dem Quäntchen Qualität."

Dass diese aber durchaus vorhanden ist, zeigt die Auswärtsbilanz des MSV. War es dann ein Problem der Einstellung? Baumann verneinte diese Frage: "Ich glaube nicht, dass es daran gelegen hat. Es fehlte einfach das Quäntchen Geilheit, sich dagegen zu stemmen", erklärte der Trainer. Aber ist nicht gerade dieses "Quäntchen Geilheit" Einstellungssache? Diese Frage werden Mannschaft und Trainer in dieser Woche für sich beantworten müssen.

Für Phil Ofosu-Ayeh stand indes fest: "Das war heute von jedem Einzelnen zu wenig." Der 22-Jährige brachte dann auf den Punkt, was viele Beobachter seit Wochen denken: "Es ist bei jedem Heimspiel dieselbe Leier", so Ofosu-Ayeh: "Klar können wir jetzt sagen, dass wir nächste Woche wieder ein Heimspiel haben und es da besser machen können, aber langsam gehen uns die Argumente aus."

Die Fans, die auch gegen Halle in Massen gekommen waren (10.722 Zuschauer), werden sich nur mit Taten beruhigen lassen. Schon zur Halbzeit bedachten sie ihre Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert. Wie groß der Frust auf beiden Seiten ist, zeigte sich spätestens, als der sonst so besonnene Kevin Wolze mit einigen Fans aneinander geriet, die die Mannschaft für die gezeigte Leistung wüst beschimpften. Die gute Stimmung aus dem vergangenen Sommer scheint wohl langsam zu kippen.

(RP)