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Duisburg: Fans setzen ein kilometerlanges Zeichen

Duisburg : Fans setzen ein kilometerlanges Zeichen

Mit einer Menschenkette zwischen Rathaus und MSV-Arena demonstrierten am Samstag rund 3500 MSV-Fans friedlich für den Erhalt ihres Clubs.

Um 11.55 Uhr war es endlich geschafft. Organisator Hans-Joachim Schneider konnte zum ersten Mal an diesem Samstag beruhigt aufatmen. In der Menschenkette, die als Zeichen der Solidarität der Stadt mit dem angeschlagenen MSV, Rathaus und Stadion miteinander verbinden sollte, konnten auch die letzten Lücken geschlossen werden. Mehr als 3500 MSV-Fans und Anhänger anderer Vereine waren gekommen, um Hand in Hand für Erhalt des Traditionsvereins zu demonstrieren — ein weiß-blaues Band der Solidarität zwischen Rathaus und Stadion.

"Jetzt bin ich wirklich erleichtert", sagte Schneider. "Wir haben die Kette weitestgehend schließen können. Der ganze Aufwand hat sich also gelohnt." Ziel der Aktion war es, Öffentlichkeit zu schaffen. "Uns ist völlig klar, dass uns niemand aufgrund solcher Aktionen alleine noch die Lizenz erteilen wird", erläuterte er die Hintergründe. "Wir wollen damit bloß zeigen, dass wir noch da sind, hinter unserem Verein stehen und keineswegs aufgegeben haben." Knapp eine Stunde zuvor war von Erleichterung allerdings noch nichts zu spüren gewesen, denn zur verabredeten Aufstell-Zeit, um 11.15 Uhr, hatten sich nur wenige Fans entlang der 5,6 Kilometer langen Wegstrecke eingefunden. "Wir haben uns mehr als nur einmal die Frage gestellt, ob die Aktion mit so wenigen Teilnehmern überhaupt Sinn macht", gab Michael Koch zu, dessen Fan-Initiative "Streifen zeigen" die unterschiedlichen Fan-Aktionen koordiniert.

"Da wir aber aus Erfahrung wussten, dass die Duisburger Fans immer auf den letzten Drücker kommen, haben wir bis zum letzten Augenblick gehofft. Naja, und das hat sich zum Glück bezahlt gemacht." Unter die Zebrafans hatten sich auch einige prominente Gesichter gemischt. Neben Oberbürgermeister Sören Link und der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas nahm auch MSV-Legende Ferenc "Ferry" Schmidt an der Menschenkette teil, um seine Unterstützung zu bekunden. "Ich habe die große Ehre gehabt in der Vergangenheit für diesen Club spielen zu dürfen?", sagte der ehemalige Mittelfeld-Star. "Nun ist es an der Zeit, dem Verein und den Fans, denen ich so viel zu verdanken habe, etwas zurückzugeben. Und wenn dazu gehört, dass ich meine etwas bekanntere Nase dafür in die Kameras halten muss, dann ist es halt so."

Weniger pragmatisch, dafür mindestens ebenso emotional äußerten sich die Fans, die die Menschenkette bildeten. Viele Anhänger beschrieben ihr Verhältnis zum MSV mit Begriffen wie Liebe, Zuneigung oder Lebensmittelpunkt.

"Der Verein ist für viele Menschen in Duisburg mehr als nur ein einfacher Fußballclub und das Stadion mehr als nur eine Spielstätte", brachte es die 24-jährige Sabrina Mezur auf den Punkt. "Bei den Spielen kommt man mit Freunden zusammen, singt, unterhält sich und hat Spaß. Der MSV ist ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Miteinanders dieser Leute hier. Der Zwangsabstieg wäre eine Katastrophe, denn er könnte bedeuten, dass der MSV für immer in der Versenkung verschwindet."

Hier geht es zur Bilderstrecke: MSV-Fans bilden Menschenkette in Duisburg

(RP/anch/sgo)