MSV Duisburg: Duisburg steht hinter seinem MSV

MSV Duisburg : Duisburg steht hinter seinem MSV

Morgen läuft die Frist beim DFB ab. Die Fans sammeln mit etlichen Aktionen Geld, der Zoo wird Trikotsponsor.

Es sind wieder diese Tage, an denen die Fans vor dem Stadion stehen. Obwohl gar nicht gespielt wird. Es sind wieder diese Tage, an den Männer hinter verschlossenen Türen sich die Nächte um die Ohren hauen. Es sind wieder diese Tage, an denen der MSV Duisburg um seine Lizenz ringt und die Fans zwischen Hoffen und Bangen taumeln. Bis morgen um 15.30 Uhr müssen alle Unterlagen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt sein. Danach geht nichts mehr. Antwortpost kommt nicht vor dem 5. oder 6. Juni. Dann tagt der Beschwerdeausschuss des DFB und verhandelt den Fall "Zebras für die dritte Liga".

Was man weiß oder ahnt: Die Lücke ist noch groß. Im sechsstelligen Bereich. Aber Bernd Maas, der MSV-Geschäftsführer, hat einige Hoffnung, sie rechtzeitig schließen zu können. Die großen Deals seien inzwischen getan, erklärt er aber ebenfalls. Morgen sendet der Verein nur eine Botschaft: "Wir haben alle Unterlagen eingereicht." Per Mail. Im besten Fall. "Wir laden nur dann zu einer Pressekonferenz ein, wenn wir es nicht geschafft haben", sagt Maas. Gelassen spricht er den Satz am Samstag aus. Oder vielleicht auch nur erschöpft. Angst färbt seine Stimme keineswegs ein. Euphorie fehlt als Zwischenton. Die Tage sind - wie erwähnt - lang, die Nächte kurz. Geschäftsführer taugen als Propheten zudem wenig. Man hat das im letzten Jahr bitter lernen müssen.

Immerhin, es passiert was: Der MSV wird in der kommenden Saison das Logo des Zoo Duisburg auf der Trikotbrust tragen. Die Idee dazu kann sich auch an den Schaltern des Fanshops bezahlt machen. Der neue Ausrichter - Uhlsport, wie die Buschtrommeln funken - muss nur ran ans Design. So ein Hemd gab es noch nie und wird es auch so schnell nicht wieder geben. Die offizielle Nachricht ging am Samstag um 7.10 Uhr an die Medien. Ja, diese kurzen Nächte.

Schauinsland-Reisen und die Stadtwerke machen die originelle Duisburg-Werbung möglich. Der Touristiker, indem er Geld gibt, der Energieversorger, indem er den Platz auf dem zuletzt so kurzen Hemdchen freigibt. Das chinesische Unternehmen, mit dem man über dieses "Schaufenster" verhandelt, wird nicht vor der Rückserie einsteigen. Mit dem DFB ist abgesprochen, dass ein solcher Wechsel möglich gemacht werden kann. Sagt Maas.

Die Bescheinigungen vom Finanzamt liegen inzwischen ebenfalls vor. Am Freitag waren sie in der Post. Formale Hinderungsgründe für die Lizenzerteilung gebe es aus seiner Sicht nicht mehr, erklärt der Geschäftsführer und hängt auch die Entscheidung der Stadt über einen Erlass der Gewerbesteuer für den Gewinne aus dem Schuldenschnitt niedriger auf. Am Samstag lud der Verein die Sponsoren zu einem Brunch ein. Bei Kaffee und Rührei sammelte der Klub weiteres Geld ein und ließ fertig ausverhandelte Verträge unterschreiben. Rund ein Dutzend Sponsoren kam pünktlich um 10 Uhr zum Start. Ein paar weitere tröpfeln am frühen Vormittag herein. Insgesamt sollen am Wochenende rund 300 000 Euro zusammengekommen sein.

Derweil singen draußen vor der Glasfassade die Fans. Und lassen die Münzen klingen. Sie tragen ihr Scherf zur Rettung bei. Der Flashmop am Freitagabend, als die Freunde des Zebras den Shop leerkauften, bescherte einen satten Umsatz von 130 000 Euro. Da kann man nicht mehr von einem Scherflein sprechen. Vielleicht ebenso wichtig: Die langen Schlangen vor dem Laden mit den Fanartikeln machten deutlich: Es liegt dem einen oder anderen etwas am MSV. Möglicherweise sogar mehr als nur "dem einen oder anderen". Das zeigt sich auch bei den Dauerkarten: rund 2500 sind bestellt.

Die "Zebrakids", die uneigennützig jungen Menschen den Stadionbesuch möglich machen, sammeln derweil Geld. Eine der 25-Jahre-Dauerkarten haben sie bereits gekauft. Für eine zweite ist das Geld fast zusammen. Die Einnahme reichte zudem gleich für eine normale Dauerkarte und einen Gutschein für Fanartikel. Umsatz machen für die Lizenz.

Ein Konzert vor der Arena gab es gestern ebenfalls. Wie im vergangenen Jahr, als ebenfalls die Fans vor der Stadion standen und Männer hinter verschlossenen Türen tagten. Damals hatte die Geschichte ein Happy End. Morgen weiß man zumindest, ob man überhaupt darauf hoffen darf. Bernd Maas sagt: "Wir müssen mehr bringen als erwartet wird." Um Spielraum bei der Entscheidung des DFB zu haben. Man möchte vor Überraschungen gefeit sein - und möglichst heute keine Pressekonferenz geben.

(kew)
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