MSV Duisburg Dritte Liga oder Absturz in die Bedeutungslosigkeit

Duisburg · Der MSV Duisburg plant einen Neuanfang in der Dritten Liga. Gelingt es nicht, bis zum 5. Juli die Lizenzbedingungen zu erfüllen, droht die Insolvenz und der Sturz bis in die Fünftklassigkeit. Der Verein muss schnell Lösungen präsentieren.

Enttäuschter MSV hofft auf Lizenz für die 3. Liga
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Enttäuschter MSV hofft auf Lizenz für die 3. Liga

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Die neue Führung des MSV Duisburg will schnell Klarheit über einen möglichen Einstieg in die Dritte Liga gewinnen. Während einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Marbach: "Wir haben bis Montag eine Lösung zu finden, die zu 99% funktioniert." Hintergrund ist, dass der Klub Planungssicherheit für den Neuaufbau einer Mannschaft braucht. Offiziell hat der MSV im Zuge eines verkürzten Lizenzierungsverfahrens bis zum 5. Juli Zeit, um alle notwendigen Unterlagen für den Start in der dritten Klasse beim DFB einzureichen. Die Entscheidung des Verbandes kann dann innerhalb eines Tages erfolgen.

Eile ist geboten, denn bereits am 20. Juli beginnt die neue Saison. Verfehlen Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführung dieses Ziel, dann droht der Totalabsturz in die fünfte Liga. Der MSV-Vorsitzende Udo Kirmse erklärte gestern: "Dann käme die Insolvenz, und ich glaube nicht, dass wir als Verein die Bedingungen für die vierte Liga erfüllen könnten." Im Klartext: "Zwangsläufig diskutieren wir hier über die dritte oder fünfte Liga", so Kirmse. Schnell muss man arbeiten und viel ist zu tun, deshalb sprach Kirmse von einer "Herkulesaufgabe", die er aber mit aller Kraft angehen werde: "Ich möchte nicht der erste MSV-Vorsitzende seit der Einführung der Bundesliga sein, dessen erste Mannschaft im Amateurbereich spielt." Optimistisch formulierte er: "Wenn wir die Hauptdarlehensgeber und Sponsoren hinter uns bringen, wird es mit der Lizenz klappen." Jürgen Marbach ergänzte: "Wir planen, denken und arbeiten Dritte Liga". Er sagte zudem "Uns bleibt jetzt keine Zeit, um unsere Wunden zu lecken."

Die Lizenz hat der neue MSV-Geschäftsführer bereits am Dienstag fristgerecht beantragt. Nun erhält der Klub vom DFB Bedingungen, um tatsächlich die Zulassung zu erhalten. Zur Finanzierung gilt es die Stadionmiete drastisch zu senken. "Vier oder fünf Millionen wie in der Zweiten Liga können wir uns nicht leisten", erklärte Marbach. Stattdessen redete er über 400 000 bis 500 000 Euro Miete. Mit der Stadionprojektgesellschaft werde man sich nun in Verbindung setzen. Marbach nannte als Frist für eine Klärung der Fronten "eine Lösung binnen 72 Stunden." Bereits auf der Rückfahrt von Frankfurt, mit der abgeschmetterten Klage auf Verbleib in der Zweiten Liga im Gepäck, habe man die ersten Termine vereinbart. Der sogenannte Schuldenschnitt, also die Übernahme der Arena zu neuen Bedingungen, bleibt weiter ein Thema, lässt sich aber nicht innerhalb weniger Tage realisieren. Die Stadionprojektgesellschaft als Haupteigner des Stadions müsste dann nämlich auf einen Großteil der noch ausstehenden Forderungen in der Höhe von 19 Millionen Euro verzichten. Dieses Lösungsszenario funktioniert nach dem Prinzip eines juristischen Vergleichs: Die Stadionprojektgesellschaft, mit Hauptanteilseigner Walter Hellmich, verzichtet auf einen Teil seiner Forderungen, um eine ansonsten drohende Insolvenz zu vermeiden. Dann nämlich würde das Stadion in die Insolvenzmasse einfließen und die Gläubiger würden weitaus höhere Verluste in Kauf nehmen müssen.

Zuvor gilt es, die Sponsoren hinter sich zu scharren. Der Vermarkter Sportfive bleibt beim MSV im Boot. Das hat zwei Effekte. Zum einen hat sich das Hamburger Unternehmen mit frischem Geld die Vermarktungsrechte gesichert. Zum anderen verfügt Sportfive über Kontakte zur Wirtschaft. Marbach machte deutlich, dass man mit allen Großsponsoren neu verhandeln müsse. Die unterschriebenen Verträge beziehen sich eben auf die Zweite Liga. Ob die Stadtwerke weiter auf der Trikotbrust bleiben, konnte der Aufsichtsrat nicht versprechen. Allerdings habe man von vielen Gönnern bereits positive Signale erhalten, dass man dem Verein die Treue halten werde. Allerdings zu angepassten Konditionen, denn man kickt eben nur in der Dritten Liga. Marbach: "Wir fangen nicht bei Null an." Auch Arena-Namensgeber Schauinsland-Reisen dürfte ein großer Karpfen im Sponsorenpool bleiben, erklärt Marbach.

Ebenfalls entscheidend sind die Gespräche mit Ivo Grlic, der als Sportlicher Leiter bleiben soll, und Kosta Runjaic, dessen Dienste als Trainer man sich weiter sichern will. Klar ist dabei: "Mit dem bisherigen Spieleretat können wir in der kommenden Saison sicher nicht den Aufstieg anpeilen. Aber vielleicht finden sich andere Lösungen, um zusätzliches Geld zu bekommen", sagte Marbach.

Sollten die Stricke reißen, dann droht nicht automatisch der Sturz in die fünfte Klasse. Für den Fall, dass die Spielbetriebsgesellschaft in Insolvenz gehe, habe man einen Plan B. Mit dem DFB seien Vorgespräche geführt worden, wie man sich für die Dritte Liga als Verein und eben nicht als GmbH bewerben könne. Erst wenn auch dieser Notnagel aus der Wand fällt, muss der MSV die fünfte Liga in den Blick nehmen.

Bei allem Zukunftssinn galt es am "Tag danach" noch ein wenig die Vergangenheit zu bewältigen. "Zum gestrigen Zeitpunkt hätten wir die nötige Liquidität für die Zweite Liga ohne weiteres nachweisen können", erklärte Kirmse: "Wenn nicht sogar eine Überliquidität". Zur Verhandlung vor dem Schiedsgericht hieß es: "Aufgrund der Regularien hatten wir eigentlich keine Chance, etwas zu ändern. Unsere Hoffnung, in Frankfurt etwas zu erreichen, lag bei einem Prozent", erklärte Kirmse, der auch Fehler des MSV Duisburg im Lizenzierungsverfahren einräumte. "Wir haben als MSV an dieser Stelle nicht gut gearbeitet", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Während es Kirmse als seine Pflicht betrachtete, "als Vorsitzender Verantwortung für das Geschehen zu übernehmen, auch wenn ich erst 120 Tage im Amt bin", und der jetzige Vorstand die Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit zu tragen habe, zog Jürgen Marbach auf der Suche nach einem Schuldigen weitere Kreise: "Es ist doch klar, dass nicht alles rund gelaufen ist, und dafür muss es Schuldige geben." Der gebürtige Duisburger kam damit auf den gefeuerten Geschäftsführer Roland Kentsch zu sprechen, gegen den Regressansprüche geprüft werden sollen. "Ob das auch ein juristischer Straftatbestand ist, müssen wir prüfen", erklärte Marbach. Fehler wie in der Vergangenheit, als die Duisburger die Lizenzunterlagen wenige Minuten vor dem Ende der Frist bei der DFL eingereicht hatten, will das neue Führungstrio nicht mehr begehen. "Wir arbeiten nach dem Salamiprinzip", erklärte Geschäftsführer Björn Scheferling. Scheibchen für Scheibchen unterrichtet der MSV den DFB über wirtschaftliche Fortschritte.

(RP/ac)
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