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MSV Duisburg: Die Zukunft des MSV ist nur gestundet

MSV Duisburg : Die Zukunft des MSV ist nur gestundet

Im zweiten Teil unserer kleinen Serie, die auf die häufig gestellten Fragen zum MSV Duisburg und seiner wirtschaftlichen Lage eingeht, schauen wir heute ein wenig mehr in die Zukunft: Wie kann es weitergehen und besteht Hoffnung, dass es überhaupt weitergeht? Zunächst wird aber noch ein Blick erneut auf das Thema Arena geworfen.

Wer kümmert sich, dass die Kosten für das Stadion dauerhaft sinken? Erst einmal ist es Sache der Zebra-Geschäftsführung, das auf den Weg zu bringen. Dann will auch das Land vermitteln. Und nicht zuletzt dürften auch die Eigentümer ein Interesse haben, die Stadionfrage zu regeln. Schließlich geht es auch und nicht zuletzt um ihr Geld. Dabei gilt eben: Die Projektgesellschaft, an der auch Walter Hellmich sowie die ehemalige Gebag beteiligt sind, entscheidet, ob sie verkaufen will und zu welchem Preis. Ihr gehört die Arena. Ohne sie geht aus bestem Grund nichts. In den kommenden Tagen treffen sich die Projektgesellschafter erneut. Bis Ende des Monats will der MSV-Vorstand einen Lösungsweg vorzeichnen. Auch dieses Datum stammt aus den Tagen, als man die Voraussetzungen für die Lizenzerteilung schuf.

Und was hat das alles mit der Fan-Anleihe zu tun? Fünf Millionen will der MSV bis zum Jahresende damit hereinholen. 300 000 Euro hat man inzwischen. Gezeichnet vor allem durch Kleinanleger. Richtig Geld kommt aber erst rein, wenn gewinnorientierte Anleger auf die Verzinsung von fünf Prozent anspringen. Das tun sie aber nicht, solange der Schuldenschnitt nicht abgeschlossen und die Stadionfrage offen ist. Denn sonst drohen neue Finanzprobleme im Sommer 2014 und damit der Verlust der Einlage. Die Liste der Risiken umfasst im Prospekt dem Vernehmen nach 40 Seiten.

Wofür ist das Geld aus der Anleihe? Der Vorstand sagt: Nicht fürs laufende Geschäft. Vielmehr will man einen Kredit von Schauinsland-Reisen abbezahlen, der die Lizenzierung zur aktuellen Saison erst möglich machte. Dann will man das Nachwuchsleistungszentrum ausbauen. Bleibt noch was übrig, könnte dies als Eigenkapital für den Stadionkauf verwandt werden. Die Anleihe lässt sich noch bis 31. Dezember zeichnen. Zur Not will der MSV den Termin verlängern.

Muss der MSV aufsteigen? In dieser Saison hoffentlich nicht. Im nächsten Jahr wächst der Druck. Liga drei ist wirtschaftlich nicht dauerhaft sinnvoll zu betreiben. Es fehlt an Großsponsoren und Fernsehgeldern. Vor allem, wenn man Schulden hat und ein teures Stadion. Der sportliche Erfolg ist mittelfristig eine Voraussetzung für eine nachhaltige Sanierung.

Wie hängt nun alles zusammen? Mit Blick auf kommende Zeiten besteht ernster Handlungsbedarf. In der Reihenfolge: Ohne den Schuldenschnitt wird es eng mit der Lizenz für 2014/2015. Der Erfolg der Fan-Anleihe ist damit ebenfalls verknüpft. Und die notwendige Handlungsfreiheit, über eine Lösung für das Stadion zu verhandeln. Mit anderen Worten: Die Zukunft des MSV ist nur gestundet.

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Warum sind alle diese Probleme noch nicht gelöst? Dem aktuellen Vorstand und dem Aufsichtsrat der Gesellschaft muss man zugutehalten: Nach dem Zwangsabstieg war unglaublich wenig Zeit, die Lizenz zu gewinnen. Es galt eine Summe von 16 Millionen Euro abzudecken, wie es heißt. Und die Probleme waren schon damals so komplex wie jetzt. Da hat man Zwischenlösungen gesucht. Erstens, um überhaupt mitspielen zu dürfen und zweitens, um Zeit für finale Entscheidungen zu gewinnen. Die Alternative war: Deckel drauf oder wursteln. Denn hier sind längst noch nicht alle Schwierigkeiten beschrieben. Mit dem Caterer hatte man Diskussionen. Mit dem Finanzamt muss man sprechen. Und so weiter. Bevor man also die Kasperklatsche rausholt: Es gibt Menschen, die haben schon bei weniger komplexen Herausforderungen Fehler gemacht. Die Verantwortlichen haben es nicht leicht. Nur Masochisten wollen mit ihnen dringend tauschen.

Was braucht es jetzt? Menschen mit kühlem Kopf und wirtschaftlichem Sachverstand. Nur Leidenschaft konnte die Chance auf Rettung eröffnen. Jetzt aber zählt nüchterne Klugheit. Dann braucht es Einigkeit bei allen Beteiligten, dazu gehören auch Stadt und Land. Unterstützung durch die Fans ist ebenfalls gefragt, damit man auch ahnt, wozu die Anstrengung unternommen wird. Sportlicher Erfolg wäre hilfreich, weil sich Tore irgendwann in Euro umrechnen. Jede Menge guten Willen und einen satten Schuss Glück.

Wie ist der Wasserstand? Der MSV-Vorstand will das Thema Schuldenschnitt innerhalb der nächsten zehn Tage vom Tisch haben. Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Marbach hieß es, dass man auf einem guten Weg und "die Kuh Ende der Woche vom Eis" sei. Das gilt auch für die Gespräche mit Walter Hellmich. Glauben will und kann man das aber erst, wenn die Tinte unter den schriftlichen Vereinbarungen trocken ist.

(kew)