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MSV Duisburg: Die wichtigsten Fragen zum MSV Duisburg

MSV Duisburg : Die wichtigsten Fragen zum MSV Duisburg

Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Lizenzverweigerung für den Zweitligisten.

Wo immer man dieser Tage in Duisburg ist — Nur ein Thema wird diskutiert: Die Lizenzverweigerung des MSV. Dabei tauchen stets die gleichen Fragen auf. Hier wichtige Antworten nach derzeitigem Stand der Erkenntnis.

Wer trägt die Schuld an der Misere des MSV?

Die Schuldfrage muss man teilen. Zunächst einmal: Das teure Stadion, gebaut von Walter Hellmich, mit einer jährlichen Miete von rund 5 Millionen Euro konnte sich der MSV als Zweitligist nicht leisten. Das strukturelle Defizit belief sich nach Aussagen des ehemaligen Vorsitzenden Dieter Steffen auf zwei Millionen Euro pro Jahr. Weil das Geld für Steine ausgegeben werden musste, fehlte es bei der Investition in Beine. Die Mannschaft rutschte sportlich ab. Dadurch verringerten sich die Einnahmen aus den Fernsehgeldern, mit dem ausbleibenden Erfolg kamen weniger Zuschauer, zudem blieben zusätzliche Sponsoren aus. So stand man bereits im Winter 2012 vor der Insolvenz und musste bei der Lizenzierung zur neuen Saison Kraftakte stemmen. Die Gefahr fehlender Liquidität bestand auch da noch.

Wer aber war es denn nun konkret?

Da kann man es sich einfach machen: Dr. Gerd Götz lobte Geschäftsführer Roland Kentsch jüngst noch öffentlich für seine gute Arbeit bei der Lizenzierung. Die DFL konnte sich diesem Lob nicht anschließen, sondern entdeckte erhebliche Mängel. Deshalb gilt im Umkehrschluss: Wer das Lob aussprach, konnte offenbar die Qualität der Arbeit nicht richtig einschätzen. Wer es annahm, muss nun auch mit der Kritik an seinen Bemühungen leben. Weitere Akteure im Stück: Walter Hellmich, der seine Nachfolger wüst beschimpfte, aber offenbar mit seinen Kreditbedingungen zum Unheil beitrug. Der Vorstand des Vereins und der Aufsichtsrat des Klubs, die sich nicht in aller Konsequenz gegen Kentsch durchsetzen konnten. Und dann: Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young sowie KPMG, die die Mangelware zertifizierten.

Was lief schief bei der Lizenzierung?

Nach derzeitigem Wissensstand wurde zunächst ein Kredit zweier städtischer Töchter über etwa 360 000 Euro falsch oder irrtümlich in die Unterlagen eingerechnet. Darüber hinaus soll Walter Hellmich eine Kreditverlängerung, den sogenannten Lückenschluss, an Bedingungen geknüpft haben. Die Rede ist von zwei Aufsichtsratsposten, die er besetzen kann, sowie ein Vetorecht bei der Auswahl des Geschäftsführers. Die DFL wollte aber diese Bedingungen dem Vernehmen nach nicht akzeptieren.

Der MSV schrieb in einer Pressemitteilung: "Falsch ist die jetzt erfolgte Darstellung, dass der Lizenzierungsausschuss ein Darlehen von Herrn Hellmich in Höhe von 600 000 Euro nicht akzeptiert habe." Um welches Darlehen bei welcher Lizenzierung es sich handelt, sagt der Text nicht, ebenso wenig, ob lediglich die Höhe des Kredits eine andere war. Und auch nicht, ob das Darlehen akzeptiert wurde, aber mögliche Bedingungen verneint wurden. Ob weitere Pannen passierten, wird sich noch zeigen.

Gab es keine Alternativen?

Doch, die gab es. Schauinslandreisen, als Namensgeber der Arena und einer der größten Sponsoren des MSV Duisburg wollte einen Schuldenschnitt herbeiführen und dafür Hellmich, aber auch der Hövelmann-Gruppe ihre Stadionanteile abkaufen. Das wollte die Geschäftsleitung offenbar nicht. So verhandelte man mit dem Sportrechte-Vermarkter Sportfive. Die Unterlagen wurden dann zehn Minuten vor Fristablauf gemailt.

Wie geht es weiter?

Der MSV hat sich den renommierten Frankfurter Anwalt Horst Kletke genommen, der nun innerhalb einer Woche (seit Mittwoch) Widerspruch gegen den Entscheid der DFL beim Schiedsgericht einlegen kann. Dann kann die DFL Stellung nehmen und danach kommt es zur finalen Verhandlung. Ein Widerspruch gegen diese Entscheidung ist nicht möglich. Um den 20. Juni herum sollte Klarheit herrschen.

Wie stehen die Chancen?

Die DFL lässt wissen: Da ist wenig zu machen für den MSV. Das muss sie, denn sonst hätte man ja auch die Lizenz erteilen können. Anwalt Kletke spricht von einer Chance, die man wahrnehmen will. Das muss er, sonst müsste er den Widerspruch gar nicht erst formulieren. Der Rechtsbeistand des MSV zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa im Ringen um die Lizenz "weder pessimistisch noch optimistisch". Zu den Chancen, doch noch die Spielerlaubnis zu bekommen, sagte er: "Ich kann nicht hellsehen."

Kann man nicht nachbessern?

Nein. Es zählen die vorgelegten Unterlagen zum Termin 23. Mai. Auch ein erneutes Sponsorenangebot käme zu spät. Die Frage ist nur, ob die Interpretation der DFL stichhaltig ist oder ob man die Fakten nicht auch anders — im Sinne des MSV deuten — kann. Zuletzt tauchte im Zusammenhang mit der Fehlbuchung von 364 000 Euro die Vermutung auf, dass sich im Testat der von der DFL beauftragten Wirtschaftsprüfer ein Fehler eingeschlichen haben soll.

Bringen die Solidaritätsbekundungen etwas?

Wenn beim Heben oder Senken der Waage 100 Gramm eine Rolle spielen, dann können Tradition und Leidenschaft für den Verein noch einmal leicht ins Gewicht fallen. Grundsätzlich aber geht es um Fakten.

Wo spielt der MSV, wenn alles schief läuft?

Die Regeln sehen einen Abstieg in die 3. Liga vor. Auch dafür braucht es aber eine Lizenz, die man innerhalb von zwei Wochen beantragen muss. Kann der MSV sein Stadion-Problem nicht lösen, sollte dies schwierig werden. Dann hält der Fahrstuhl entweder in der vierten oder fünften Liga.

Was passiert im Ernstfall?

In der Reihenfolge: Keine Lizenz und keine dritte Liga, dann steht die MSV Duisburg Spielbetriebsgesellschaft vor der Insolvenz. Im Nachgang ist die Stadion-Gesellschaft betroffen, denn sie bezieht ihre Einnahmen zur Tilgung der Schulden vom MSV. Auch der Verein hat ein Problem, denn er bezieht etwa 300 000 Euro jährlich von der Spielbetriebsgesellschaft. Unter anderem werden davon die Schulden für Investitionen in die Platzanlage in Meiderich bezahlt.

Und das Stadion?

Kommt in eine mögliche Insolvenzmasse. Die Stadt Duisburg wird dann gefragt, denn auf ihrem Erbpacht-Grundstück steht ein Stadion ohne Kicker. Sie muss die Offerte aber nicht annehmen. Denn zum einen möchte ein möglicher Insolvenzverwalter Geld für die Aufbauten auf dem Grundstück. Zum anderen kostet auch eine nicht genutzte Immobilie jedes Jahr mehrere Hunderttausend an Unterhaltskosten. Zudem wird der Regierungspräsident fragen, was eine Stadt ohne Geld mit einem Stadion ohne Verein will. Womöglich wird die Arena zwangsversteigert. Und der Verein? Der MSV Duisburg könnte mit Hilfe von Sponsoren und Gönnern am Leben bleiben und einen neuen Anfang, wenn auch unterklassig angehen.

Und die Spieler sowie der Trainer?

Die Verträge der Profis gelten für Liga zwei. Muss der MSV absteigen, können und werden alle Spieler ablösefrei gehen. Der eine oder andere Spieler sowie Trainer und Manager haben signalisiert, dass sie in die Dritte Liga mitgehen würden.

Und die Angestellten des MSV?

Die meisten der rund 50 festangestellten Mitarbeiter werden wohl arbeitslos. Und wenn die Geschichte gut ausgeht? Dann spielt der MSV in der 2. Liga. Damit sind aber keineswegs alle Probleme gelöst. Die tiefen Gräben zwischen den Verantwortlichen bleiben ebenso wie die Schuldenlast durch das Stadion. Zahlreiche Kredite sind auch nur gestundet. Irgendwann wollen die Gläubiger das Geld sehen. Walter Hellmich ist bei den Fans unten durch, Roland Kentsch ebenfalls. Bernard Dietz hat es bereits angedeutet: Es muss sich etwas ändern — so oder so.

(kew)