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Duisburg: Die Folgen des MSV-Dramas

Duisburg : Die Folgen des MSV-Dramas

Durch die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga und dem damit drohenden Zwangsabstieg des MSV Duisburg ist einen Prozess in Gang gesetzt worden an deren Ende nur Verlierer stehen: Verein, Stadt, Land und die Fans.

Der drohende Zwangsabstieg des MSV Duisburg ist auch am dritten Tag nach der Nachricht aus Frankfurt das Gesprächsthema in der Stadt. Der Schock ist noch nicht verdaut, die Wut nicht verraucht. Und ganz klein glimmt die Hoffnung, dass es beim Gang vor das Ständige Schiedsgericht am Ende doch reichen könnte. Allein: Die Realität sieht anders aus.

Denn die Chancen auf eine Rücknahme der DFL-Entscheidung stehen schlecht. Der Lizenzierungsausschuss hat die Wirtschaftlichkeit des MSV zum Stichtag geprüft und einstimmig gegen eine Lizenz für die Zweite Liga entschieden. Experten sind überzeugt, dass das Schiedsgericht der Argumentation der DFL folgen wird. Für den MSV wäre dies gleichbedeutend mit dem Abstieg in den Amateurfußball, für die Stadt mit einem Imageverlust.

"Die Stadt würde eines ihrer wichtigsten Aushängeschilder verlieren.", sagt Uwe Gerste, Leiter des Duisburger Stadtmarketings. Bei einer bundesweiten Umfrage gaben immerhin rund zehn Prozent der Befragten an, Duisburg vor allem mit dem MSV und Fußball zu verbinden. Einen besseren Wert hat nur der Hafen und die räumliche Verortung ins "Ruhrgebiet". Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt sei deshalb immens — unabhängig von den Verflechtungen städtischer Tochtergesellschaften mit dem maroden Klub. "Sollte der MSV keinen Profifußball mehr anbieten, wird sich das im Tourismus und bei den direkt mit Verein verbundenen Mittelständlern bemerkbar machen", sagt Gerste, "etwa bei Caterern und Security-Unternehmen".

Die Duisburger Industrie- und Handelskammer (IHK) nimmt die aktuelle Entwicklung beim MSV deshalb mit Sorge zur Kenntnis. Allerdings sei das Fehlen eines Profi-Fußballklubs für Unternehmer kein Faktor bei der Standortfrage. "Auch wenn dem MSV die Lizenz zu wünschen wäre — Unternehmer treffen ihre Standortentscheidungen auf Basis wirtschaftlicher Faktoren. Sportliche Erwägungen spielen dabei eine untergeordnete Rolle", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, Mathias Wulfert.

Anders sieht es bei den städtischen Unternehmen aus: Stadtwerke und Wirtschaftsbetriebe müssten im Fall des Zwangsabstiegs ihre Kredite endgültig abschreiben. Im finalen und letztlich gescheiterten Rettungspaket hatten beide Unternehmen dem MSV zuletzt noch einmal 1,4 Millionen Euro aus Tilgungszahlungen gestundet. Die Stadionprojektgesellschaft würde ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Denn bei einem Neustart in der vierten oder fünften Liga wäre die Arena für den MSV noch weniger zu finanzieren als bisher. Bleibt die Stadionmiete aus, kann die Besitzgesellschaft die noch offenen Kredite aus dem Stadionbau bei der HSH Nordbank nicht bedienen. Damit droht die Insolvenz und der beteiligte Duisburger Bauverwaltung (DBV) der Verlust von 2,5 Millionen Euro.

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Weil das Land NRW zudem mit 80 Prozent für offene Kredite aus dem Stadionbau für den MSV Duisburg bürgt, könnte sich der Verlust von Steuergeldern auf rund 15 Millionen Euro summieren. Erfahrungswerte gibt es bereits: Alemannia Aachen hat im November die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragte, jetzt muss das Land womöglich für seine 23-Millionen Euro-Bürgschaft eintreten.

Das Beispiel Aachen ist auch in emotionaler Hinsicht mit dem Fall des MSV Duisburg vergleichbar. Der Traditionsverein Alemannia startet zur kommenden Spielzeit in der Regionalliga, die Zeiten des Profifussballs sind auf Sicht vorbei. "Die Auswirkungen sind in der Stadt überall spürbar. Die Mischung aus Trauer und Wut bestimmt viele Gespräche", sagt Aachens Stadtsprecher Hans Poth. Der Stolz der ganzen Stadt sei getroffen: "Allerdings haben wir Aushängeschilder, die weiter glänzen und nach innen wirken: den Karlspreis, den Dom, das Reitturnier CHIO. Dies unterscheidet uns von anderen Städten."

Hier geht es zur Infostrecke: Lizenzentzug für den MSV Duisburg: Reaktionen

(RP/rl/ac/anch)