MSV Duisburg Der personelle Aderlass setzt ein

Duisburg · Am Trainingszentrum des MSV Duisburg herrschte am Mittwoch beschauliche Ruhe. Während sich die Fans vor der Schauinsland-Reisen-Arena versammelten, erfuhr die Mannschaft in Meiderich geschlossen von der schlechten Kunde aus Frankfurt. Nach und nach verließen die Spieler am Abend die Katakomben des Trainingszentrums.

MSV Duisburg: Der personelle Aderlass setzt ein
Foto: Ralf Hohl

Ranisav Jovanovic, Kevin Wolze, Dustin Bomheuer und Co. war die Schockstarre, die in Folge des endgültigen Zweitligaentzugs einsetzte, förmlich anzumerken. "Ich bin fassungslos. Wir haben auch als Spieler wochenlang gehofft. Man braucht jetzt ein paar Tage, um diese Nachricht zu verkraften. Es ist traurig, dass so ein großer Verein am Boden liegt. Ich hoffe, dass er wieder aufsteht", rang Jovanovic um Worte. Den Worten des Stürmers war die auch Enttäuschung über die Fehler, die in der Führungsetage des Vereins gemacht wurden, zu entnehmen: "Wir Spieler konnten nur Fußball spielen. Es war nicht unser Job, die Lizenzunterlagen einzureichen. Wenn ich dazu etwas hätte beitragen können, hätte ich das gemacht. Jetzt müssen andere Leute in den Spiegel schauen und sich fragen, ob sie in der Vergangenheit wirklich das Richtige gemacht haben." Dustin Bomheuer war mitgenommen: "Ich hatte bis zum Schluss Hoffnung. Man kann das noch nicht realisieren. Das ist wie eine Depression." Kevin Wolze sprach von einer "Scheiß-Situation".

MSV Duisburg: Der personelle Aderlass setzt ein
Foto: Hohl, Ralf (hohl)

Für den MSV, der bereits die Lizenz-Unterlagen für die 3. Liga eingereicht hat und für den Verbleib im Profifußball kämpft, geht es nun darum, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Die personellen Würfel dürften in in den kommenden Tagen schnell fallen, auch wenn Ivo Grlic warnt: "Wir müssen erst einmal die Lizenz für die 3. Liga bekommen, bevor wir über weiteres sprechen." Dennoch stellt sich für Spieler und Trainerteam die Frage, wie es weitergeht. Die Verantwortlichen des Vereins führten bereits Gespräche mit den Spielern. Zumindest ein Teil der Mannschaft schließt einen Verbleib in Duisburg nicht aus. "Ich schließe es nicht aus, mit dem MSV in die Dritte Liga zu gehen. Ich bin schon zweimal aus der Dritten in die Zweite Liga aufgestiegen und kann mir vorstellen, es ein drittes Mal zu schaffen. Viele Jungs sind bereit hier zu bleiben. Aber dafür müssen viele Faktoren stimmen", ist für Jovanovic vor allem ein Verbleib des Trainerteams entscheidend. Ähnlich sieht es Kevin Wolze: "In den nächsten Tagen wird sich vieles herauskristallisieren. Wir alle sind dem Verein verpflichtet." Torhüter Marcel Lenz will bleiben.

MSV Duisburg: Der personelle Aderlass setzt ein
Foto: Hans-Ulrich Kreß

Coach Kosta Runjaic wollte sich zu seiner Zukunft gestern nicht äußern: "Das Horror-Szenario ist eingetreten. Wir fühlen uns leer. Es ist jetzt noch nicht der Tag, um über die Zukunft zu reden." Der Vorstandsvorsitzende Udo Kirmse sagte zu den Fans: "Ich kann nicht versprechen, dass das Trainerteam bleibt. Aber der Trainer wird nicht gehen, bevor wir alles bis zum Ende diskutiert haben."

Fest steht, dass einige Spieler den MSV in windeseile verlassen werden. Dazu dürfte Dustin Bomheuer gehören: "Ich wäre gerne geblieben. Das ist jetzt aber unwahrscheinlich." Auch Felix Wiedwald ist vielumworben und steht vor dem Absprung. Goran Sukalo wird einen Gang in die Dritte Liga wohl ebenso wenig mitgehen. Der "Sechser" wird dem Vernehmen nach zum Bundesligaabsteiger Greuther Fürth wechseln. Überdies dürften auch Maurice Exslager und Timo Perthel die Zebras verlassen. Fortuna Düsseldorf und Union Berlin sind wohl interessiert. Ein Verbleib von Verteidiger Branimir Bajic scheint ebenso fraglich.

(tiwi)
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