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MSV Duisburg: Der MSV Duisburg kratzt mühsam Geld zusammen

MSV Duisburg : Der MSV Duisburg kratzt mühsam Geld zusammen

Nur wenn ein Schuldenschnitt gelingt, hat der Profifußball in Duisburg eine Zukunft. Benefizspiele allein reichen nicht aus.

Am Samstag empfängt der MSV Duisburg in der 3. Fußball-Liga RB Leipzig — zwei Welten treffen aufeinander: Der 1902 gegründete und nun hoch verschuldete Traditionsverein als Gastgeber des vor vier Jahren ins Leben gerufenen Emporkömmlings mit dem Vermögen eines "Brause-Herstellers" im Rücken. Einen millionenschweren Geldgeber könnte der MSV, dessen Schuldenberg von mehr als zehn Millionen bis 30. Juni nur gestundet ist, natürlich auch gut gebrauchen. Ein Konstrukt wie das aus Leipzig, das massive Eingriffe des österreichischen Getränkeherstellers in die Vereinsstruktur mit sich brachte, wäre aber wohl in Duisburg nicht zu realisieren, weil sich die Anhänger des Traditionsverein wehren würden. Der MSV braucht andere Lösungen.

So gab der Verein eine Fan-Anleihe heraus, die ihm fünf Millionen Euro bringen sollte — bislang sind es erst rund 500 000 Euro. Es folgte am 1. Januar die Aufnahme der Bundesligafrauen des FCR Duisburg. Davon verspricht sich der MSV "Synergie-Effekte" bei der Sponsorensuche, die dauert aber an. Der letzte neue Sponsor wurde Ende Oktober vorgestellt: ein Club-Urlaub-Anbieter, dessen Inhaber Jürgen Marbach ist — der Aufsichtsratsvorsitzende des MSV. Wirklich neue Geldgeber hat der Klub also nicht bekommen. Und: Wer will einen Verein sponsern, der derart hoch verschuldet ist und der seit Monaten über einen Schuldenschnitt verhandelt, bei dem die Gläubiger auf bis zu 80 Prozent ihres ausstehenden Geldes verzichten sollen? Es gibt sinnvollere Kapitalanlagen.

Der Schuldenschnitt ist die eine zentrale Frage, die der MSV lösen muss, will er die nächste Lizenzierungsrunde durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am 1. März bestehen, die andere ist die Stadionfrage. Die Miete von jährlich fünf Millionen Euro kann der Klub nicht zahlen, zudem lasten auf dem Stadion hohe Schulden. Der MSV will das Stadion wohl mit Hilfe eines Partners kaufen. Das erste Angebot lehnten die Stadionprojektgesellschafter ab — es soll nach Informationen unserer Zeitung bei 5,5 Millionen Euro gelegen haben und in der Darstellung gerade einmal eine DIN-A4-Seite gefüllt haben. Beides sprach die Gesellschafter nicht an.

Die Verhandlungen gestalten sich zäh, da es so viele Gesprächspartner gibt, unter anderem müssen Ex-Präsident Walter Hellmich, die Bodenseebank IBB und das Land NRW, das als Bürge des MSV fungiert, immer wieder bei neuen Vorschlägen ins Boot geholt werden. Klub-Präsident Udo Kirmse sagte Anfang Januar: "Allen ist bewusst, dass es eine Lösung geben muss und dass das nicht mehr lange dauern kann. Vielleicht einen Monat, vielleicht anderthalb, vielleicht acht Wochen." Inzwischen schweigen alle Beteiligten.

Zumindest einen Geldsegen gab es: Das Benefizspiel von Borussia Dortmund spülte knapp 300 000 Euro in die Kasse, da der Bundesligist auf eine Antrittsprämie verzichtete und 24 355 Zuschauer kamen. "Das ist gerade eine etwas härtere Zeit für den MSV", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. "Da muss man mal durch. Es wird genug Hilfe geben." Weitere Partien dieser Art soll es in dieser Saison gegen Schalke 04 und Bayern München geben — die Zusagen liegen vor, und die erwarteten Einnahmen von rund einer Million Euro aus den drei Benefizspielen hat der Klub beim DFB angemeldet. "Das sind Einnahmen, die wir dringend brauchen", sagte Marbach. Die allein werden den Profi-Fußball in Duisburg nicht retten. Schuldenschnitt und Stadionfrage bleiben die zentralen Punkte.

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(ame)