MSV Duisburg: Der Mittelpunkt einer intakten Familie

MSV Duisburg: Der Mittelpunkt einer intakten Familie

Der Mann war ein ganzes Jahrzehnt Präsident des MSV, gehörte insgesamt 16 Jahre unter anderem als "Vize" dem Präsidium damals unter der Regie von Wilhelm Tiefenbach an, war für zwei Perioden, also sechs Jahre, Mitglied des Vorstands des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) - "und das als Vertreter einer grauen Maus", wie Paul Märzheuser mit einer Portion Stolz damals bemerkte. In der Nacht zu Sonntag ist Paul Märzheuser wie gestern berichtet, gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.

Die Großfamilie trägt Trauer. Die ihn bis zuletzt hingebungsvoll pflegende Gattin Monika, die "wohl geratenen Töchter" (der Vater im Gespräch mit dem Chronisten einen Tag vor seinem 80. Geburtstag über die beiden Mädchen), die eine Anwältin in einer englischen Praxis, die andere Fachärztin für Kinderchirurgie in Berlin, die fünf Enkel, die vielen Freunde.

Paul Märzheuser, der es früher so meisterhaft verstand, mit den Medien umzugehen, der es als gewiefter Rechtsanwalt konnte, geschliffene Reden zu halten und die Zuhörer für sich einzunehmen, war der Mittelpunkt einer intakten Familie. Dass er manchmal, den MSV betreffend, im guten Sinn flunkerte, trug ihm den Spitznamen "Lügen-Paul" ein. Aber den hat Paul Märzheuser mit Würde getragen.

Als er 70 wurde, hat ihn der damalige und später viel zu früh gestorbene Präsident Dieter Fischdick besucht und ein Lob ausgesprochen, das Gewicht hatte, weil es von Fischdick kam: "In Ihrer Zeit als Chef hatte der MSV den größten sportlichen Erfolg." Wohl wahr. Zwei Mal fanden die Zebras in der Ära Märzheuser Eingang ins europäische Ball-Geschäft. Das war 1975 als unterlegener Pokalfinalist von Hannover (0:1 gegen Eintracht Frankfurt) und das war drei Jahre später, als es der Mannschaft gelang, den sechsten Tabellenplatz in der Eliteklasse zu belegen.

Die folgenden UEFA-Cup-Spiele seinerzeit sind den alten MSV-Freunden in guter Erinnerung. Das 3:0 nach Verlängerung beispielsweise gegen den FC Carl Zeiss Jena mit einem gewissen Hans Meyer als Trainer war ein Highlight der besonderen Art im randvollen Wedaustadion. Bis ins Halbfinale stieß der MSV damals vor und scheiterte erst an Günter Netzers Gladbacher Borussia (2:2 und 2:4).

Das waren für Paul Märzheuser schöne Erinnerungen. Nicht ganz so positive verband der Jurist an die permanenten Geldsorgen, die der Verein zu seiner Zeit im Amt des Präsidenten damals hatte. Wenn es in die Sommerpause ohne Einnahmen ging, war für Märzheuser und seine Mitstreiter die Frage der Spieler-Bezahlung immer ein Problem.

Verkäufe von Stars waren die logische Konsequenz, damit finanzielle Löcher gestopft werden konnten. Einer blieb lange treu, bevor er nach dem Bundesliga-Abstieg doch zu Schalke 04 wechselte und dort noch jahrelang kickte: Bernard Dietz. Als Paul Märzheuser in sein letztes Jahr als Präsident ging, feierte Dietz seinen größten Erfolg: Europameister!

In den vergangenen Jahren schaute Paul Märzheuser nur noch sporadisch in der neuen guten MSV-Stube vorbei. Er stellte mit Überzeugung fest: "Mit der neuen Arena ist etwas Großes entstanden, was Walter Hellmich da geschaffen hat, ist einmalig." Beim letzten Heimspiel der Zebras im alten Jahr, gegen den SC Paderborn, war Paul Märzheuser ein letztes Mal Zeuge eines MSV-Spiels. Die Beerdigung findet am Freitag auf dem Friedhof in Meiderich statt.

(RP)
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