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MSV Duisburg: Bernard Dietz: "Zeig Streifen! Jetzt!"

MSV Duisburg : Bernard Dietz: "Zeig Streifen! Jetzt!"

Der Schock nach dem Lizenzentzug durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sitzt tief beim MSV Duisburg. Die Fans randalierten vor dem Stadion, die Verantwortlichen sind ratlos, die Zukunft sieht alles andere als rosig auf. MSV-Legende Bernard "Ennatz" Dietz fordert die Fans jetzt auf, für den Verein zu kämpfen.

"Zeig Streifen! Jetzt!" — unter dieser Überschrift hat sich Ennatz Dietz auf der offiziellen Facebook-Seite des MSV Duisburg an die Fans gewandt und fordert die Anhänger auf, den Glauben an die Rettung nicht zu verlieren und den Verein weiterhin bedingungslos zu unterstützen.

"Liebe MSV-Fans, die Entscheidung der Liga hat mich, hat uns alle gestern schockiert, und schockiert haben auch die Bilder vom Mittwochabend an der Arena. Verdammt noch mal, zeigt doch jetzt nicht, was ihr nicht wollt, zeigt jetzt, was wir wollen! Wo sind die unglaublichen 20 Minuten von Berlin? Diese vielen Momente in unseren 111 Jahren, in denen wir für Begeisterung gesorgt haben?", beginnt Dietz seine Forderungen bei Facebook.

Und dann wird er emotional: "Steht jetzt auf für unseren MSV, nutzt die Chance, die wir noch haben, für die wir gemeinsam alles geben wollen! Hängt eure Fahnen aus den Fenstern, hängt eure MSV-Schals aus den Autos! Zeigt euch und uns, zeigt der Liga und der Stadt und ganz Fußball-Deutschland, dass unser MSV im Profifußball bleiben muss! Wir Zebras geben nicht auf!!!! Zeigt Streifen! Jetzt! Euer Ennatz"

Nach einem angeblich dilettantischen Bilanzierungsfehler bei der Einreichung der nachgebesserten Lizenzunterlagen haben die "Zebras" ihr Schicksal jedoch nicht mehr selbst in der Hand: Beim noch möglichen Gang des Klubs vor das ständige Schiedsgericht kommen lediglich Gründe für die Entscheidung des Lizenzierungsausschusses auf den Prüfstand — und keine neuen Fakten mehr.

"Das ist ein Schock, eine Katastrophe", hatte kommentierte Dietz die Hiobsbotschaft der DFL am Mittwoch kommentiert. Für Deutschlands erst kürzlich in den Vereinsvorstand berufenen Europameister-Kapitän von 1980 kam die Ablehnung der vorgelegten MSV-Pläne zur Schließung der Finanzierungslücke von 2,5 bis 3 Millionen völlig unerwartet: "Wir hatten vergangene Woche fest damit gerechnet, dass die eingereichten Unterlagen die Bedingungen erfüllen. Das Geld war schließlich da."

Die DFL-Prüfer dagegen sahen einstimmig den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zur neuen Saison nicht erbracht. Dem Vernehmen nach soll ein Darlehen zur Rettung über rund 360.000 Euro in den Unterlagen, die Geschäftsführer Roland Kentsch eigenen Angaben zufolge erst zehn Minuten vor Fristablauf zur DFL gesendet hatte, doppelt aufgeführt gewesen sein. Ein Klubsprecher verwies allerdings auch "auf Informationen, dass wir die Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht hätten".

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Absturz in die Regionalliga droht

Offiziell reagierte der Verein, der laut Kentsch für den Fall des Absturzes in die viertklassige Regionalliga sogar die Insolvenz fürchten muss, mit Unverständnis: "Der MSV Duisburg ist weiter der festen Überzeugung, die Bedingungen und Auflagen erfüllt zu haben", hieß es in einer Erklärung. Sollte das Schiedsgericht die erste Lizenzverweigerung im deutschen Profi-Fußball seit 13 Jahren (Tennis Borussia Berlin 2000) besiegeln, würde der sportliche Absteiger SV Sandhausen im Unterhaus bleiben.

Für die eingefleischtesten MSV-Anhänger ein unerträgliches Szenario: Wegen Ausschreitungen am Stadion bei spontanen Protesten am Mittwoch von etwa 600 Anhängern, die besonders Kentsch sowie den Mäzen und Ex-Präsidenten Walter Hellmich mit Sprechchören attackierten, musste die Polizei mit einem Großaufgebot anrücken und sogar Verstärkung aus dem Umland anfordern. Die Hooligans drangen gewaltsam in die Arena ein, richteten Sachschäden an und brannten Pyrotechnik ab. Bei der Räumung des Stadions brachen "Handgreiflichkeiten" aus.

Am Donnerstag stellten sich die Verantwortlichen des MSV den Fans, die diesmal friedlich vor der Schauinsland-Arena protestierten. Allerdings dauerte es nicht einmal zehn Minuten, bis die Vorstandsmitglieder um den Vorsitzenden Udo Kirmse und den Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Markus Räuber, wieder hinter den Türen der Arena verschwanden. In dieser Zeit betonte der Vorstand gleich mehrfach, dass jeder im Verein von der Nichtlizensierung schockiert sei, man aber gleichwohl alles dafür tun werde, die Lizenz für die kommende Zweitligasaison über das Schiedsgericht doch noch zu erhalten. Hellmich und Kentsch ließen sich bei den Fans nicht blicken.

Hier geht es zur Bilderstrecke: MSV-Fans protestieren – Vorstand spricht

(sid/seeg/csi/sgo)