2. Bundesliga: Torsten Lieberknecht gibt dem MSV Duisburg Hoffnung

Sieg beim Tabellenführer 1. FC Köln : Torsten Lieberknecht gibt dem MSV Duisburg Hoffnung

Der MSV Duisburg hat beim 1. FC Köln überraschend den ersten Sieg (2:1) in dieser Saison gefeiert. Nicht zuletzt wegen der neugewonnen Variabilität, die der neue Trainer Torsten Lieberknecht den Zebras innerhalb einer Woche implantiert hat.

Lange 90 Minuten mussten sie Häme über sich ergehen lassen - doch am Ende jubelten sie ausgelassen. Die Last fiel von ihnen ab. Die Bürde seit acht Spielen auf einen Sieg zu warten. „Wir steigen auf und ihr steigt ab“ oder „Gegen Duisburg kann man mal verlieren“, skandierten die Fans des MSV Duisburg nach Abpfiff. Den Humor haben die Meidericher Anhänger augenscheinlich auch in der Krisenzeit nicht verloren. Immerhin ging es an diesem 9. Spieltag der 2. Bundesliga um viel – und doch irgendwie um wenig. Die Zebras – mit zwei Punkten aus acht Spielen – katastrophal in die Spielzeit gestartet, gastierten beim großen Aufstiegsaspiranten und Tabellenführer 1. FC Köln. Die Favoritenrolle war klar verteilt und deshalb hatte der MSV, laut einhelliger Meinung, herzlich wenig zu verlieren. Doch Duisburg hat seit Montag einen neuen Trainer. Und Torsten Lieberknecht kann es gar nicht haben, bereits vor der Begegnung das Spiel verloren zu geben. „Wir hätten in Köln genauso viel verlieren können. Nämlich drei Punkte“, erklärte der 45-Jährige.

Und genauso pragmatisch ging seine Mannschaft auch in die Partie. Sie kuschte nicht vor dem großen „Effzeh“. Genau diese mutige Spielweise war es, die am Ende den Erfolg brachte. „Wir wissen, dass unsere Mannschaft Qualität besitzt“, sagte auch Sportdirektor Ivo Grlic. Nur müssen die Spieler diese auch zeigen. Das passierte in der bisherigen Saison viel zu selten. „Mit dem neuen Trainer stehen die Uhren auf Null“, sagte Grlic. Was bedeuten soll: Die Zebras wollen wieder nach vorn galoppieren. Und dafür war der Sieg in Köln nicht der schlechteste Anfang.

Dass Lieberknecht etwas ändern würde, konnte zu Beginn erwartet werden. Doch der ehemalige Trainer von Eintracht Braunschweig bediente sich nicht an neuem Spielerpersonal, sondern an einem neuen Spielsystem. Besser gesagt: An gleich drei Systemen. Zu Beginn überraschte Lieberknecht mit einer Raute im Mittelfeld. Die Umstellung führte dazu, dass die Zebras die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, die in den Vorwochen viel zu groß waren, enorm verkleinert haben. So schafften es die Kölner nicht, ihr Spiel in den Zwischenräumen aufzuziehen. Der Plan ging auf. Später variierte Lieberknecht. Erst stellte er auf ein 4-2-3-1-System um, dann agierte der MSV mit einer Fünferkette, um die Führung über die Zeit zu retten. Auch das gelang. „Es war eine Taktikschlacht“, sagte Lieberknecht später. „Da war unsere Variabilität enorm wichtig“

Freilich soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass es nicht nur an den Meiderichern lag. Der 1. FC Köln erwischte zugleich einen rabenschwarzen Tag – auch ein Grund dafür, dass Duisburg dieses Spiel für sich entscheiden konnte. „Wir haben eine Mannschaft, die in einer schwierigen Situation war, selbst aufgebaut“, sagte Köln-Trainer Markus Anfang. „Das war in der ersten Halbzeit richtig schlecht von uns. Das ist nicht der Anspruch, den wir haben.“ Recht hatte er. Es kann nicht der Anspruch der Kölner sein, in einem Heimspiel gegen den MSV Duisburg nicht unverdient zu verlieren. Denn die Zebras waren in Köln keinesfalls unterlegen. „Wir haben das Spiel verdient gewonnen“, sagte Grlic. „Die Mannschaft hat gesehen, dass man sich für einen harten Kampf selbst belohnen kann. Das gibt Hoffnung.“

Hoffnung darauf, diese ansprechende Leistung auch in die anstehenden Aufgaben zu transportieren. Mut macht auch, dass Lieberknecht die momentane Situation trotz des überraschenden Erfolges nicht schönredet. Im Gegenteil: Der Trainer fand direkt kritische Worte, denn „wir hatten eine Vielzahl an Chancen. Da waren wir nicht effektiv genug.“ Und weil „die Jungs nicht alle Aufgaben lösen konnten, das ist zu diesem Zeitpunkt aber ganz normal.“ Aber dass da noch einige Dinge im Argen liegen, sollte in der Tat keine Überraschung sein. Der verkorkste Saisonstart ist schließlich nicht vom Himmel gefallen. Doch wenn der MSV so weiter agiert, wenn er das nötige Kämpferherz, die nötige Leidenschaft und manchmal auch das nötige Fortune auf seiner Seite hat, dann könnte der Sieg in Köln eine Initialzündung für die kommenden Begegnungen sein. Auch wenn es auch in diesem Spiel nur drei Punkte gab. Komiker könnten meinen: Der MSV hat in Köln den Bock umgestoßen.

(pabie)
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