2. Bundesliga: Außenseiter MSV Duisburg gegen Hamburger SV

MSV Duisburg : MSV will wieder Favoritenschreck sein

Am heutigen Freitag hat der Zweitligist den Hamburger SV zu Gast. Obwohl es personell nicht gerade rosig aussieht, möchten die Meidericher dem Spitzenreiter ein Bein stellen – so wie vor ein paar Wochen dem 1. FC Köln.

Die Geste ist schon mal genau richtig. Die passende Zielgruppe ist noch zu bestimmen. Mit ausgestrecktem Finger schwört Torsten Lieberknecht, Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg, seine Spieler auf das Top-Spiel am heutigen Freitag gegen den Hamburger SV ein. „Nur mit dir glüht unsere Leidenschaft“, heißt es auf dem Plakat, das der Club in der Stadt aufgehängt hat. Gemeint sind die Fans. Der Satz könnte sich auch prima in die Kabinenansprache einfügen, bevor der Coach seine Mannschaft um 18.30 Uhr auf das grüne Geläuf der Schauinsland-Reisen-Arena beordert. Auf jeden Kicker kommt es an, will der MSV das Finale der Hinrunde für sich entscheiden. Nur wenn jeder einzelne eine Schippe mehr als alles gibt, können die Meidericher wie schon in Köln einen Spitzenreiter ins Bockshorn jagen.

Nach der 1:4-Niederlage in Heidenheim hatte Torsten Lieberknecht mangelnde Gier beim Personal angeprangert. Die Kritik relativiert der Trainer inzwischen. Er habe vor Selbst-Genügsamkeit warnen wollen: „Es sollte nicht das Gefühl aufkommen, dass man hinterher sagt: Das Spiel war eigentlich recht ordentlich.“ Zumindest in der ersten Halbzeit war der MSV die bessere Mannschaft. Der Trainer hatte sogar erkannt, dass sein Team nach dem 0:2 eine Mentalitäts- und Charakter-Reaktion gezeigt habe und sich habe wehren wollen.

Der heutige Gegner ist dem MSV von seiner spielerischen Qualität her überlegen. Das interessiert den Trainer wenig. „Mir ist egal, wer am Freitag kommt. Ob der Tabellenerste oder der Letzte. Das ist ja kein Wunschkonzert“, sagt Lieberknecht. Ganz ohne Belang ist die Ansetzung freilich keineswegs. Käme nicht gerade der auswärtsstarke Tabellenführer (19 von möglichen 21 Punkten) aus Hamburg vorbei, man müsste einen Sieg fordern.

13 Punkte aus 16 Spielen – das ist zu wenig, auch wenn der MSV nach wie vor einen rettenden Rang hält. Der Name, Tabellenplatz und Qualität im Kader des Gegners mindern den Erwartungsdruck. Was das Ergebnis angeht, nicht die Hoffnung auf glühende Leidenschaft. Soll was gehen, dann nur so. Denn die Zebras können zum Freitagspiel keineswegs ihren Sonntagsanzug überstreifen. Kapitän Kevin Wolze fehlt mit einer Gelb-Sperre. Dustin Bomheuer, verlässlichster Innenverteidiger der Mannschaft, muss mit einem Muskelfaserriss aussetzen. Gerade die Abwehr aber braucht qualifiziertes Personal. Acht Gegentore in zwei Spielen zeigen die Verwundbarkeit. Bomheuer fiel bereits in Heidenheim aus. Lukas Fröde fremdelte auf der Position doch sehr.

Eine erneute Besetzung könne aber ein Zeichen des Vertrauens selbst nach einem schwächeren Spiel sein, so Lieberknecht. Möglich wäre aber auch Enis Hajri auf dem Posten. Mehr Spieler für die Aufgabe fielen dem Coach nicht ein. Sebastian Neumann pausiert mit einer schweren Knieprellung.

Young-jae Seo wäre eine „1:1-Lösung“ für Kevin Wolze. Der Koreaner wurde für als Zweitbesetzung für links hinten gekauft, spielte aber bislang – vermutlich aus gutem Grund – keine einzige Minute. Seo musste nun in der Trainingswoche beweisen, was er drauf hat. Dass er aus der zweiten Mannschaft des HSV kommt und besonders motiviert sein dürfte, reicht nicht für eine Aufstellungsgarantie.

Lieberknecht ist vorsichtig: „Ich muss sehen, was er mir anbietet. Man muss sehen, ob das reicht.“ Aus der U 19 sitzt Seo Migel-Max Schmeling im Nacken. Der Abwehrmann gilt als ausgesprochen talentiert und motiviert. Die Wahl will sorgsam getroffen werden. Der Gast bietet mit Khaled Narey auf der rechten Seite eine echte Fachkraft auf.

Im vorderen Bereich fehlen dem MSV Borys Tashchy (Leiste) und John Verhoek (Virus). Ganz besonders aber ist Torsten Lieberknecht selbst gefragt, das richtige taktische Konzept zu wählen.

Die Vorwärtsverteidigung erwies sich gegen Kiel und Heidenheim als erfolglos. Der Graubrot-Vortrag mit viel Defensivarbeit und die Hoffnung auf göttlichen Beistand im Sturm könnten sich zu einem Plan formen. In Ingolstadt, Sandhausen und Bielefeld kam der MSV so zu Punkten. Allerdings hießen die Gegner auch Ingolstadt, Sandhausen und Bielefeld.

Immerhin: Für die Nadelstiche nach vorn stehen Ahmet Engin, Joseph Gyau und Cauly Souza zur Verfügung. Wenn es um glühende Leidenschaft geht, sind die drei ganz heiße Kandidaten.

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