Mo Salah vom FC Liverpool ist wieder Afrikas Fußballer des Jahres

Liverpools Superstar : Alle lieben Mo Salah

Mo Salah gehört längst zu den Besten der Welt. In Afrika wurde der Stürmer des FC Liverpool zum zweiten Mal in Folge zum Fußballer des Jahres gewählt. Sein großer Lehrmeister ist Jürgen Klopp.

Neulich hat der FC Liverpool das Spitzenspiel der englischen Premier League mit 1:2 bei Manchester City verloren. Das war bemerkenswert. Erstens, weil der FC Liverpool bis dahin noch kein Meisterschaftsspiel verloren hatte. Und zweitens, weil Mo Salah 90 Minuten auf dem Platz stand. Normalerweise verliert Liverpool nicht, wenn der Ägypter sein Talent über die gesamte Spielzeit in den Dienst seiner Mannschaft stellen darf.

An der Wertschätzung der Fußball-Öffentlichkeit hat das nichts geändert. Zum zweiten Mal in Folge wurde er zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt. Und im vergangenen Sommer kürten ihn Fans, Spieler und Fachjournalisten in drei verschiedenen Abstimmungen in seltener Einmütigkeit zu Englands Spieler des Jahres.

Mit 26 Jahren steht Salah auf dem Gipfel seiner Karriere. Und er muss schon viel Demut mobilisieren, um bei den allgemeinen Lobpreisungen nicht völlig abzuheben. In England liegen ihm die Fans (nicht nur) von Liverpool regelrecht zu Füßen. Und in seinem Heimatland nennen sie ihn einen König, seit er die Nationalmannschaft mit einem Elfmetertor in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen die Volksrepublik Kongo zur Weltmeisterschaft nach Russland schoss. Ägypten musste allerdings nach der Vorrunde nach Hause fahren. Das lag in erster Linie daran, dass es ein enormes Leistungsgefälle im Team gab. Die Klasse von Salah erreichte keiner der Kollegen.

Das ist freilich auch kein Wunder. Denn der ägyptische Stürmer spielt in der höchsten Liga der Welt, auf einem Niveau mit Lionel Messi, Neymar oder Cristiano Ronaldo. Und wie jeder große Spieler hat Salah einen unverwechselbaren Stil, der sich aus dem Besten der großen Kollegen zusammensetzt. Sein Sprint im Nähmaschinentakt erinnert ein wenig an Arjen Robben von Bayern München, seine Beschleunigung aus dem Stand an Messi, seine Ballbeherrschung im höchsten Tempo an Neymar und seine abgeklärte Kälte vor dem Tor an Ronaldo.

Nur in der Eigenvermarktung hält er nicht mit. Salah gilt als zurückhaltend, geradezu farblos. Sein ehemaliger Mitspieler Markus Steinhöfer, mit dem er beim FC Basel in einer Mannschaft stand, sagte der „Süddeutschen Zeitung“ vor einem Jahr: „Er ist sehr bodenständig und demütig.“ Ein Beweis: Als ihm Mortada Mansur, der Präsident des großen Kairoer Klubs Zamalek, im Triumph der WM-Qualifikation eine Villa versprach, bat Salah darum, das Geld seinem Heimatdorf zu spenden. Es ist nicht vorstellbar, dass sich der Ägypter zum Verzehr von goldüberzogenen Steaks einladen lassen und daraus eine Bildershow im Internet machen würde. Derartige Auftritte überlässt er Berufskollegen wie Franck Ribéry.

Dabei hat er ähnliche Widerstände auf dem Weg zum sportlichen Gipfel überwinden müssen wie der Münchner Franzose. In Ägypten erzählen sie sich gern die Geschichte, wie der kleine Salah fünfmal die Woche in einem klapprigen Bus aus seinem Heimatort Nagrig zum Training nach Kairo fuhr. Fünf Stunden dauerte die Fahrt – für eine Strecke.

Dieses Märchen aus Disziplin, Demut und Talent wäre trotzdem beinahe nicht weitererzählt worden. Obwohl ihn die ungeheure Begabung aus dem von Zuschauer-Krawallen ins Chaos gestürzten ägyptischen Fußball in den europäischen Profifußball beförderte, stockte Salahs Karriere. In Basel reichte sein großes Talent, das jedoch viel zu häufig in pure Verspieltheit mündete. Beim FC Chelsea scheiterte er an der Kälte und den Ansprüchen des Meistertrainers José Mourinho. Und so begann eine Tournee auf Leihstationen durch die italienische Serie A. Erst im Land der geborenen Verteidiger sind Salah offenbar die Geheimnisse des großen Fußballs endgültig offenbart worden. Er lernte, dass zum außergewöhnlichen Spieler ein Stückchen Abwehrarbeit und vor allen Dingen die Fähigkeit gehört, sich in die Mannschaftstaktik zu fügen.

Beim FC Liverpool wurde Trainer Jürgen Klopp ein perfekter Lehrmeister. Es ist kein Wunder, dass Salah in Nordengland den Schritt nach ganz oben gemacht hat. Er ist der ideale Stürmer für Klopps Vorstellung von Angriffslust und Vorwärtsverteidigung. Mit seiner Schnelligkeit bringt Salah gegnerische Abwehrreihen schon im Aufbauversuch durcheinander. Und wenn er den Ball vor sich hat, gibt es wenige legale Mittel, ihn vom Spielgerät zu trennen.

So kommt es, dass Salah selbst in Klopps bestens ausgewogener Mannschaft eine Ausnahmestellung beanspruchen darf. Und so kommt es auch, dass Salah für den Erfolg eigentlich unentbehrlich ist.

Dafür gibt es ebenfalls einen Beweis. Im Champions League-Finale 2018 gegen Real Madrid wirbelte Liverpool den großen Favoriten anständig durcheinander, bis Sergio Ramos seinen Gegenspieler Salah mit einem Freistilringergriff derart zu Fall brachte, dass der Ägypter mit einer Schulterverletzung ausscheiden musste. Fortan zog Real das Spiel auf seine Seite, und Liverpool fehlte bei allem Tempo das Genie seines Stürmers Salah.

In der harten Schule der Premier League hat er inzwischen gelernt, auch ohne Verletzungen durch Zweikämpfe mit hünenhaften Verteidigern zu gelangen. Bei der Niederlage in Manchester milderte er die Wirkung eines Monstertacklings des belgischen Abwehrspielers Vincent Kompany durch einen reaktionsschnellen Sprung. Aber die Würdigungen dieser Aktionen gingen weit auseinander. Während Klopp seiner Überzeugung Ausdruck verlieh, dass sich Salah ohne den ultimativen Rettungssprung schwer verletzt hätte, beschimpfte Kompany den Stürmer als „Pussy“.

Auf jeden Fall hatte Kompany einen Wirkungstreffer gelandet. Denn anschließend kam Salah in diesem Spitzenspiel nicht mehr so richtig vor. Vielleicht hatte er auch nur einen schlechten Tag. Selbst das soll ja vorkommen. Und es ist die verwegene Hoffnung des FC Bayern, der im Achtelfinale der Champions League auf den FC Liverpool trifft.

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