FSV Mainz 05: Mainz bleibt in Männerhand - Eva-Maria Federhenn chancenlos

Hofmann neuer Klubchef : Mainz bleibt in Männerhand - Federhenn ohne Chance

Die Chefposten in der Bundesliga bleiben eine Männerbastion: Die Wahl von Stefan Hofmann (54) zum neuen Vereinsboss des FSV Mainz 05 war gleichzeitig eine Absage an Eva-Maria Federhenn (50), die zur ersten weiblichen Chefin in der deutschen Eliteklasse aufsteigen wollte.

Der ehemalige Leiter des Nachwuchszentrums setzte sich bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung am Sonntag bereits im ersten Wahlgang gegen Silvio Aita, den früheren Vereins-Vize Jürgen Doetz und Aufsichtsrat-Mitglied Federhenn durch.

"Seit zwei Jahren bestimmen Negativschlagzeilen die Szenerie, es herrscht permanente Unruhe. Es ist jetzt wichtig, dass Ruhe einkehrt. Unruhe im Verein hat immer Einfluss auf den Sport", sagte der in der Öffentlichkeit eher unbekannte Hofmann, der für drei Jahre gewählt wurde: "Wir müssen den Verein wieder zusammenführen. Der Zusammenhalt ist verloren gegangen. Aber wir haben eine gemeinsame Identität."

Hofmann erhielt im ersten Wahlgang 587 Stimmen - drei mehr als für absolute Mehrheit nötig gewesen wären. Doetz (337), Federhenn (234) und Aita (9) hatten am Ende keine Chance. Hofmann punktete vor allem durch seine starke Vorstellungs-Rede. "Ich bin kein Machtmensch, ich pflege keine Eitelkeiten. Ich bin ein Teamplayer", äußerte der neue Klubchef: "Wir benötigen immer einen mittel- und langfristigen Blick, nie ein kurzfristigen. Wenn wir so agieren wie die Großen, haben wir keine Chance."

Gesucht wurde der Nachfolger von Johannes Kaluza, der im vergangenen Sommer an gleicher Stelle zum Vereinsboss aufgestiegen war, sein Amt aber bereits im folgenden Dezember wieder niederlegt hatte. Der Rücktritt war ein Tiefpunkt der monatelangen Irrfahrt, die mit der Diskussion um die Vergütung des langjährigen Präsidenten Harald Strutz Anfang 2016 begonnen hatte.

Schon vor der Abstimmung war klar, dass der FSV-Vorsitz auch weiterhin ehrenamtlich bleibt - ein Antrag auf Hauptamtlichkeit wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Vereinsgremien wollen allerdings bis zur nächsten Versammlung ein Satzungsmodell entwickeln, welches die Einsetzung eines hauptamtlichen Klubchefs ermöglichen kann.

Mit der Wahl am Sonntag soll das Führungschaos beim "Karnevalsverein" vorbei sein. "Wir müssen zur Ruhe kommen, das tut uns allen gut und dementsprechend auch dem Sport", sagte Sportvorstand Rouven Schröder, seine Zukunft in Mainz von den kommenden Monaten abhängig machen dürfte, im Vorfeld: "Mainz 05 stand immer dafür, in Ruhe gelenkt und geleitet zu werden. Es ist wichtig, dass wir Stabilität bekommen."

Die Versammlung wurde um 11.01 Uhr vom Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne eröffnet. Vor den 1288 anwesenden Mitgliedern in der Halle 45 wies Höhne Berichte zurück, wonach er zuletzt Kritik an der sportlichen Leitung um Schröder und Trainer Sandro Schwarz geübt habe. "Bei der zurückliegenden Aufsichtsratssitzung wurde Rouven Schröder einstimmig das Vertrauen ausgesprochen", sagte Höhne.

Der Aufsichtsrat war erst im vergangenen Sommer installiert worden - alles im Zuge einer großen Strukturreform, mit der die Nach-Strutz-Ära eingeleitet werden sollte. Eine Personalie war schon vor der Klubchef-Wahl geklärt. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Jan Lehmann stellte sich den Klubangehörigen vor. Er wird am 1. Februar offiziell seinen Dienst als kaufmännischer Vorstand antreten.

(sid)
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