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Bundesliga: So spielte sich Mainz 05 aus den Abstiegsrängen - Montag gegen Hertha BSC

Heute Abend gegen Hertha : Wie sich Mainz 05 aus dem Tabellenkeller spielte

Mainz 05 stand am Ende der Hinrunde abgeschlagen auf dem 17. Tabellenplatz. Heute können sie gegen die Hertha (18 Uhr) den Klassenerhalt so gut wie fest machen. Diese Aufholjagd hat viel mit wiedergewonnener Identität zu tun – auf und neben dem Platz.

Was genau sich in Mainz verändert hat, ließ sich am 24. April im Spiel gegen die Bayern beobachten. Es stand schon 2:0 für die Rheinhessen, Karim Onisiwo, der Mainzer Außenstürmer, versucht trickreich an zwei Bayernspielern vorbeizukommen. Er verliert den Ball, es gibt Einwurf für die Münchner. Doch am Spielfeldrand steht Bo Svensson und lacht. Onisiwo läuft an ihm vorbei, lacht jetzt auch, klatscht mit seinem Trainer ab. Schließlich gewinnen die Mainzer 2:1 gegen den designierten Meister. Diese Szene zeigt: Die gute Laune ist wieder da in Mainz. Die viel beschworene Stimmung in der Mannschaft, sie stimmt. In Mainz ist das mehr als nur eine Phrase.

Noch am Ende der Hinrunde war diese Stimmung am Tiefpunkt angelangt. Mainz stand mit sieben Punkten auf Platz 17 in der Tabelle, punktgleich mit dem FC Schalke. Am Anfang der Saison ging Trainer Achim Beierlorzer, im Dezember verließ auch der überfordert wirkende Jan-Moritz Lichte den Posten des Cheftrainers. Der damalige Sportvorstand Rouven Schröder bat um die Auflösung seines Vertrages. So viel Unruhe gab es selten im sonst so ruhigen Mainz. Der Verein war abgeschlagen, viele legten sich fest: Das war’s für den FSV. Noch nie hat es eine Mannschaft geschafft, mit dieser Zwischenbilanz die Klasse zu halten.

Doch es sieht so aus, als würde in Mainz Historisches passieren: Wenn das Team heute gegen den Mitkonkurrenten Hertha gewinnt, ist es mit dann 37 Punkten so gut wie durch. Wie haben die Mainzer das geschafft?

Mainz war schon immer ein Ausbildungsverein. Große Trainer kamen aus den eigenen Reihen; Jürgen Klopp spielte lange bei Mainz, bevor er den FSV in die Bundesliga führte, Thomas Tuchel war Jugendtrainer, bevor er sich mit dem Team für die Europa Leauge qualifizierte. Mit Achim Beierlorzer kam man von diesem Weg ab, der Bayer taugte nicht als Identifikationsfigur, zudem spielte das Team unter ihm selten gut. Zumindest aber schaffte er in der vergangenen Saison den Klassenerhalt. Nach einer 1:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart am 2. Spieltag wurde Beierlorzer dann entlassen – nach gerade einmal 26 Spielen als Cheftrainer

Dann, zum Beginn der Rückrunde, kam die Identifikation zurück: Der Manager Christian Heidel, auf Schalke inzwischen Persona non grata, in Mainz hingegen als „Don Heidel“ verehrt, kehrte zurück. Er bekleidet die Rolle als „Vorstandsmitglied für Strategie, Sport und Kommunikation“. Der ehemalige Mainzer Trainer Martin Schmidt wurde Sportdirektor. Und Bo Svensson wurde Cheftrainer.

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Der Däne, der auch eineinhalb Saisons für Mönchengladbach spielte, ist eine Mainzer Vereinsikone. Von 2007 bis 2014 spielte er als Innenverteidiger beim FSV, stieg mit dem Verein ab und wieder auf, blieb ihm auch nach seiner Karriere treu – als Jugendtrainer. Dann, im Jahr 2019, wechselte er zum österreichischen Zweitligisten FC Liefering, einem Farmteam von Red Bull Salzburg. Er ließ sich in seinen Vertrag eine Ausstiegsklausel hineinschreiben – für den Fall, dass er zu Mainz 05 zurück kann.

Seitdem Svensson diese Ausstiegsklausel zog, geht es in Mainz stetig bergauf. Das erste Spiel unter ihm verlor die Mannschaft noch 0:2 gegen Frankfurt, es folgte ein Unentschieden gegen Dortmund, danach eine Niederlage gegen Wolfsburg. Dann kam der 18. Spieltag. Gegner war RB Leipzig, gegen das Mainz in der vergangenen Saison 5:0 und 8:0 verloren hatte. Die 05er gewannen 3:2. Es folgten Siege gegen Mönchengladbach, gegen die starken Freiburger, gegen Bayern München. Acht Siege aus 13 Spielen, Platz fünf in der Rückrundentabelle. Mit einem Sieg gegen Berlin wäre man gar das zweitstärkste Rückrundenteam, zwei Punkte hinter dem FC Bayern.

Auch Schalke und Hertha haben versucht, sich mit Wechseln im Trainer-und Funktionärsstab sowie mit Spielertransfers wieder mehr Identität zurückzuholen. Wirklich funktioniert hat das nur beim FSV. Weil man hier nicht nur auf Identität setzt, sondern auch spielerisch wieder einen klaren Plan verfolgt.

Mainz spielt wieder so, wie man es in den letzten Jahren kennengelernt hat. Sie laufen hoch an, haben ungern den Ball, setzen auf Pressing und schnelle Balleroberungen, auf Kontertore. Hinzu kommen die Wintertransfers, allen voran Danny da Costa und Dominik Kohr, die eine wichtige Verstärkung sind. Es wirkt so, als hätte der Verein seine DNA zurück. In den 16 Spielen unter Svensson hatte Mainz nur vier Mal mehr Ballbesitz als der Gegner, von diesen Spielen konnten sie nur eines gewinnen – gegen den SC Freiburg. Aus Spielen mit weniger Ballbesitz hingegen holten sie sieben Siege. Und es gibt wieder mehr Mainzer, die für Torgefahr sorgen. In der Hinrunde schoss Jean-Philippe Mateta sieben der 15 Mainzer Tore. Mateta verließ den Verein in Richtung Crystal Palace. Die inzwischen 18 Tore aus der Rückrunde schossen elf verschiedene Spieler.

Dabei war es gerade der Abschied von Mateta, der viele Kritiker auf den Plan rief: Mainz 05 verkauft seinen besten Torjäger, hieß es. Das war es dann endgültig für den FSV, man sei selber Schuld, wenn man absteigt, so war die Kritik. Nur: Mateta selbst wollte in der Vorsaison schon unbedingt weg, gerade in seinen letzten Partien spielte er lustlos. Im DFB-Pokal passte er den entscheidenden Elfmeter gegen den VfL Bochum mit gefühlten drei Stundenkilometern auf den Bochumer Torwart. Mainz schied aus, Mateta ging. Und Adam Szalai kam wieder.

Szalai wurde Anfang der Saison von Achim Beierlorzer suspendiert. Daraufhin streikten die Spieler, erschienen nicht zum Mannschaftstraining. Bo Svensson holte Adam Szalai endgültig zurück. Bisher erzielte der Stürmer, der mit Svensson noch vier Jahre zusammen in Mainz spielte, lediglich ein Tor. Doch er ist ein wichtiger Bestandteil des Mainzer Spiels: Er läuft viel, macht die Bälle fest, verteilt sie auf die Mittelfeldspieler. Und er ist in der Mannschaft beliebt, das zeigte schon der Streik in der Hinrunde. Auch er ist ein wichtiger Grund dafür, dass beim selbsternannten Karnevalsverein eines wieder ganz besonders gut ist: Die Stimmung.