"Ich bin der Herr": Kirche läuft Sturm gegen den "Fußball-Gott"

"Ich bin der Herr": Kirche läuft Sturm gegen den "Fußball-Gott"

München (rpo). In Gladbach heißt er Igor Demo, die Düsseldorfer nannten Carlo Werner einst ihren "Herrn". Überall gibt es "Fußballgötter", doch dem will die katholische Kirche in Bayern jetzt ein Ende bereiten. Das "Gerede vom Fußball-Gott" muss beendet werden, befand Sportprälat Karl-Heinz Summerer. Das Beschwören eines "Fußball-Gottes" vertöße gegen das erste Gebot, das Gotteslästerung verbietet.

"Ab heute glaube ich nicht mehr an den Fußball-Gott." Rudi Assauer, allmächtiger Manager von FC Schalke 04, war am Ende des dramatischen Finales der Fußball-Bundesliga am Boden zerstört. Doch nicht erst seit vergangenem Samstag sorgen die bis zuletzt unvergleichlich spannende Bundesliga und der Champions League- Siegeszug von Rekordmeister FC Bayern München dafür, dass der liebe Gott so präsent ist wie sonst nur selten im deutschen Alltag.

Doch die katholische Kirche im Fußball-Land Bayern läuft nun gegen das Beschwören des "Fußball-Gotts" Sturm. Sportprälat Summerer attackiert das Bemühen des angeblichen Fußball-Gotts, der mal den einen, dann den anderen zur Seite stehe, als "ganz und gar unangebracht". Die Mahnung des Kirchenmannes an Aktive, Funktionäre, Journalisten und Politiker: "Man sollte den Ball auf dem grünen Rasen lassen und nicht in den Himmel heben." Das Anrufen des göttlichen Beistandes hatte nach dem spektakulären Finale in der Bundesliga selbst vor Titelseiten nicht mehr halt gemacht. "Gott ist ein Bayer!", bejubelte die Münchner "Abendzeitung" in roten Lettern den Triumph der Bayern.

Am Morgen vor dem Champions League-Finale legte die "Bild"-Zeitung nach und forderte den Herrn auf: "Fußball-Gott, zieh die Lederhose an!" "Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir." Der 67 Jahre alte Prälat Summerer verweist bei seiner Kritik auf das erste Gebot der Bibel, das viele Menschen erst nähmen. Und wer als Christ um die Liebe Gottes wisse, wer auf sie vertraue und an sie glaube, binde sich an keine Götter, erinnerte er. Prälat Summerer steht in diesen Zeiten nicht ganz alleine. Ausgerechnet beim arg gebeutelten FC Schalke 04 zeigt dies Gerald Asamoah. "Gott weiß, was er tut", sagte der Stürmer selbst nach dem für die Blauen tränenreichen Ende der Bundesliga-Saison. "Man muss an ihm festhalten. Ich glaube weiter an ihn."

(RPO Archiv)
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