Wie Andreas Bosheck beim KFC Uerdingen vom Skandalmaskottchen zum Betreuer aufstieg

Aus dem Trainingslager des KFC Uerdingen : Der Zeugwart will noch einmal in die Bundesliga

Das einstige Skandalmaskottchen hat sich gewandelt. Andreas Bosheck wächst in seine Aufgabe als Zeugwart des KFC Uerdingen hinein und weiß, dass er sich ebenso wenige Fehler leisten darf wie die Spieler auf dem Platz.

Andreas Bosheck genießt die Tage in der Türkei. Das Trainingslager ist für ihn nämlich eine Art Urlaub. „Hier wird einem jeder Wunsch von den Augen abgelesen“, sagt der Zeugwart des KFC Uerdingen. „Ich muss nicht waschen, nicht trocknen. Hier wird einem vieles abgenommen.“ Dafür hat er vor dem Abflug zwei Tage lang geschuftet: Sechs große Kisten mit Material bepackt – von Bällen, über Trainingsanzüge bis hin zu den Trikots.

Hier in Belek ist er zwar auch von morgens bis abends für die Mannschaft da, aber die Arbeit verteilt sich ohne Stress. In Uerdingen hingegen beginnt sein Arbeitstag mrgens um 7.30 Uhr. Da ist er im Stadion und bereitet alles für das Training vor. Zehn Stunden ist er täglich für den KFC auf Achse – sieben Tage in der Woche.

Aber Andreas Bosheck, den alle nur „Bossi“ rufen, hat es schließlich so gewollt. 26 Jahre lang war er Auslieferungsfahrer, dann suchte der KFC einen Mannschaftsbetreuer. Bossi, der vorher 14 Jahre lang als Grotifant das Maskottchen bei den Blau-Roten gespielt und dafür mehrmals skandalträchtige Prügel eingesteckt hat, sprach bei Geschäftsführer Niko Weinhart vor und bekam den Zuschlag.

„Das ist mein Traumjob“, sagt er und lächelt zufrieden. Seine Arbeit wird anerkannt: „Trainer und Spieler behandeln mich gut. Aber es ist kein Spaß. Ich muss funktionieren und abliefern. Wer das nicht tut, ist im Profibereich schnell weg.“ Entsprechend bemüht er sich, seine Arbeit gut zu machen und auch die Extrawünsche der Spieler zu erfüllen. Und die des Trainers: „Die Kaffeemaschine muss immer an sein, wenn er morgens zum Training kommt.“

Bälle aufpumpen und während des Trainings einsammeln bei Wind und Wetter, verschwitzte Hemden und Hosen waschen – ein Traumjob? Für Bossi schon, denn er liebt seinen Verein. Im Alter von sechs Jahren nahmen ihn seine Eltern erstmals mit zu einem Spiel in die Grotenburg-Kampfbahn. Doch die Liebe wurde so richtig am 19. Februar 1977 entfacht. „Da lagen wir im Pokal gegen Frankfurt bis zur 90. Minute 1:3 zurück und haben 6:3 nach Verlängerung gewonnen“, erzählt Bosheck, und seine Augen strahlen dabei. Seitdem war er mit Leib und Seele dabei und hat alle Europapokalspiele live gesehen – daheim und auswärts. Und er hat seine Tochter Lena mit dem KFC-Virus infiziert. „Als es den Grotifanten nicht mehr gab, hat meine Tochter gedrängt, dass wir ihn wieder holen“, erinnert sich Bossi. „Und in unserem Fanclub Legion Uerdingen hieß es dann: wenn deine Tochter das will, musst du das Maskottchen machen. Das habe ich dann getan.“

Vom Maskottchen zum Betreuer – was nun? „Ich hoffe, dass es so weitergeht, wie Herr Ponomarev sich das wünscht und wir in die zweite Liga aufsteigen“, sagt Bossi. Seinen Traumjob hat er, aber er hat auch noch Träume: „Noch einmal mit Uerdingen in die Bundesliga aufsteigen und da mitspielen.“ Ob auch dieser Wunsch eines Tages noch in Erfüllung geht?

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