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Vorsitzender Damien Raths verrät, warum der KFC nicht Oberligist wurde

KFC-Vorsitzender Damien Raths : „Ich glaube, der Verein hat ein großes Potenzial“

Der Verzicht auf die Teilnahme an der Fußball-Regionalliga war für den KFC Uerdingen durchaus ein Thema. Der Vorsitzende Damien Raths verrät, warum der Traditionsverein den Neu-Start in der Oberliga verworfen hat.

Damien Raths wurde vom Verwaltungsrat des KFC Uerdingen am 29. Juni zum Vorsitzenden ernannt. Der 35 Jahre alte Gründer und Besitzer von Raths Sportmanagement ist im internationalen Sport in den Bereichen Marketing, Sponsoring, Merchandising, TV-Rechte und Investitionen tätig.

Herr Raths, warum tun Sie sich das an?

Raths Ich bin viel in Deutschland unterwegs, kenne viele Vereine und verfolge den KFC Uerdingen seit der Lakis-Ära. Ich habe immer geguckt, was da so läuft und habe auch die Berichterstattung der vergangenen Wochen verfolgt – den Rückzug von Herrn Ponomarev und die Geschichte mit den Armeniern, wie dann plötzlich überhaupt keiner mehr da war. Ich bin dann seinerzeit an den Insolvenzverwalter Dr. Kruth herangetreten und habe gefragt, wie man helfen kann. Und mit dem Ansinnen bin ich auch zum Verwaltungsrat gekommen.

Aber nochmal: warum tun Sie sich das an?

Raths Ich glaube, der Verein hat ein großes Potenzial, ein sehr schönes Stadion, viele Zuschauer. Ich kenne die Region sehr gut, aber für mich ist es wichtig, drei Vorstandskollegen zu haben, die Krefeld und den Verein perfekt kennen. Ich glaube, hier kann man viel bewegen und viel Neues aufstellen. Das ist das Hauptziel. Ich denke, dass man den Verein langfristig wieder auf gesunde Beine stellen kann.

Und kurz- oder mittelfristig?

Raths Für uns geht es zunächst einmal darum, dass wir uns in der Regionalliga etablieren. Dazu gehört, dass wir ein Organigramm aufstellen und die notwendigen Strukturen schaffen, um dann in ein paar Jahren auch wieder höhere Ziele anzupeilen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Ist es ein großer Nachteil, dass Sie in Luxemburg sitzen?

Raths Nein, ich bin die ganze Zeit vor Ort und habe ein Zweitbüro in Frankfurt. Aber manchmal bin ich schneller von Luxemburg über Aachen in Krefeld als von Frankfurt über Köln und Düsseldorf. Ich bin zwei bis drei Mal pro Woche hier. Das ist für mich kein Problem, weil ich beruflich international viel unterwegs bin und selten in Luxemburg. Ich werde regelmäßig vor Ort sein und nicht nur zu den Spielen am Wochenende kommen.

Viele haben Bedenken, ob die Mannschaft in der Regionalliga mithalten kann. Warum haben Sie nicht für die Oberliga gemeldet? War das keine Option?

Raths Doch, als wir angetreten sind, haben wir alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Eine Möglichkeit war, dass, wenn wir vor dem 30. Juni in die Insolvenz gehen, dass wir dann ohne neun Punkte Abzug in der Oberliga starten können. Das haben wir dann juristisch vom Verband prüfen lassen, das wollte uns aber keiner garantieren. Und da haben wir gesagt, wenn wir keine Garantie bekommen, wollen wir alles probieren, um aus den Schulden heraus zu kommen. Da haben wir mit fast allen Gläubigern geredet, um eine Möglichkeit zu finden, die Insolvenz zu vermeiden. Eine Lösung wurde nicht gefunden, es musste ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden.

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War das nicht ein Tiefschlag für Sie?

Raths Nein, wir hatten immer im Hinterkopf, dass es zur Insolvenz kommen kann. Wir sind sehr froh darüber, dass Herr Dr. Niering die Aufgabe übernommen hat. Das war von uns gut organisiert. Normalerweise dauert es, wenn man zum Amtsgericht geht, eine Woche bis ein Gutachter kommt, und dann dauert es nochmal zwei, drei Wochen bis das Gericht einen Insolvenzverwalter bestellt. Bei uns ist es schnell gegangen, wir haben den Antrag aber auch gut vorbereitet und viele Gespräche geführt. Für uns war es wichtig, alle Möglichkeiten auszuloten. Und ich sage ehrlich: Wenn wir entschieden hätten, wir gehen in die Oberliga, hätten dann Insolvenz angemeldet und neun Punkte abgezogen bekommen, das hätte nicht sein können. Die Zeit, um all das vorzubereiten und zu entscheiden, hatten wir nicht, deshalb war es immer unser Ziel, in der Regionalliga zu spielen, und das so gut wie möglich.

Aber ist das für den KFC in der derzeitigen Situation nicht eine Nummer zu groß?

Raths Wir Wir haben relativ schnell erkannt: unser Problem ist nicht das Budget für diese Saison, sondern das sind die Altlasten, die Schulden, die den e.V erdrückt haben. Und da waren wir lange gehemmt, weil die Konten gesperrt und wir nicht handlungsfähig waren. Wir hatten nie das Problem, die Saison zu finanzieren. Und durch den neuen Hauptsponsor ist der Etat sogar noch etwas höher, auch wenn wir uns natürlich eher im unteren Bereich der Regionalliga wiederfinden.

Warum war es angesichts des doch für einen Fußballverein eher überschaubaren Schuldenbergs von 800.000 Euro es nicht möglich, eine andere Lösung als die Insolvenz zu finden?

Raths Aufgrund des enormen Zeitdrucks. Es war ein schlechter Zeitpunkt, viele Unternehmen und Geschäftsleute waren im Urlaub. Wir haben mit Schuldner geredet und mit dem Finanzamt, was ein sehr positives Gespräch war, aber uns ist einfach die Zeit davon gelaufen.

Wie schätzen Sie die Situation in sportlicher Hinsicht ein?

Raths Wir haben die ersten beiden Spiele verloren, das war aber aufgrund der Situation und der kurzen Eingewöhnungszeit einkalkuliert. Grundsätzlich denke ich, dass unsere Mannschaft mit punktuellen Verstärkungen das Zeug für die Regionalliga hat. Der neue Hauptsponsor bietet uns da noch ein paar andere Möglichkeiten, wir werden aber jetzt nicht einfach Spieler verpflichten. Wir sind weiterhin weit entfernt von neureich, aber haben immerhin ein paar Möglichkeiten mehr, so dass wir eine Mannschaft haben, die mit Blick auf den Abstieg notfalls auch neun Punkte Abzug verkraften könnte. Wir werden jetzt aber mit Sicherheit nicht Rot-Weiss Essen angreifen. Das geht nicht.