Uerdingen: Verteidiger Müller ersetzt in Wiesbaden gesperrten Schorch

Uerdingen: Starke Bank als Trumpf: Müller, der Musterprofi

Ein halbes Jahr muss er zuschauen. Er klagt nicht und ist im richtigen Moment da.

Robert Müller konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ein halbes Jahr hatte er keine Rolle gespielt, elf Mal auf der Tribüne gesessen, sechs Mal auf der Bank geschmort. Interviews hatte er stets abgelehnt mit dem Hinweis: „Ich habe doch nicht gespielt.“ Doch jetzt hatte er sein Debüt im Trikot des KFC Uerdingen gefeiert. „Ich bin Fußballer, bin ehrgeizig und will natürlich spielen“, sagte er nach dem 2:1-Sieg gegen Rostock. Hatte es denn überhaupt noch dran geglaubt, jemals beim KFC zum Einsatz zu kommen. „Natürlich habe ich dran geglaubt“, antwortete er. „Aber es war nicht einfach, es war eine lange Zeit. Umso mehr freut es mich, dass wir gewonnen haben.“

Das Schulterklopfen kam übernahmen die Mannschaftskameraden unaufgefordert. „Es war ein geiles Spiel, in dem alle Vollgas gegeben haben“, sagte Torhüter René Vollath, der dann, ohne ihn namentlich zu erwähnen, auch auf Müller einging: „Gerade die Jungs, die ansonsten nicht so oft spielen, waren heute überragend. Sie haben gezeigt, dass es super Jungs sind, auf die absolut Verlass ist. Und eine Meisterschaft gewinnst du nur als Team.“

Trainer Stefan Krämer scheute sich nicht, Müller ausdrücklich zu loben. „Gegen Rostock hat uns die Hälfte der Viererkette gefehlt“, sagte er. „Das hat man aber nicht gemerkt, und das freut mich auch für Robert Müller. Er hat sich nie hängen lassen, immer hart gearbeitet, und er war nie ein Stinkstiefel. Daher hat es mich nicht überrascht, dass er eine solche Leistung gezeigt hat.“

Krämer betont zwar immer, dass die Mannschaft intakt und charakterstark ist, aber es ist dennoch nicht selbstverständlich, dass ein gestandener Profi wie Müller über derartige Nehmerqualitäten verfügt und mit dieser ungewohnten Rolle klar kommt. Das ist nicht nur professionell, sondern zeugt auch von enormer menschlicher Qualität und Reife, sich derart in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Allerdings ist es ein Déjà-vu mit der vergangenen Saison, wenn auch in zugespitzter Form. Denn vor einem Jahr kam Müller beim VfR Aalen vor dem Jahreswechsel auch nur fünf Mal zum Einsatz, um dann ab Januar alle 18 Spiele über 90 Minuten zu absolvieren – mit einer einzigen Ausnahme, wo er zur Pause ausgewechselt wurde.

Alles deutet darauf hin, dass Müller auch am Montag beim SV Wehen Wiesbaden spielt, denn Verteidiger Christopher Schorch ist gesperrt.

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