Uerdingen: Krämer auf den Spuren von Quälix

Dritte Liga : Uerdingen: Krämer auf den Spuren von Quälix

Nach der enttäuschenden Leistung bei der 0:2-Niederlage in Karlsruhe kündigt Uerdingens Trainer Stefan Krämer eine besondere Lektion an: Seine Spielern müssen sich die erste Halbzeit noch einmal anschauen.

Es gab vor einigen Jahren einen prominenten Trainer, der nicht nur erfolgreich war, sondern auch manchmal zu eigenartigen Methoden griff: Felix Magath. Der inzwischen 65-Jährige wurde drei Mal Trainer des Jahres (2003, 2005, 2009) und ebenso oft Deutscher Meister: 2005 und 2006 mit Bayern München sowie 2009 überraschend mit dem VfL Wolfsburg. Doch der Mann mit dem großen Herz und sozialem Engagement kannte in der Arbeit mit seinen Mannschaften kein Pardon, was Felix den Beinamen „Quälix“ einbrachte.

Will Stefan Krämer, der Trainer des KFC Uerdingen in seine Fußstapfen treten? Jedenfalls kündigte der Coach des Tabellenführers der Dritten Liga nach der 0:2-Niederlage beim Karlsruher SC an, er werde seine Spieler am Sonntag beim Wiedersehen quälen. Allerdings geschieht das auf eine andere Art und Weise, als es Magath zu tun pflegte. Der Coach, der als genialer Mittelfeldstratege immerhin Europameister und Vizeweltmeister war, zwei Mal den Europapokal gewann und mehrmals als Deutscher Meister gefeiert wurde, jagte als Trainer seine Schützlinge Treppen oder Berge hinauf und forderte sie körperlich ungewohnt hart.

Krämer hat indes andere „Foltermethoden“ im Sinn. „Ich werde die Mannschaft per Video quälen“, sagte der Fußballlehrer, dessen Mannschaft zuvor aus sechs Spielen 16 Punkte geholt hatte. „Wir werden uns am Sonntag Morgen gemeinsam die erste Halbzeit ansehen, in voller Länge.“

Die hatte der Coach nämlich im Wildpark als eine Qual erfahren. „Da war Karlsruhe viel griffiger, schneller, wacher“, sagte Krämer. „Der KSC hatte die bessere Struktur, hat die Zweikämpfe gewonnen, war einfach bessser. Wir haben im Spielaufbau den Ball viel zu leichtfertig her gegeben.“ Krämer war ziemlich enttäuscht von seiner Elf: „Es war ein Spitzenspiel, das live im Fernsehen übertragen wurde, in dem wir Tabellenführer waren. Da hatte ich mehr erwartet. Wir haben verdient verloren.“

Da mochte sein Kollege Alois Schwartz nicht widersprechen, wis aber darauf hin, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist. „Nach dem letzten Heimspiel herrschte hier Untergangsstimmung“, agte er rückblickend. „Nach dem Sieg in Osnabrück und dem heutigen Spiel sind alle himmelhochjuachzend. Ich weiß, dass das im Fußbal heute so ist, aber ich möchte doch ein Wort ins Spiel bringen, auch wenn es heute nicht mehr gefragt ist: Geduld.“

Die will sein Kollege Krämer an einem Punkt aber auch nicht aufbringen: „Ich bin froh, dass wir am Mittwoch das nächste Spiel haben. Wenn wir jetzt eine Woche mit diesem Erlebnis leben müssten, fände ich das nicht gut. ich bin froh, dass es Mittwoch weiter geht.“

Dann kommt der FSV Zwickau in die Schauinsland-Reisen-Arena nach Duisburg. Einfach wird aber auch das für die heimschwachen Uerdinger nicht, die trotz der Niederlage in Karlsruhe weiterhin Tabellenführer sind.

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