Trainingslager: Ex-Nationalspieler Maroh über seine Rolle beim KFC Uerdingen

KFC Uerdingen im Trainingslager : Maroh: Der Aufstieg das Allerwichtigste

Zumindest aus sportlicher Sicht und für den KFC Uerdingen, doch für den 31 Jahre alten ehemaligen slowenischen Nationalspieler stehen andere Werte ganz oben auf der Prioritätenliste: Liebe, Treue und Heimat.

Das Training ist für zehn Uhr angesetzt. Als die meisten Spieler eine Viertelstunde vor Beginn zum Platz kommen, arbeitet einer schon dort mit Torhüter Tim Schneider: Dominic Maroh. Der international erfahrene Routinier schießt den Nachwuchskeeper warm.

Maroh lacht gern, aber er ist kein Witzbold, sondern einer, dem es ernst ist: als Mensch und Profi, einer mit Tiefgang und Reife. Entsprechend reflektiert sind seine Gedanken über sein Leben. „Natürlich ist in der Dritten Liga alles ein bisschen anders“, sagt er. „Von daher hat die Umstellung etwas Zeit gebraucht. Aber ich denke, dass ich mich sportlich gut eingefügt habe, wobei es mir die Manschaft sehr einfach gemacht hat.“

Maroh: 31 Jahre alt, hervorgegangen aus der Jugend des SSV Reutlingen, 133 Bundesliga- und 85 Zweitligaspiele für Nürnberg und Köln, mit beiden Vereinen in die höchste Klasse aufgestiegen, Köln nach 25 Jahren erstmals wieder in einen internationalen Wettbewerb geführt, sieben Länderspiele für Slowenien – seit September beim KFC Uerdingen in der Dritten Liga.

Zu verdanken hat der KFC das dem 1. FC Köln. Nach sechs Jahren wurde sein Vertrag dort nicht verlängert. Maroh wäre freiwillig wohl nie gegangen, obwohl er ein Imi ist. So nennen sie in Köln Bürger, die ursprünglich nicht aus der Domstadt kommen – enne imiteete Kölsche.

Doch er ist dort inzwischen nicht nur heimisch geworden, sondern einer von ihnen. Drei Mal durfte er schon beim Rosenmontagszug mitfahren, was in der Domstadt einem Ritterschlag gleichkommt; er ist regelmäßig Ehrengast der Nippeser Bürgerwehr und mit seinem besten Freund, dem FC-Torhüter Timo Horn, bei der Gruppe Querbeat. „Nie mehr Fastelovend“, ist einer ihrer Hits, den Maroh auf seinem Smartphone hat und oft hört. Er genießt die Wertschätzung, die ihm auch heute noch zuteil wird, wenn er durch die Stadt geht. Vor allem aber liegt ihm die kölsche Mentalität: „Im Schwäbischen ist das Glas immer halb leer, in Köln ist es immer halb voll.“ Und er feiert gerne Karneval: „Wenn eine ganze Stadt tagelang so happy ist, das ist einfach schön.“

Dominic Maroh, jetzt mit dem KFC-Logo auf der Jacke, ist als Spieler mit 1. FC Köln Zweitligameister geworden und aufgestiegen. Das von ihm mit unterschriebene Trikot für das Hotel Maxx Royal in Belek ist im Klubhaus am Trainingsplatz ausgestellt. Foto: Thomas Schulze

Das ist auch bei einem Aufstieg der Fall, das hat er in Nürnberg und Köln erlebt. „Aufzusteigen, das ist etwas ganz Besonderes“, sagt er. „Wir müssen es in dieser Saison nicht, sollten es aber unbedingt. Das muss unser Ziel sein. Das ist schwierig, aber wunderbar. Der Aufstieg ist das Allerwichtigste, und es schadet sicher nicht, wenn Spieler dabei sind, die wissen, wie es geht.“

Dass der Abwehrspieler nicht ein, zwei Ligen höher, sondern in Krefeld gelandet ist, verdankt der KFC aber nicht nur Marohs Liebe zur Domstadt, sondern auch seiner Frau Madlen, die er 2009 in Nürnberg kennen gelernt hat. „Auch meine Frau ist in Köln sehr glücklich, wollte gerne in dem Umfeld bleiben und dort weiter ihrer Arbeit nachgehen“, sagt Maroh und erklärt, was er bei einem Wechsel bedenkt, dass es dabei nicht allein um ihn geht: „Es ist die Bereitschaft, die Entscheidung für den Partner mit zu treffen. Ich möchte das meine Frau glücklich ist. Wenn es den Menschen um mich herum gut geht, bin ich zufrieden.“ So betrachtet, sei er bescheiden, aber sportlich eben enorm ehrgeizig.

Beständigkeit und Treue sind für ihn keine Worthülsen, sondern gelebte Werte, weshalb er zuvor nur bei drei Vereinen war. Und deshalb schätzt er auch Traditionsvereine. So erinnert er sich daran, dass er als Kind wöchentlich die Bundesligatabelle mit Cola-Dosen gesteckt hat und Uerdingen dabei war. „Die Entscheidung zum KFC zu gehen, war definitiv richtig“, sagt er. Und mit den Jahren wird er auch Krefeld schätzen lernen.

Zahlreiche Impressionen mit vielen Fotos aus dem Trainingslager des Drittligisten in Belek gibt es auch im Internet. Dort finden Sie auch alle Beiträge zum KFC Uerdingen unter: www.rp-online.de/sport/fussball/kfc-uerdingen

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